Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 13.09.2017


Motor News

Autofirmen vor E-Offensive, Nein zu Diesel-Fahrverboten

Im Windschatten des Dieselskandals kündigen Autokonzerne auf der Automesse IAA einen E-Ausbau an. Umweltschützer fordern mehr Tempo.

© dpaDen Smart will Mercedes künftig nur elektrisch fahren lassen: E-Autos sind ein Schwerpunkt auf der IAA, doch Autofirmen präsentieren weiterhin viele schwere Diesel- und Benzinautos.



Wolfsburg – Nach „Dieselgate“ und unter massivem politischen Druck treten die deutschen Autobauer mit hohen Investitionen in Elektroautos die Flucht nach vorne an. Volkswagen erhöht die Investitionen in E-Autos bis 2030 auf 20 Mrd. Euro. Bis 2025 seien von den Konzernmarken mehr als 80 neue Autos mit Elektromotor geplant, darunter rund 50 reine E-Modelle und 30 Plug-in-Hybride, sagte VW-Chef Matthias Müller vor dem Beginn der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt am Main. Grund für die Offensive ist auch die Abgasaffäre, die VW in eine Krise gestürzt hatte. Doch auch Dieselmotoren hätten laut Müller Zukunft, bis 2025 soll der Anteil der Spritautos laut VW noch 75 % betragen. Diesel-Fahrverbote könne man „auf keinen Fall akzeptieren“, sagte Müller der Bild.

Auf der IAA stellen Autofirmen aber auch viele schwere Diesel-Geländewagen und Benziner vor, kritisierte Greenpeace. „Die deutsche Autoindustrie fährt auf Kollisionskurs zum globalen Klimaschutz“, sagte Greenpeace-Verkehrsexperte Andree Böhling. Der Verkehr müsse „sehr bald“ ohne Öl auskommen. Notwendig sei eine Verkehrswende hin zu sauberen, leichteren und gemeinsam genutzten E-Autos.

BMW will auf der Messe eine viertürige Elektro-Limousine präsentieren. Daimler plant, seine Kleinwagenmarke Smart komplett auf elektrische Antriebe umzustellen. Bis 2020 soll es in Europa und Nordamerika nur noch Elektro-Smarts geben, der Rest der Welt soll kurz darauf folgen, wie Vorstandschef Dieter Zetsche sagte. Zetsche kündigte außerdem an, bis 2022 das komplette Autoangebot auch mit Elektroantrieben zur Verfügung zu stellen. Zetsche sprach sich allerdings gegen eine Quote von Elektroautos oder Verbote von Verbrennungsmotoren in Europa aus. „Wir wollen selbst maximale Geschwindigkeit erreichen, dazu brauchen wir keine Quote“, sagte Zetsche. Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel lehnt neben Fahrverboten auch Tempolimits als mögliche Konsequenz aus dem Dieselskandal ab.

Auf der Frankfurter Messe, die morgen eröffnet wird, sind insgesamt 994 Aussteller vertreten, darunter mehr als 50 Automarken. Doch ausgerechnet zwei der wichtigsten E-Auto-Hersteller fehlen auf der Messe: Tesla und Nissan. Fiat, Mitsubishi und Volvo glänzen ebenfalls mit Abwesenheit, und auch die neue Opel-Mutter PSA lässt die Konzernmarken Peugeot und DS lieber zuhause. (dpa)