Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 12.12.2015


Bikes

Allrounderin mit neuen Talenten

Ducati hat die Multistrada 1200 komplett überarbeitet. Neben ein bisschen frischer Schminke soll der neue Motor überzeugen.

In puncto Optik haben die Designer aus Bologna die Nase vorne. An der neuen Multistrada möchte man kein Detail verändern.<span class="TT11_Fotohinweis">Foto: Letzner</span>

© In puncto Optik haben die Designer aus Bologna die Nase vorne. An der neuen Multistrada möchte man kein Detail verändern.Foto: Letzner



Von Lukas Letzner

Ochsengarten – Die Ducati Multistrada war immer schon ein bisschen von allem. Seit mittlerweile fünf Jahren spricht sie sportlich ambitionierte Fahrer gleichermaßen an wie tourenbegeisterte Piloten und im Zweifelsfall folgte sie einem auch querfeldein. Es hat zwar ein bisschen gedauert bis die Konkurrenz diesen Schlag verdaut hat, doch mittlerweile ist das italienische Multi-Talent nicht mehr die Einzige, die alles kann. Daher gibt es seit heuer eine Neuauflage der Multistrada die mit frischem Design, neuem Fahrwerk, und überarbeitetem Motor weiter die Nase vorne haben will.

Das Wichtigste vorweg: Unsere neue 1200 S folgt dem gleichen Konzept wie ihre Vorgängerin. Ein nahezu ungezügelter Superbike-Motor sitzt in einem hochbeinigen Straßenfahrwerk und dennoch, die neue Multistrada wurde von Grund auf neu aufgebaut. Doch beginnen wir beim Anfang. Wer die feurige Italienerin das erste Mal umkreist, bekommt die Futter-Luke fast nicht mehr zu. Sie ist bis ins letzte Detail durchgestylt und hochwertig verarbeitet. Kabelstränge wurden gekonnt verdeckt, Schraubverbindungen bleiben unsichtbar. Insgesamt möchte man kein einziges Detail verändern.

Ergonomisch ist eigentlich alles gleich geblieben. Kein Wunder – denn das hat auch vorher schon hervorragend gepasst. Wem die Multistrada zu hoch oder auch zu nieder sein sollte, der kann die Sitzhöhe variieren (825/845 Millimeter) oder den Sitz sogar austauschen. Dann thront man nur noch auf 800 Millimetern.

Der wahre Genuss beginnt aber erst mit dem Druck auf den Anlasser. Mit einem dumpfen Bollern erwacht der Desmo-L-Twin zum Leben. Zwar erfüllt die rassige Italienerin die künftige Euro-4-Norm, dem Sound hat das allerdings nicht geschadet. Was noch auffällt? Der Testastretta läuft schon im Stand viel geschmeidiger. Der Grund? DVT heißt das Zauberkürzel und meint, dass der Motor mittels desmodromisch (Ventilsteuerung erfolgt ohne Ventilfedern) gesteuerten und in den Öffnungszeiten variablen Ventilen auf Gleichmäßigkeit und Fahrbarkeit getrimmt wurde. Und tatsächlich. Die einstigen Drehmomentattacken gehören der Vergangenheit an. Der Motor spricht auf das Öffnen der Drosselklappen viel geschmeidiger an als früher. Aber keine Sorge. Die Multistrada schickt dank der 160 PS und des maximalen Drehmoments von 137 Nm nach wie vor ordentlich Schmalz ans Hinterrad. Sobald die digitale Tourenanzeige die 5000er-Marke passiert, nimmt der Druck explosionsartig zu und lässt bis in die höchsten Drehzahlbereiche nicht mehr nach.

Der Antrieb ist aber nur ein Teil des neuen Gesamtpakets. Allerhand elektronische Helfer sind mit an Bord die über vier Fahrmodi angesteuert werden können. Dank ihnen kann der Fahrer Federung, Bremsen, Traktions- und Wheeliekontrolle auf seine Bedürfnisse anpassen. Ein Kurven-ABS von Bosch ist ebenso mit dabei.

Wer die hochbeinige Italienerin in der S-Version sein Eigen nennen will, muss dem freundlichen Händler mindestens 22.295 Euro über den Ladentisch reichen.