Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 01.09.2018


Motorrad

Schnell auf Touren mit Kawasakis H2 SX SE

Kawasaki hat für die H2 SX seinen furchteinflößenden Kompressormotor entschärft und tourentauglich gemacht.

© Letzner



Von Lukas Letzner

Leutasch – Die stammtischrelevanten Daten sind schlichtweg beeindruckend: 200 PS und ein maximales Drehmoment von 137 Nm. Gut, von so manchem Supersportler ist man das ja gewohnt, doch bei einem Tourer nicht und man stellt sich die Frage – braucht man das wirklich? Jedenfalls nehmen wir das erste Mal dementsprechend demütig und vorsichtig auf unserer Testmaschine Platz.

Dabei fällt die angenehme Sitzposition auf, die wir auf der H2 SX einnehmen können. Man sitzt leicht nach vorne gebeugt und trotz unserer 190 Zentimeter Körpergröße fällt der Kniewinkel recht moderat aus. Wer gerne zu zweit unterwegs ist, der ist mit der H2 SX auch gut bedient. Der Sozius ist auf der 835 mm hohen Sitzbank mehr als willkommen. Doch wie fährt sich die H2 jetzt?

Ein Druck auf den Anlasser erweckt das 998-ccm-Aggregat zum Leben. Schon auf den ersten Metern merkt man, wie ausgewogen sich Kawasakis Sporttourer fährt. Trotz der enormen Kraft, die bei Bedarf zur Verfügung steht, überfordert einen das Motorrad nicht. Das lag auch daran, dass wir am Beginn unserer Tour den niedrigsten der drei Powermodi wählten, bei dem lediglich 50 % der Kraft zur Verfügung stehen (Stufe 2 gibt 75 % der Kraft frei, bei Stufe 1 hat man dann die volle Leistung zur Verfügung). Zudem lässt sich die sportlich ausgelegte Traktionskontrolle in drei Stufen regeln. Auch hier wählten wir am Beginn mit Stufe „3“ das untere Ende der Skala. Als wir schließlich die ersten Landstraßenmeter absolvierten, ließen wir unsere grüne Touring-Queen etwas von der Leine. Dann merkten wir auch sehr schnell, wozu der Kompressor-Motor imstande ist. Wer die Drosselklappen energisch öffnet, der bekommt von der Vorderkante des Beifahrersitzes einen sprichwörtlichen Tritt in den Allerwertesten. Ansatzlos sprintet die Kawa mit scheinbar unerschöpflichem Schub nach vorne. Begleitet vom sonst für Autos typischen „Turbo-Pfeifen“, fliegen wir auf die ersten Kurven zu. Dank der perfekt dosierbaren Bremsen lässt sich die Speed-Queen aus Japan aber auch entsprechend verzögern.

Zwar ist das Fahrwerk erstaunlich komfortabel ausgelegt (es ist übrigens kein semiaktives Fahrwerk, sondern lässt sich konventionell anpassen), das Ansprechverhalten ist aber sehr ausgewogen und direkt und so lässt sich die doch 260 Kilogramm schwere H2 (übrigens in der voll ausgestatteten SE-Variante) ums Eck zirkeln. Die Gänge lassen sich auf der H2 SE mittels Quickshifter rauf und runter und ohne Kupplung reindrücken. Ein weiteres Highlight, über das die Kawa verfügt, ist das Kurvenlicht. Drei LED-Scheinwerfer in der Seitenverkleidung leuchten schräglagenabhängig in den Radius hinein. Da wir am Tag unterwegs waren, konnten wir das System allerdings nicht wirklich testen.




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