Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 30.09.2017


Motor News

Vom Exzentriker zur Frohnatur

Citroën schwenkt in der Miniaturvan-Klasse aufs SUV-Thema um. Der C3 Aircross offeriert bei robustem Exterieur familiär-komfortables Interieur.

© WerkFröhlich wirkt der frischgebackene Citroën C3 Aircross. Damit ist der bisherige Picasso vom Miniatur- zum SUV-artigen Robust-Van mutiert.



Von Beatrix Keckeis-Hiller

Ajaccio – Man mochte den Citroën C3 Picasso vielleicht nicht klassisch schön finden. Der auf möglichst geräumigen Innenraum orientierte Aufbau wirkte nicht von allen Seiten ganz stimmig. Aber extravagant. Wenn auch nicht so exzentrisch wie sein Namensgeber, der dem Vernehmen nach auch einen Hang zum Grant hatte. Den kann man dem neuen C3 Aircross nicht nachsagen. Das frisch zum SUV uminterpretierte Derivat des erneuerten kleinen Doppelwinkel-Franzosen tritt freundlich auf, besonders fröhlich, wenn er mit knallfarbigen Deko-Akzenten aufgepeppt ist. Der Aircross ersetzt, bei allem Bekenntnis zur Sports-Utility-Vehicle-Mode in der Subkompakt-Klasse, den bisherigen Minivan-Ableger.

Wie der C3, auf dessen Unterbau er steht, hat er Ähnlichkeit mit dem Cactus – ohne Seitenpolsterung. Der Robust-Look summiert sich aus um zwei Zentimeter höhergelegter Karosserie, damit großzügigerer Bodenfreiheit, breit ausgestellten Radkästen, Kunststoffbeplankungen und Unterfahrschutz-Attrappen. Auf 4,154 m Länge, 1,824 m Breite, 1,597 m Höhe und einem Radstand von 2,604 m hat Citroën Wohnraum für bis zu fünf Personen eingerichtet, sehr wohnlich vor allem in Reihe eins anhand breit geschnittener Kuschel-Fauteuils. Optional sind die Fond-Sessel um 15 Zentimeter längs verschiebbar. Der Kofferraum fasst mindestens 410, maximal 1298 Liter Ladegut. Der Beifahrersitz ist klapp-bar, so sind bis zu 2,4 Meter lange Gegenstände verstaubar. Die reisen dank soft, aber nicht schaukelig ausgelegter Federung genauso komfortabel wie die Passagiere, mit wenig Tendenz zur seitlichen Verneigung und akustisch entspannt, dank sorgfältiger Geräuschdämmung.

Die Möblierung kann man mit den bereits erwähnten Farb-Akzenten auf die Außenlackierung abstimmen. Oder umgekehrt. Mit breiter Auswahl an Colorierungen für Karosserie, Dach und Deko-Details hat Citroën 85 unterschiedliche Varianten zum Personalisieren parat. Bei all diesem üppigen Angebot an Individualisierungs-Optionen ist das Antriebsoffert in puncto Hubräumen und Verbrauchssitten schlank gehalten. Die 1,2-l-Dreizylinder-Benziner leisten je nach Kraftstoffzufuhr-System und Aufladung 82, 110 oder – sehr, sehr muntere – 130 PS. Der 1,6-l-Vierzylinder-Diesel bietet 100 oder 120 PS auf. Die Fahrstufen gewechselt werden je nach Leistung über ein manuelles Fünf- oder Sechsgang-Schaltgetriebe. 110 Benziner-PS sind mit einer sechsstufigen Wandlerautomatik kombinierbar. Auf ein echtes Allradsystem verzichtet Citroën auch aus Gewichtsgründen nach wie vor – der Minivan-SUV wiegt 1145 bis 1218 Kilo. Man kann, wenn an Bord, mit den fünf Fahr-Modi des Traktionsunterstützungs-Systems samt Bergabfahrhilfe gut auskommen, solange nicht wirklich grobes Gelände auf dem Routenplan steht. Für zivilisationsnahe Schotter- und Sandstraßen reicht es, wie auf der Mittelmeerinsel Korsika erfahren. Wäre noch das wachsende Konvolut an Informations-, Navigations-, Kommunikations-, Komfort- und Fahr-Assistenzsystemen zu erwähnen. Den Kaffeepausen-Alarm konnten wir nicht ausprobieren. Der hätte zum (Zwischen-)Stopp aufgefordert, wären wir länger als zwei Stunden durchgehend schneller als 70 km/h gefahren. Das geht sich im korsischen Hinterland aufgrund der örtlichen Topographie – schmale, endlos kurvige Strässchen – nicht aus. Das finden wir sowieso bevormundend, denn wann’s Zeit ist für Caffè & Co., wissen wir immer noch am besten selbst.

Preis: ab 15.490 Euro. Marktstart: per Ende Oktober, Anfang November.