Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 17.06.2017


Hyundai

Auch Südkoreaner zünden „Raketen“

Während Nordkorea politisch-militärisch provokant mit Flugkörpern experimentiert, bleiben die südlichen Nachbarn lieber wirtschaftlich-zivilisiert: mit dem flott gezeichneten subkompakten SUV Kona.

Weckt Begehrlichkeiten: der im Oktober auf den Markt kommende Kona, ein 4,17 Meter langes Sport Utility Vehicle von Hyundai.

© HerstellerWeckt Begehrlichkeiten: der im Oktober auf den Markt kommende Kona, ein 4,17 Meter langes Sport Utility Vehicle von Hyundai.



Von Markus Höscheler

Mailand – Was Kim Jong-un und seine Untergebenen praktizieren, verunsichert die Welt; was Hyundai produziert, verunsichert allenfalls die Konkurrenz: Zwar ist auch das südkoreanische Unternehmen auf Eroberung aus, allerdings mit friedlichen Mitteln. Hyundai möchte innerhalb der nächsten Jahre in Europa der erfolgreichste asiatische Autoproduzent sein. Innerhalb von vier Jahren sind 30 neue Produkte geplant (inklusive Derivaten), davon sind 14 im weitesten Sinne mit einem alternativen Antrieb bestückt.

Besonders viel Hoffnung setzt Hyundai in den Kona, ein nur 4,17 Meter langes Modell, das aber dem Wettbewerb einiges vor den Latz knallt. Bei den subkompakten Sport Utility Vehicles nimmt das Angebot zwar stetig zu, nur die wenigsten sind hier aber mit optionalem Allrad unterwegs. Genau das vermag der Kona, wenn er im Oktober bei uns auf den Markt kommt. Natürlich bringt er die genretypischen Vorteile mit sich: Das sind eine hohe Sitzposition, bequemes Ein- und Aussteigen sowie ein sehr ansprechendes Äußeres, für das das Team rund um Design-Chef Peter Schreyer Verantwortung trägt. Der zeigte bei der Premiere des Modells in Mailand sichtlich Freude, hervorgerufen durch das dynamische Outfit des Kona. Ihm zum Opfer wird über kurz oder lang der ix20 fallen, der sich gut verkaufte, aber weder technisch noch optisch mit dem Nachfolger mithalten kann. Zudem verfügt er nur über einen Vorderradantrieb, und das ganz konventionell.

Sogar in diesem Zusammenhang rührt der Kona kräftig um: Den Auftakt im Herbst übernehmen zwei Benzinmotoren: ein aufgeladener Dreizylinder mit einem Liter Hubraum und 120 PS, dann mit Vorderradantrieb kombiniert; und ein aufgeladener 1,6-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 177 PS, Allrad und Doppelkupplung. Ein Diesel? Nicht in diesem Jahr, dafür im kommenden Frühjahr. Dann darf der Selbstzünder mit 115 und 136 PS ans Werk, dicht gefolgt von einer rein elektrischen Variante. Sie, das versprechen Hyundai-Offizielle schon jetzt, wird über deutlich mehr Reichweite verfügen als der Ioniq – was auch als Kampfansage an den Ampera-e von Opel zu verstehen ist, dessen Markteinführung in Österreich frühestens Ende 2018 erfolgt. Überhaupt: Die Kombination Elektromotor und B-SUV (subkompaktes Sport Utility Vehicle) ist anfangs tatsächlich ohne Konkurrenz.

Hyundai will sich allerdings nicht nur aufs Optische und aufs Motorische verlassen, sondern auch mit Praktischem und Wertigem im Innenraum überzeugen: Das Ladeabteil fasst zwischen 361 und 1143 Liter, das Instrumentarium ist hauptsächlich analog ausgeführt, ein mittig thronender Acht-Zoll-Touchscreen dient als Verbindung zum Infotainmentsystem. Materialien und Verarbeitung stoßen auf weitreichende Sympathien, auch unsere erste Sitzprobe nahe des Mailänder Zentrums fand unser Wohlwollen. Gespannt sind wir somit auf die ersten dynamischen Erfahrungen auf kurvenreichen Straßen. Aber selbst hier, eigentlich eine Domäne der deutschen Konkurrenz, wird Hyundai wohl kaum zurückstecken – zu angriffslustig zeigt sich das Unternehmen in puncto Kundeneroberung.




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