Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 28.10.2017


Citroën

Der Stachelige erlernt das Schweben

Citroën hat den C4 Cactus nachkonturiert. Mit neuem Federungssystem ist er in Europa erster Botschafter der aktuellen Komfort-Initiative.

© WerkDer Citroën C4 Cactus ist das erste Europa-Modell, das mit dem neuen Federungssystem ausgestattet ist.



Von Beatrix Keckeis-Hiller

Paris – Im Zuge der Neudefinition hat sich Citroën gewissermaßen auf alte Werte besonnen: auf den sänftengleichen Komfort, für den die Doppelwinkel-Marke spätestens seit der legendären DS und ihrem hydropneumatischen Fahrwerk steht.

Auf Kommodität, dieser Domäne französischer Autos allgemein, liegt einer der zentralen Schwerpunkte im Zuge der Aktualsierung und Erweiterung der Modellpalette, siehe C3, siehe C3 Aircross, siehe C5 Aircross (der in China bereits auf dem Markt ist und im Spätherbst 2018 nach Europa kommen wird).

Den eigentlichen Anfang der aktuell ausgerufenen Komfort-Initiative aber hatte vor vier Jahren der Cactus gesetzt. Wobei man sich hier (vorerst) auf generöse Raummaße und Wohnzimmer-gerechte Möblierung konzentriert hatte. Die polarisierende Optik des zwar stachelig getauften, aber sanften – und das hat nicht alleine mit der Flankenpolsterung zu tun – Kompakten auf Basis der Plattform des C3 hat sich mittlerweile etabliert, war das Startsignal für die aktuelle Designsprache.

Einen neuen Anfang setzt der Cactus jetzt – in der Mitte seines Modellzyklus, wie CEO Linda Jackson betont – mit einer umfassenden Aktualisierung. Dazu gehört die Nachkonturierung seiner Optik – sie ist von der Front bis zum Heck geschärft, wirkt dadurch eleganter, sogar sportlicher, die Airbumps sind nach unten, in Richtung Seitenschweller gewandert. Gleichzeitig ist er in Europa der erste, der mit einer neuen Federungstechnik ausgestattet werden kann.

Diese ist, nachdem das zuletzt als Hydractive 3 bezeichnete, mittlerweile elektronisch gesteuerte System aus dem Technikprogramm genommen wird (zu teuer, zu aufwändig), im Prinzip ein herkömmliches Dämpfungssystem. Allerdings sind die – zweifachen – Anschläge nicht mechanisch, sondern hydraulisch, und sie wirken progressiv. Das sorgt dafür, dass jegliche Art von Stößen, die durch Fahrbahnunebenheiten entstehen, abgefedert und nicht an die Karosserie und damit an die Insassen weitergegeben werden.

Nicken, Stoßen und Nachschwingen sollen damit eliminiert sein, mit dem Effekt eines Fahrgefühls, das einem Schweben gleichkommt. Die Vorteile dieses Systems bestehen, neben der Preisgünstigkeit, darin, dass keine Elektronik erforderlich ist, dass es sich gewichtsseitig nur mit ein paar Gramm zu Buche schlägt und, dass es nahtlos in die Serienproduktion einfließen kann. Das neue System ist für die gesamte künftige Citroën-Modellpalette in den höheren Ausstattungsniveaus vorgesehen. Nachgerüstet werden können bestehende Modelle jedoch nicht.

Citroën betrachtet Komfort jedoch nicht alleine von der Federungs- und Dämpfungsseite, sondern verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Der inkludiert unter anderem die Qualität der Sitzmöbel.

Die sind in der aktualisierten Generation des Cactus neu konturiert und frisch aufgepolstert. Optimiert wurde zudem die Geräuschdämmung, mit einer Überarbeitung der Verglasung und Auffüllen von Hohlräumen. All diese Maßnahmen ergeben ein Mehrgewicht von rund vierzig Kilogramm. Ein Augenmerk wurde auch aufs Raumklima gelegt, wozu die verfeinerten Materialien ihren Teil beitragen. Ausgebaut wurde das ohnehin schon reichhaltige Ablagensortiment.

Bei den Händlern wird der neue Citroën C4 Cactus voraussichtlich im Frühjahr 2018 stehen. Über Preise und genaue Ausstattungsdetails ist noch nichts bekannt.