Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 28.10.2017


VW

Ein Allrounder mit besten Genen

Hochsitz, Kompakter, Design-Ausreißer: Spät, aber doch bringt auch VW mit dem T-Roc ein SUV-Crossover im subkompakten Format. Beerbt er eines Tages gar den Golf?

© WerkFrischer Wind aus Wolfsburg im Segment der SUV-Crossover: Der T-Roc ist VWs Antwort auf Opel Mokka, Renault Captur und Fiat 500X.



Von Stefan Pabeschitz

Lissabon – Namen mit T und Bindestrich stehen weitläufig für das Lässige bis Verwegene: T-Shirt etwa, oder T-Bone. In den USA sogar für den wichtigsten Feiertag im Kalender, den T-Day – kurz für Thanksgivin­g oder auch einfach nur Truthahn. T-Roc ist demnach keine schlechte Namenswahl für den vielleicht jugendlichsten und frischesten VW bisher. Im Boom-Segment der kompakten SUV-Crossover haben sich die Wolfsburger bisher nicht engagiert, auch waren Design-Mut und Individualisierungs-Optionen bisher keine Disziplinen, in denen VW besonders aufgefallen wäre. Beim T-Roc traut sich die Marke aber endlich einmal etwas: Auffallend ist die markante Front, an der Scheinwerfer und Kühler zu einer optischen Einheit verbunden sind. An den Flanken dominieren massive Schwünge über den Rädern und eine flache Linie, dem Trend zum SUV-Coupé folgend. Mit elf Karosserie- und vier Dach-Farben ist der T-Roc äußerst wandelbar, dazu kommen zwei Standard- und vier Options-Dekors im Innenraum – insgesamt lassen sich daraus immerhin achtzig teilweise sehr bunte Varianten kombinieren.

Im Innenraum ist allerdings auch der Spar-Wille sicht- und greifbar: Das allgegenwärtige Hartplastik ist zwar hübsch aufbereitet, trotzdem herrscht hier bestenfalls Polo-Standard, allerdings zu Golf-Preisen angeboten. In Sachen Ergonomie und Sitzkomfort rehabilitiert sich der kompakte Crossover dann wieder: Raumgefühl und Platzangebot vorne sind besser als im Golf, auch der Kofferraum hat über fünfzig Liter mehr Fassungsvermögen. Ganz ohne Kompromisse geht es allerdings nicht: Der Knieraum in Reihe zwei liegt wieder eher auf Polo-Niveau.

Oberhalb der Basisausstattung wird der T-Roc in zwei Varianten angeboten: „Style“ bezeichnet die eher Design- und Komfort-orientierte Version, fahrdynamisch ausgelegt ist dagegen der „Sport“ mit Progressivlenkung, Sportfahrwerk und -sitzen. Zum Marktstart mit 11. Jänner sind mit dem vorderradgetriebenen 115 PS starken Benziner mit Sechsgang-Handschaltung und dem Diesel mit 150 PS, Allrad und Siebengang-Automatik vorerst nur zwei Motorisierungen im Programm – weitere folgen ab März 2018.

Der drehfreudige Turbo-Benziner kommt mit den nur zirka 1,2 Tonnen Leergewicht des T-Roc gut zurecht, mit der grundsätzlich schon strafferen Abstimmung als etwa bei einem Polo oder Golf wirkt er sehr agil, der höhere Schwerpunkt ist ihm auch bei raschem Lastwechsel nicht anzumerken. Die 260 Kilo Mehrgewicht des Diesel sind in Allrad und Doppelkupplungs-Automatik gut angelegt: Er fühlt sich satter und solider an, kann gegenüber dem Benziner auf gut um die Hälfte höheres Drehmoment zurückgreifen, bringt die Kraft auf allen vieren auch entsprechend effizienter auf die Straße und wirkt insgesamt direkter und aktiver. Dass VW bei seinem ersten Crossover-Modell auch die Allrad-Karte ausspielt, ist prinzipiell löblich, wenngleich es eher unter Kür als Pflicht fällt – für einige der Bestseller, wie etwa den Renault Capture, reicht auch Vorderradantrieb, um erfolgreich zu sein.

Die Preisliste beginnt bei 21.490 Euro für den Benziner, allerdings mit etwas spärlicher Grundausstattung. Beim nur in den gehobenen Kategorien Style oder Sport angebotenen Diesel stimmt zwar das Gesamtpaket, dank 4WD und Automatik hebt mit 33.670 aber auch der Preis ein wenig ab. Der anhaltende Trend zu den rundum praktischeren SUV-Crossover-Modellen sagt dem T-Roc eine rosige Zukunft voraus. Dass es in naher Zukunft für Golf-Ablöse reicht, ist zumindest nicht unmöglich, wird aber von künftigem Variantenreichtum abhängen – da hat der Kompakt-Klassiker dem hochsitzigen Neuling derzeit noch einiges voraus.




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