Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 22.07.2017


R 1200 GS

Bayerische Schotter-Queen im Rallye-Trimm

Die meisten GS-Fahrer bewegen ihr Gefährt ausschließlich auf Asphalt. Die neue Rallye-Version macht aber auch abseits eine gute Figur.

© Letzner



Innsbruck – Vier Jahre nach der Einführung des Wasserboxers war es heuer so weit: Die R 1200 GS musste fit für Euro-4 werden und bekam für das aktuelle Modelljahr gleich noch ein Update spendiert. Da es sich bei der GS um die Cashcow der Bayern handelt, legte man sehr behutsam Hand an.

Die Modifikationen am Motor waren eine leichte Übung, und so bekam der Wasserbüffel einen neuen Kat und ein neues Mapping. Der Boxer leistet nach wie vor 125 PS und schickt sein maximales Drehmoment von 125 Nm an den hinteren Gummi. Die Werte am Papier blieben also die gleichen und so viel sei vorweggenommen: Man merkt auch beim Fahren keinen Unterschied. Während die Modifikationen der Standard-GS sehr dezent ausfielen, wurde die GS-Familie um eine Rallye und eine Exclusive Edition erweitert.

Klar, dass wir uns die Rallye-Variante genauer ansehen mussten. Zunächst ist die Neue lediglich eine Modellvariante der Basis-GS. Blauer Rahmen, blau eingefärbte Kunststoffteile und ein prägnantes GS-Logo auf der Seitenverkleidung unterscheiden sie optisch von der Normalo-Version. Die Kreuzspeichenräder und die groben Fußrasten ließen sich schon bisher ordern. Das niedrigere Windschild, die flache einteilige Sitzbank und der neue Kühler- und Rahmenschutz wurden aber speziell für die Rallye-Variante entwickelt.

Den wirklichen Unterschied machen aber das Sportfahrwerk und das so genannte Dynamic ESA „Next Generation“ aus. Während die Anpassung der Dämpfung an Fahrsituation und Beladungszustand bisher per Druck aufs Knöpfchen erfolgte, kann das neue System diese Einstellungen automatisch vornehmen. Hierbei wird die Federbasis über den gesamten Bereich so eingestellt, dass das aus einem höheren Fahrergewicht resultierende Absenken des Motorrads durch ein Anheben der Federbasis ausgeglichen wird.

Die Arbeit des Systems ist während der Fahrt nicht zu spüren. Dafür merkt man die deutlich straffere Abstimmung unserer Rallye-GS. Härtere Federn und die neuen Bank liefern deutlich mehr Rückmeldung. Zudem wurde die Lenkgeometrie geringfügig geändert, wodurch die Schotter-Queen nun noch leichter ums Eck flitzen soll. Der Unterschied ist aber höchstens im direkten Vergleich bemerkbar, noch dazu weil man sich erst einmal an die grobstolligen Pneus gewöhnen muss. Apropos: Wir wollten ja noch ins Gelände abbiegen. Hier addieren sich der butterweiche Leistungseinsatz des Boxers – der Torsionsdämpfer kappt die Lastspitzen in der Abtriebswelle und reduziert die Schaltschläge auf ein erträgliches Maß – und der tiefe Schwerpunkt zu einer stabilen Kombination. Der Enduro-Modus zähmt eine zu forsche Gangart der rechten Hand, lässt aber am Hinterrad genügend Schlupf zu, um schottrige Passagen hochklettern zu können. Traktionskontrolle und ABS arbeiten ebenso gekonnt und vermitteln auch Ungeübten ein sicheres Gefühl.

Das einzige Problem der Rallye-Version: Viele werden sich zwischen ihr und der Adventure nicht mehr entscheiden können. Der Preis: 23.420 Euro sollte man übrig haben. (luc)




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