Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 17.06.2017


Blick in die Vergangenheit

Die Engländer rockten den Glockner

Die 30. Kitzbüheler Alpenrallye stand unter günstigem Wetterstern. 188 Klassiker ließen rund hundert Jahre Automobilhistorie Revue passieren.

Die 30. Kitzbüheler Alpenrallye stand im Zeichen historischer und moderner Klassiker, darunter Pretiosen wie Bentley Blower und R-Type Continental.

© ARDie 30. Kitzbüheler Alpenrallye stand im Zeichen historischer und moderner Klassiker, darunter Pretiosen wie Bentley Blower und R-Type Continental.



Kitzbühel – Man muss kein aktiver oder passiver Wintersport-Fan sein, um an den Wilden Kaiser zu reisen. Für den sportlich gesinnten Automobilisten hat die pulsierende Stadtgemeinde ebenfalls etwas zu bieten – zum Zuschauen und gegebenenfalls zum Mitmachen. Denn eines der Top-Highlights im Reigen der sommerlichen Klassiker-Events in Österreich ist die Kitzbüheler Alpenrallye, die mit dafür sorgt, dass Kitz auch in der schneelosen Jahreszeit nicht schläft. Heuer, von 8. bis 10. Juni, zum 30. Mal. Für dieses Jubiläum hatten sich die Veranstalter ein besonders hohes Ziel gesetzt: Die Alpen zu überqueren, und zwar im Angesicht des höchsten Berggipfels Österreichs – der Großglockner – über die Hochalpenstraße. Auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe (2369 Meter) residiert das höchstgelegene Automobilmuseum der Welt.

Doch um Museales im immobilen Sinn geht’s bei der Alpenrallye nicht. Sondern darum, automobile Geschichte aktiv Revue passieren zu lassen.

Um das hautnah zu demonstrieren, standen 188 Pretiosen unterschiedlichster Kategorien am Start, in den Klassen Sport-Trophy und Classic-Trophy. Im gemischten Starterfeld waren alle großen Siegermarken vertreten – von Alfa Romeo, Aston Martin, Audi und Austin Healey über BMW, Ferrari, Jaguar, Lancia, Lamborghini und Maserati bis zu Mercedes-Benz und Porsche. Auch der eine und andere Chevrolet, Fiat, Ford, MG, Rolls-Royce, Shelby und VW waren dabei. Bemerkenswert der Auf- und Antritt eines der Vertreter des Hauptsponsor-Labels Bentley: Als ältestes Fahrzeug war ein 3 Litre Speed Model, Baujahr 1923, nach Kitzbühel gereist.

Gemeinsam mit weiteren neun „Flying Bs“ der 1920er- und 1930er-Jahre – vom Birkin Blower aus dem Besitz des Stammhauses, mit Bentley Brand Ambassador Richard Charlesworth am Steuer, bis zum 4.5 Litre Le Mans – bewies der offene Engländer, dass er nicht nur Rennstrecken auf Meeresspiegel-Höhe, sondern auch lichte Höhen bis zum Hochtor (auf 2504 Metern) nach wie vor tüchtigst meistern kann. Für den Vorläufer des aktuellen Continental, den Type-R Continental aus dem Jahr 1954 gilt das sowieso. Wo die Weiterentwicklung eines spektakulären Konzepts hinführen kann, das demonstrierte – quasi als Rückendeckung für seine Ahnen – der noch aktuelle Continental GT in der Supersports-Version (mit 710 PS) im Tross der britischen, historischen Boliden, die engagiert von würdigen Nachkommen der legendären Bentley Boys pilotiert wurden. Die machten zwar im ernsthaften Gleichmäßigkeitswettbewerb nicht in allen Klassen nennenswerte Punkte, sondern gönnten ihren Gefährten Auslauf und rockten nicht nur die an den markantesten Punkten von begeisterten Zuschauern gesäumte Hochalpenstraße. Die Route führte über Lienz und durch das fahrerisch anspruchsvolle Lesachtal. Das alles unter fast ungetrübtem Sonnenschein, lediglich am dritten Tag – zum Start der abschließenden Pinzgau-Runde – schickte der Wettergott einen frühmorgendlichen Regenschauer. (bkh)




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