Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 18.11.2017


Online-Handel

Virtuell bestellen und real liefern

Auf ein zusätzliches digitales Bein stellt der PSA-Konzern sein Geschäft und will sich damit vom Hersteller zum Mobilitätsanbieter transformieren.

© WerkDie digitalen Aktivitäten legt PSA in bezug auf Neuwagen Konzernmarken-übergreifend an: Peugeot, Citroën, DS Automobiles, demnächst auch Opel.



Von Beatrix Keckeis-Hiller

Paris – So gut wie alles kann man im Internet kaufen. Warum nicht auch Autos direkt vom Hersteller? Auf diese Idee gekommen ist man mit Sicherheit nicht nur in der PSA-Gruppe. Doch setzt der französische Auto-Konzern dieses Vorhaben jetzt, ausgehend vom Heimmarkt, um. Konzernmarken-übergreifend kann man sich sein Wunschfahrzeug via Internet ja schon längst konfigurieren, aber jetzt kann man es auch online bestellen, inklusive Finanzierung und Versicherung. In Österreich soll es demnächst – Zeithorizont: 2020 – ebenfalls möglich sein.

Der etablierte Handel soll laut PSA-CEO Carlos Tavares dabei jedoch nicht ausgeschaltet, sondern transformiert werden: zu einer Art Marken-Botschaftsdependance, für reelle Erlebnisse zur Materialisierung der virtuellen Erfahrung, sprich für Probefahrten und Co. Als Basis dafür werden so genannte Experience Stores für alle Konzernmarken – Peugeot, Citroën, DS Automobiles und künftig wohl auch Opel – eingerichtet. Wie das aussieht, führt der Erste dieser Art in Paris bereits vor, demnächst sollen es zehn weitere, über Europa verteilt in den Metropolen platziert, fortführen.

Doch nicht nur einen Mix aus Online-Handel und Händlerbetrieb für Neufahrzeuge hat die PSA-Gruppe im Visier. Ebenso das Gebrauchtwagen-Geschäft, das mit einem aktuellen Volumen von rund 150 Millionen Autos beziffert wird. In Kooperation mit einer Reihe von Partnerunternehmen soll ein markenübergreifendes globales Kaufs- und Verkaufsnetz gespannt werden, das alle Bereiche bis zur Abwicklung umspannt. Ebenso will man die Sparten Service, Wartung, Reparatur und Ersatzteile bündeln und die entsprechenden Betriebe digital vernetzen, um das jeweils örtlich und preislich günstigste Angebot via Internet zugänglich zu machen.

Das Ziel, das hinter der forcierten Digitalisierung steckt, so Tavares, ist der „Wandel vom Autohersteller zum Mobilitätsanbieter“. Das Offert der PSA-Gruppe soll damit weit über das bisherige Geschäft der Produktion und des Verkaufs hinausgehen. In diesem Sinne bereits umgesetzt – auch in Österreich – ist das in Form der App „Free2Move“. Darin sind rund zwanzig Mobilitätsanbieter versammelt, die Fahrzeugsharing-Modelle für Privatkunden anbieten (darunter auch Car2Go), und zwar Autos, Scooter und Fahrräder. Eine Einbindung öffentlicher Verkehrsmittel ist geplant. Und eine Erweiterung für gewerbliche Kunden – Leasing, Flottenmanagement etc. – wird gerade umgesetzt.

Um all diese Aktivitäten unter einem Dach datensicher zu vernetzen, hat sich die PSA-Gruppe mit dem Telekommunikationsunternehmen Huawei, China, zusammengetan. Entwickelt wird die „Connected Vehicle Modular Platform“ (CVMP). Damit sollen nicht nur Kauf und Verkauf sowie Wartung samt Online-Management und Mobilitätsangebote gebündelt werden, sondern auch die Kommunikation zwischen Fahrzeug und – virtuellem – Speicher (Cloud), der alles rund um die Mobilität permanent vernetzt hält.




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