Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 12.11.2016


Bikes

Brötchen klein, Volumen fein

Auffallend auf der EICMA sind die Neuen in der Einsteigerklasse. Manche haben aber auch Großes und Exklusives im Talon.

© HerstellerDucati baut die Scrambler-Familie in alle Richtungen aus: die Enduro „Desert Sled“.Fotos: Hersteller



Von Beatrix Keckeis-Hiller

Mailand – Es war zu erwarten: Das wahre Motorradneuheiten-Feuerwerk für 2017 wurde in Mailand auf der EICMA entzündet. Auftakt-Ausrichter Ducati hatte ja schon auf der Intermot mit der SuperSport für die einzig echte Neuerscheinung gesorgt. In der lombardischen Metropole legten die Italiener kräftig nach, mit zwei weiteren Derivaten der Scrambler-Baureihe. Wobei Claudio Domenicali, der Boss der Roten aus Borgo Panigale, betont, dass für die „Desert Sled“, die Enduro-Version, die sehr stark an die ikonische Yamaha XT 500A erinnert, wesentliche Teile komplett neu entwickelt wurden. Mindestens ebenso fesch, sehr britisch angehaucht, ist die „Café Racer“.

In Richtung Mittelklasse geht die neue 950er-Version der Allrounderin Ducati Multistrada. Die kleine Einsteiger-Monster – nunmehr 797 – ist frisch überarbeitet (und Euro-4-konform), die 1200 S neu interpretiert und wieder mehr das Ur-Naked-Bike.

Es wären nicht die Italiener, hätten sie nicht noch etwas Topklassiges nach Mailand mitgebracht: die 1299 Superleggera, mit Vollcarbon-Chassis plus -Rädern und -Verkleidung, 215 PS (mit Racing-Kit 220) und 167 Kilo Fahrfertiggewicht. Sie ist auf 500 Stück limitiert und kostet 95.000 Euro.

Im Carbon-Kapitel will auch BMW mitreden. Das präsentierte Concept-Bike HP4 Race ist aber nicht das gleiche in Blau-Weiß, zumal vierzylindrig und erst ab kommenden Spätsommer in Serie fertig. Neben einer Reihe neuer Derivate quer durch die Modellpalette – auffallend die R nineT „Urban GS“ – stellen die Bayern der spät auf dem Markt gestarteten Einzylinder-Roadster 310 R nun eine GS-Version zur Seite.

Damit folgen die Deutschen einem starken Trend: Auffallend am Novitäten-Aufgebot der Hersteller ist die Flut der kleinen Eisen. Offenbar will man mit kleineren Brötchen größere Volumina schaffen, indem es den Anfängern und Wiedereinsteigern mit leichten, unkomplizierten und preisgünstigen Modellen einfacher gemacht wird, auf ein Motorrad zu steigen. Um nur einige zu nennen: Honda CRF 250, Kawasaki Versys X 300, Suzuki GSX-S 125, V-Strom 250 und GSX 250 R. Da hinein passt auch die KTM-Tochtermarke Husqvarna mit der Vitpilen und Svartpilen 401 sowie dem Concept Vitpilen Aero.

In der kleinen Klasse ein starkes Wort mitzureden haben die Oberösterreicher ja schon seit einiger Zeit. Nicht nur im Hinblick auf Euro 4 wurde die Small-Frame-Fraktion frisch gemacht: die 125er-, die 250er- und die 390er-Duke. Wobei Letztere optisch und technisch einen Weitsprung gemacht hat. Und selbst wenn die Mattighofener auch die 1290 Super Duke (177 PS) überarbeitet haben und mit dem Zweizylinder-Concept 790 Duke auf 2018 Appetit machen: Im Zentrum steht derzeit die Racerin RC16, die am Wochenende in Valencia beim MotoGP-Saison-Finale ihr Wildcard-Debüt als Aufakt zum Einstieg in die Motorradrennsport-Königsklasse geben wird.

Zurück zu den Trends: Stark vertreten ist nach wie vor die Hubraum- und Leistungsmittelklasse: siehe unter anderem den brandneuen Crossover-Roller Honda X-ADV, siehe die Kawasaki Z 650 und Z 900, siehe die weiterentwickelte Moto Guzzi V7, siehe die Triumph Bonneville Bobber und Street Scrambler.

Das Thema „Elektro“ ist in der zweirädrigen Großserie im Gegensatz zur Welt der Autos noch wenig präsent. Einsam vertreten war Piaggio mit dem Konzept „Vespa elettrica“, das kommendes Jahr marktreif sein soll. Die Fülle der neuen Eisen für 2017, von Aprilia – Shiver 900, Dorsoduro 900 – bis Yamaha – R6, X-Max 300 –, steht noch bis Sonntagabend auf der EICMA im Scheinwerferlicht. Erste Eindrücke kann man demnächst auch in Österreich sammeln, auf der „Biker-S-World“ in Salzburg im Messezentrum, am 26. und 27. November.