Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 28.10.2017


BMW

Durcheilen von Raum und Zeit

BMW hat seine nackte Rakete – die S 1000R – fit für Euro-4 gemacht.

© Letzner



Gröden – „Geschwindigkeit ist die Freiheit der Seele.“ Diese viel zitierte Weisheit aus dem Kultfilm Vanishing Point hat etwas Wahres. Vor allem auf zwei Rädern, so richtig stabil nur in Bewegung und ohne Knautschzone erlebt man als Motorradfahrer Geschwindigkeit hautnah, roh und ungefiltert. Wenn man dann noch eine Rakete wie die BMW S 1000 R zwischen seinen Beinen hat, bekommt die Sache zusätzliche Brisanz. Die Bayern haben den nackten Ableger der Doppel-R heuer Euro-4-fit gemacht und ihr in dem Zuge ein paar PS mehr spendiert (165 PS) und sie zwei Kilogramm abspecken lassen (205 kg).

Mit einem dezenten Knurren quittiert die Bayerin den Druck auf den Anlasser und so reihen wir uns mit einem Grinsen in den Stadtverkehr ein. Wir nutzen die Zeit, um ein wenig mit dem Bordcomputer zu spielen und freuen uns gleichzeitig darüber, dass die überarbeiteten Instrumente nun besser zu lesen sind. Das ist vor allem bei Sonnenschein der Fall, und apropos: Es hatte bei unserer Testrunde noch angenehme 26 Grad. Auf diese Info musste man bis dato verzichten. Langsam nähern wir uns der Stadtgrenze und es wird Zeit, vom „Road“ in den „Dynamic“ Modus zu wechseln.

Mit den bekannten Fahrmodi lässt sich die Leistungs- und Drehmomentabgabe sowie das Ansprechverhalten von ABS und Traktionskontrolle steuern. Immer wieder sind wir erstaunt darüber, wie feinfühlig der Vierzylinder am elektronischen Gasgriff hängt. Sofort wird jeder noch so kleine Zucker der rechten Hand in Bewegung umgesetzt. Selbst unter 2000 U/min führt das Bike jeden Gasbefehl ohne­ störende Lastwechselschläg­e aus, um dann im nächsten Moment derart vehement aus der Kurve zu knallen, dass es einem die Falten aus den Augen­winkeln zieht. Blitzartig schnellt der Zeiger des Drehzahlmessers in Richtung der 11.000/min, zweiter, dritter Gang (diese wechseln wir dank Schaltautomat ohne Kupplung), und wir fliegen förmlich auf die nächst­e Kehre zu.

Auch das Fahrwerk lässt uns immer wieder staunen. Es sorgt nämlich dafür, dass uns die unglaubliche Leistung nie überfordert. Herrlich, wie einfach sich die Bayerin in die Ecken werfen lässt. Mühelos kann man viele Stunden nonstop auf der S1000R verbringen. (luc)




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