Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 09.12.2017


Renault

Die Rückkehr der blauen Lagune

Renault lässt den Mythos Alpine wieder aufleben. Der rassige Mittelmotor-Zweisitzer in Alu-Bauweise ist mit seiner eindrucksvollen Performance eine klare Ansage an die Konkurrenz.

© WerkDie neue Alpine A110 lässt sich von einem aufgeladenen 1,8-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner rasant beschleunigen.



Von Walter Schrott

Marseille – Bei Freunden des Rallye-Sportes macht es „klick“, wenn zwei Namen fallen: Mauro Bianchi und Gérard Larrousse. Die beiden Franzosen gehörten in den 70ern zu den ganz Großen ihrer Zunft. Und mit ihnen erlangte auch ihr Arbeitsgerät Berühmtheit. Die Renault Alpine A110. Mit den blitzblauen Rennern holte das Duo zahlreiche Siege und zwei Weltmeistertitel (1971 und 1973). Sukzessive hatte Renault die 1955 gegründete und zunächst eigenständige Marke „inhaliert“ und weiterentwickelt. Die Alpine war auch in der zivilen Straßenversion heiß begehrt. Da trugen die Fans Trauer, als 1995 die Produktion eingestellt wurde. Doch jetzt lässt Renault den Mythos wieder aufleben und will Alpine als eigenständige Marke positionieren. Hierzulande gibt es auch nur drei Alpine-Zentren (Wien, Graz und Linz).

Schon das Design der neuen A110 macht mächtig Appetit. Der mit 4,18 Meter knackig kurze Zweisitzer präsentiert sich im modernen Sportwagen-Look, die Grundform und einige Stilelemente aber hat er vom legendären Vorgänger übernommen. Rundum eine Augenweide, besser kann man die Moderne mit der Vergangenheit nicht verknüpfen. Beim Interieur führt nur die Gegenwart Regie. Nostalgiker werden vielleicht die klassisch-analogen Instrumente vermissen, aber Renault segelt mit dem digitalen Cockpit und dem modernen Infotainment-System auf Höhe der Zeit. Ein Gedicht auch die Sport-Schalensitze, die den Fahrer mit dem Auto verschmelzen lassen.

Vollkommen geändert hat sich das technische Layout. War der Urahn – wie damals fast alle Renault-Modelle – mit einem Heckmotor bestückt, so sitzt das Triebwerk jetzt vor der Hinterachse. Das Mittelmotor-Konzept samt Heckantrieb sorgt für eine ideale Gewichtsverteilung: 44 Prozent vorn, 56 Prozent hinten. Zudem bringt der Sportler dank Vollaluminium-Bauweise nur schlappe 1080 Kilo auf die Waage. Alles zusammen die ideale Rezeptur für überragende Fahrdynamik.

Der vollkommen neu entwickelte 1.8 Turbo-Vierzylinder hinter den Sitzen leistet 252 PS und legt mit bösem Fauchen los. Viel mehr als einen Atemzug dauert es nicht, dann überquert die Alpine schon die 100er-Marke. Exakt 4,5 Sekunden sind es. Bei 250 Sachen fällt der elektronische Anker. Für die Kraftübertragung ist ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe zuständig, das via Schaltwippen auch manuell bedient werden kann und mit blitzschnellen Gangwechseln ohne Zugkraftunterbrechung begeistert. Drei Fahrprogramme (Normal, Sport und Track) beeinflussen Motor-, Getriebe-, Gaspedal-Charakteristik, Auspuff-Sound sowie das ESP. Der Fahrer kann nach Lust und Laune den Fahrspaß wählen. In allen Fahrmodi lässt sich das ESP auch deaktivieren. Was auf öffentlichen Straßen aber schon Routine und Verantwortungsgefühl voraussetzt.

Was uns bei der ersten Ausfahrt aufgefallen ist: Das Fahrwerk geht vergleichsweise human mit den Bandscheiben der Insassen um. Hart aber herzlich, könnte man sagen. Da will Renault schon auch die Alltagstauglichkeit herausstreichen. So richtig daheim ist der Franzose natürlich im Reich der Kurven. Phänomenal wie agil sich der Zweisitzer durch die Radien zirkeln lässt. Mit maximaler Rückmeldung vom Asphalt. Da sprudelt das Adrenalin aus allen Poren. Das extrem drehfreudige Triebwerk setzt Gasbefehle akkurat in Vortrieb um, die direkte Lenkung, souveränes Handling und Top-Traktion sorgen für grenzenlosen Fahrspaß. Die elektronischen Wächter sind dabei keine Spielverderber und erlauben Annäherungen an den Grenzbereich, ehe sie korrigierend eingreifen.

Wir meinen: Die Alpine A110 ist in allen Belangen eine Ansage an die Konkurrenz, wobei das Preis-Leistungs-Verhältnis durchaus für den rasanten Franzosen spricht. Wer Sehnsucht verspürt, sollte rasch beim Händler vorstellig werden. Anfang 2018 ist Marktstart. Der Preis dürfte zwischen 55.000 und 60.000 Euro liegen. Eine auf 1955 Exemplare limitierte und speziell ausgestattete „Premiere Edition“ um 62.600 Euro war schon im Dezember 2016 nach nur fünf Tagen komplett reserviert.




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