Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 27.08.2016


Bikes

Mit Sack und Pack über Asphalt, Stock und Stein

Fahrbericht: Kawasaki Versys 1000

© LetznerDas neue Familiengesicht steht auch der Kawasaki Versys 1000 ausgezeichnet. Foto: Letzner



Von Lukas Letzner

Sellrain – Ein gutes Jahr ist es jetzt her, dass Kawasaki seiner Big-Enduro, der Versys 1000, ein Rundum-Update spendiert hat. Glich die erste Version des Tourers optisch eher noch einem Biest, so ist ihre Nachfolgerin jetzt eindeutig zur Schönen gereift. Aber nicht nur das Kleid des Tourers hat man aufgehübscht. Von der Kupplung über Fahrwerk und Motor bis hin zu Bremsen und Elektronik: Alle Komponenten wurden überarbeitet.

Doch zurück zur Optik. Das neue Outfit steht der Versys 1000 richtig gut, ähnelt ein wenig dem der kleinen Schwester und man erkennt sofort, dass es sich hier um eine Kawa handelt.

Also rein ins Leder und aufgestiegen. Die Sitzbank der Versys ist nach wie vor äußerst bequem, liegt mit 840 Millimetern Sitzhöhe im Klassenmittel und da sie nicht allzu breit ausfällt, erreichen selbst Piloten ohne Gardemaß sicher den Boden. Die Sitzposition fällt ebenso angenehm aus. Aufrecht und hoch oben könnte man meinen, in einem SUV zu sitzen. Man merkt sofort, dass die Orientierung der Neuen noch touristischer ausfällt als bisher. Höherer Windschild, reduzierte Dämpfung der Federelemente und ein stärkerer Heckrahmen, der ein Plus von fünf Kilo bei der Zuladung erlaubt, sind nur die wichtigsten Gründe dafür.

Nach dem Druck aufs Knöpfchen erwacht der Reihen-Vierzylinder zum Leben. Er wurde im wesentlichen von der Vorgängerin übernommen, allerdings erhielt er einen überarbeiteten Zylinderkopf und eine modifizierte Einspritzanlage. Auf dem Papier bringen diese Änderungen zwei PS mehr, die man aber kaum merken wird. An Durchzug hat es der Vorgängerin allerdings schon nicht gefehlt und die Neue geht mindestens genauso durchzugsstark ans Werk. Unsere erste Ausfahrt führt uns in die Dolomiten, deren kurvige Bergstraßen das Jagdrevier der Versys sind. Trotz des stolzen Gewichts von 250 Kilogramm (inklusive serienmäßigem Hauptständer und dem verstärkten Heckrahmen) lässt sie sich äußerst leichtfüßig ums Eck bewegen. Das Umlegen gelingt dank des breiten Lenkers und des hohen Schwerpunkts kinderleicht.

Zudem nimmt das 120 PS starke Aggregat das Gas seidenweich an, überzeugt schon ab Leerlaufdrehzahl mit seinem kraftvollen Durchzug, und wühlt sich bis knapp über 10.000/min durchs Drehzahldickicht. Der Motor läuft außerdem spürbar sanfter. Der Grund dafür sind die zwei Silentblock-Motorhalterungen (bislang nur eine), die den in typischer Kawa-Tradition relativ rau laufenden Vierzylinder der Kawasaki Versys 1000 spürbar dämpfen. Apropos dämpfen: Das Fahrwerk könnte für unseren Geschmack etwas straffer ausfallen. Die weichere Dämpfungsabstimmung bestimmt trotz geringfügig härterer Stoßdämpferfeder den Gesamtauftritt. Doch nur wer den betont komfortablen Ritt mag, wird damit glücklich werden.

Zugelegt hat die Kawasaki Versys 1000 in puncto Elek­tronik. Ein zusätzliches Regenmapping nimmt jetzt nassen Passagen den Schrecken, und wer es doch übertreibt, den fängt eine dreistufige Traktionskontrolle (die sich bei Bedarf auch komplett deaktivieren lässt) wieder ein. Das neue Bosch-ABS verrichtet seine Arbeit ebenso unauffällig und greift erst dann ein, wenn es unbedingt notwendig wird.

Zu haben ist die Kawasaki Versys 1000 bereits ab 14.999 Euro. Wer gerne längere Strecken mit ihr bewältigen möchte, sollte sich das von uns gefahrene Grand-Tourer-Paket ansehen. Für 2290 Euro sind dann unter anderem Steckdose, Koffersystem und Zusatzscheinwerfer mit an Bord.




Kommentieren


Schlagworte