Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 28.10.2017


Jaguar

Großkatze mit Rucksack

Der Jaguar XF Sportbrake setzt die noch junge Tradition britischer Nobelkombis fort. Dieses Mal im Gepäck: die Kombination aus Diesel und Allrad.

© WerkDer XF Sportbrake ist die elegante britische Alternative zum deutschen Kombi-Mainstream.



Von Stefan Pabeschitz

Porto – Zwei Begriffe stehen stellvertretend für das Ankommen von Jaguar in der automobilen Neuzeit: Kombi und Diesel – früher für die Marke undenkbare Begriffe, heute solide erfüllter Standard. Die Abkehr von der monolithischen Selbstdarstellung hin zu dem, was Markt und Kunden wirklich wollen und brauchen, hat das einstige britische Sorgenkind zu einer attraktiven Alternative zum deutschen Premium-Mainstream gemacht. Mit den Leichtbau-Chassis aus Aluminium hat Jaguar gegenüber der Konkurrenz sogar ein Alleinstellungsmerkmal, das etwa Audi zugunsten der Konzern-Plattformen längst aufgeben musste.

Der XF ist die mittlere Baureihe der englischen Traditionsmarke und in zweiter Generation seit 2015 auf dem Markt. Auch vom Vorgänger gab es schon eine Langheck-Version namens Sportbrake – ein Amalgam aus Sport und dem in England gebräuchlichen Begriff für große Edelkombis, Shooting Brake.

Gegenüber dem weitläu­figen Usus, den Kombis auch gleich ein verlängertes Heck zu verpassen und damit eine gewisse Klobigkeit in Kauf zu nehmen, um zusätzliche Liter beim Ladevolumen zu schinden, hält der XF seine schlanke Linie. Das sportlich flach auslaufende Heck ist mit einer langgezogenen Seitenscheibe dezent flankiert, die Heckleuchten sind im Layout eher an das Sportcoupé F-Type und die SUV E- und F-Pace angelehnt – als diskreter Hinweis, dass hier beide Eigenschaften, also Sportlichkeit und Volumen, vereint sind. Mit 565 bis 1700 Litern Stauraum ist der Sportbrake im Spitzenfeld seines Segments. Jaguar achtet wohltuend darauf, seinen Premiumanspruch auch im Heckabteil umzusetzen – und dabei keinesfalls das Praktische zu vergessen. So sind auch die Seitenteile mit hochwertigem Teppich bespannt und außerdem unzerklüftet gerade verlaufend.

Schienen mit Verzurr-Ösen und Gepäcknetz sind selbstredend an Bord, wie die geteilt im Verhältnis 40:20:40 umlegbare Rückbank. Luftfederung an der Hinterachse plus automatische Niveauregulierung sorgen dafür, dass die noble Katze auch als Zugfahrzeug mit bis zu zwei Tonnen Anhängerlast nicht patzt.

Drinnen herrscht dieselbe kühle Eleganz wie in der Limousine, inklusive der feinen Show, mit der die Abdeckungen der Belüftungselemente beim Starten des Motors lautlos weggleiten. Fahrdynamisch beeindruckt der XF Sportbrake wie schon die Limousine vor allem durch die perfekte Fahrzeugbalance und die für diese Größe unerwartete Leichtfüßigkeit.

Auch mit dem geringfügigen Mehrgewicht des Kombi-Hecks bleibt der noble Brite unter 1,6 Tonnen, mindestens 250 Kilo weniger als die Konkurrenz – immerhin das Äquivalent von vier Personen. Der Basis-Benziner mit 250 PS ist mit Heck- oder Allrad-Antrieb kombinierbar, in jedem Fall ein drehfreudiger, agiler Motor, der mit dem Fahrzeuggewicht gut zurechtkommt. Der Einsteiger-Diesel mit 163 PS wirkt dagegen etwas angestrengt, aber auch die beiden stärkeren Vierzylinder-Selbstzünder mit 180 und 240 PS wollen von der Charakteristik nicht so recht zum eleganten und souveränen Gesamteindruck des XF passen: Sie wirken etwas kurzatmig und ruppig. Der 300 PS starke V6-Diesel macht es dafür wieder gut: Ein leises Triebwerk mit kräftigem Durchzug, in keinem Drehzahlbereich um Kraft und Schub verlegen. Der von der Hinterachse aus Traktion nach vorne verlagernde 4WD mit diskreten Kraftüberschüssen am Heck passt ihm wie angegossen.

Ausbleiben kann der erwartete Katzenjammer beim Blick auf die Preisliste: Sie beginnt bei zurückhaltenden 42.610 Euro für den kleinen Diesel mit Heckantrieb und Handschaltung und endet bei 73.020 Euro für den V6 mit Allrad und Automatik in der Top-Ausstattung S.




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