Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 20.05.2017


Hyundai

Erfrischend und auch ernüchternd

Wer Ioniq fahren will, kommt um den alternativen Antrieb nicht herum: Für Stromer-Freunde gibt es die reine Elektrovariante.

Einen Lufteinlass in Form eines Kühlergrills braucht es beim Ioniq Elektro nicht.

© HöschelerEinen Lufteinlass in Form eines Kühlergrills braucht es beim Ioniq Elektro nicht.



Von Markus Höscheler

Thaur – Die Auswahl wird immer größer, wenn es um alternative Antriebe im weitesten Sinn geht. Im engeren Bereich, und zwar bei diversen elektrischen Antrieben, gibt es erst recht eine Zunahme an Angeboten. Und im engsten Bereich zeigt Hyundai, wie es auch – vorbildlicherweise – gehen kann: Die Koreaner haben ein neues Fahrzeug entwickelt mit dem bloßen Ziel, lediglich verschiedene alternative Antriebe zum Einsatz kommen zu lassen. Eine rein konventionelle Variante in Form eines Benziners oder Diesels galt und gilt als ausgeschlossen. Den Auftakt übernahm im vorigen Jahr die Hybridvariante, gefolgt von einem reinen Stromer. Noch heuer – in wenigen Wochen – wird Hyundai, den Plug-in-Hybriden nachreichen.

Eine eigene Rolle in dem Ioniq-Trio spielt die Elektroversion. Mit ihr ist einerseits streng emissionsfreies Vorankommen (im laufenden Betrieb) möglich, fossile Kraftstoffe sind verbannt. Sofern die Stromherkunft ökologisch einigermaßen akzeptabel ist, fährt also mit jedem absolvierten Kilometer ein gutes Umweltgewissen mit (wir sehen hier von den Ressourcen-Erfordernissen der Fahrzeugproduktion einmal ab). Andererseits gilt zu vergegenwärtigen, dass die angegebenen 280 Kilometer Reichweite mit einer Akkuladung als bloßer Richtwert zu sehen sind – realistischerweise sollten wir, je nach Wetter, Fahrstil und Topographie von einem Wert ausgehen, der sich zwischen 150 und 200 Kilometern ansiedelt. In Betracht ziehen wir daher etwa das tägliche Pendeln von Landeck nach Innsbruck oder von Kufstein nach Innsbruck. Sogar das Fahren von Innsbruck nach Lienz sollte damit einmal möglich sein, bei gebotener Zurückhaltung und mit einer fixen Lademöglichkeit in der Bezirksstadt.

Diesbezüglich hatten wir zu hadern, denn die beiden mitgelieferten Kabel (für 230 und 400 Volt) wollten bei uns nicht so recht funktionieren, weder in der Tiefgarage noch im Parkhaus des Flughafens. Von diesem lösbaren Problem einmal abgesehen aber entpuppt sich die elektrische Limousine als zuverlässiger und komfortabler Transport-Partner. Zügig geht es von der Kreuzung weg, erfreulich geräuschfrei obendrein. Der Fahrkomfort ist erfreulich, das Platzangebot ebenso, die Reichweitenkalkulation wirkt realistisch und befreit vor bösen Überraschungen.

Auch wenn die Langstrecke für den Ioniq Elektro tabu ist, so kann er mit zahlreichen Feinheiten aufwarten, die einen dauerhaften Aufenthalt im Auto rechtfertigen. LED-Scheinwerfer erhöhen die Sicherheit beim Fahren in der Nacht; eine Klimaautomatik entspannt an hitzigen Tagen; eine Einparkhilfe hinten hilft beim Vermeiden von Schäden; die acht Lautsprecher des Infinity-Sound-System versorgen die Hörnerven mit bekömmlicher Beschallung und ein paar Fahrerassistenzsysteme unterstützen in stressigen Fahrsituationen.

Während der Ioniq als Basis-Hybrid eine Kampfansage an den Platzhirschen Toyota Prius darstellt – technisch wie ökonomisch –, ist diese Rechnung beim Ioniq Elektro nicht so leicht. Der Testwagen kostet immerhin 36.940 Euro, wir befinden uns also in der Mittelklasse. Zum Vergleich: Der bezüglich Streckengestaltung viel flexiblere Ioniq Plug-in-Hybrid wird mit Premium-Ausstattung ab 29.490 Euro angeboten, der Basis-Hybrid ohne Plug-in-Funktion ab 24.990 Euro. Ein reines Umweltgewissen im laufenden Betrieb ist im Ioniq-Revier mit dem tiefsten Griff in die Geldtasche verbunden.

Immer klar vor Augen: die Reichweite und den Ladezustand des Lithium-Ionen-Polymer-Akkus.
Immer klar vor Augen: die Reichweite und den Ladezustand des Lithium-Ionen-Polymer-Akkus.
- Höscheler