Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 13.01.2018


Motor News

Wieder gibt es einen elektrischen Neuling

Ein Neuheiten-intensives Autojahr 2018 hat begonnen, einen Vorgeschmack darauf geben die Consumer Electronic Show in Las Vegas und die North American International Auto Show in Detroit.

© Mit dem Q Inspiration Concept wird Infiniti eine neue Formensprache präsentieren.Fotos: Werk



Von Markus Höscheler

Las Vegas, Detroit — Erst zog es einige Autohersteller in den US-Bundesstaat Nevada, um manche Neuheiten zu präsentieren, dann ist Michigan an der Reihe, deren in Jahrzehnten abgewirtschaftete Metropole Detroit alljährlich die Basis für die North American International Auto Show bietet. Hyundai beispielsweise zog das von Wüste umgebene Spielerparadies Las Vegas vor, um das neue Wasserstofffahrzeug Nexo vorzustellen. Das Brennstoffzellenauto, dessen Marktstart im Sommer 2018 bei uns geplant ist, ist wie der Vorgänger (ix 35 FCEV) ein SUV, wenngleich mit deutlich mehr Länge: 4,67 Meter anstelle von 4,41 Metern. Er verfügt über einen 163 PS starken Elektromotor und über eine geschätzte Reichweite von rund 800 Kilometern. Von null auf 100 km/h beschleunigt der Nexo in 9,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei rund 200 km/h. Nicht nur die Antriebstechnik ist eine fortschrittliche, sondern auch die Ausstattung mit Fahrerassistenzsystemen — ein teilautonomes Fahren wird damit möglich.

So weit treiben es die herkömmlich angetriebenen Modelle von Mini (Dreitürer, Cabrio) nicht, die in Detroit in überarbeiteter Form Premiere feiern. Beachtenswert sind minimale Änderungen bei Frontdetails (schwarze Blende), drei neue Farblackierungen, die Touchscreen-Funktion für das Display im Zentralinstrument und ein neues Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Vom Facelift erfasst wird übrigens auch die fünftürige Variante, die erneuerten Kleinwagen sind ab März 2018 verfügbar.

Mit dem Q Inspiration Concept wird Infiniti eine neue Formensprache präsentieren.
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Während sich BMW in Detroit auf die Vorstellung des überarbeiteten i8 (Coupé) und des neuen i8 Roadster konzentriert, gibt es in Europa die Vorbereitungen für die Einführung des überarbeiteten 2er Active Tourer und des modifizierten 2er Gran Tourer. Analog zu den Mini-Modellen ist hier die Markteinführung im übernächsten Monat vorgesehen.

Mit einem Concept Car wird die Nissan-Edelmarke Infiniti die NAIAS in Detroit bereichern. Das Sportcoupé Q Inspiration Concept ist dazu gedacht, die künftige Designsprache der Japaner zu kennzeichnen. Nicht Detroit, sondern Las Vegas war für Kia die erste Wahl, um ein elektrifiziertes Showcar zu zeigen — und zwar die Elektroversion des subkompakten Niro. Dessen 64 Kilowattstunden fassender Lithium-Polymer-Akku steht für eine Bruttoreichweite von 383 Kilometern, außerdem gibt es jede Menge Fahrspaß dank eines 150 Kilowatt leistenden Elektromotors.

Trotz des regen Messeauftakts mit CES, NAIAS (und bei uns: Vienna Autoshow) — diese Veranstaltungen geben nur einen zarten Hinweis auf die Neuheitenflut des heurigen Jahres, wie die folgenden Beispiele zeigen werden. Audi etwa wird den A7 Sportback, den A6-Nachfolger und den A6 Avant auf den Markt bringen, dazu kommt die nächste A1-Generation, wohl auch der nächste Q3 und ein Elektroauto. BMW wird einen 8er auf den Markt bringen, wohl eine neue X4-Generation, am X5-Nachfolger basteln, außerdem den neuen Z4 enthüllen. Mercedes kümmert sich um die neue G-Klasse (prominent auf der NAIAS vertreten), um die Überarbeitung der C-Klasse, um die Folgegeneration der A-Klasse und die Markteinführung der dritten CLS-Generation.

Im März gelangen die überarbeiteten Varianten der 2er-Vans von BMW und der kleineren Mini-Modelle (Foto) in den Handel.
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Von Volkswagen dürfen wir vor allem den neuen Touareg erwarten, der dieselbe Plattform nützen darf wie das Super-SUV Urus von Lamborghini. Jeep ist bereits dran, die neue Wrangler-Generation schmackhaft zu machen, die Schwestermarke Fiat ist möglicherweise mit einem Facelift des 500X beschäftigt. Mazda hat den überarbeiteten Mazda6 bereits Ende vorigen Jahres vorgestellt, Jaguar beehrt seine Klientel mit den beiden Hochbauten E-Pace und I-Pace.

Bedeckt hält sich Toyota noch, was den Auris-Nachfolger anbelangt, auch Suzuki zeigt Zurückhaltung bezüglich offizieller Statements über einen neuen Jimny. Von Ford erwarten wir unter anderem einen neuen Focus, von Seat ein Midsize-SUV, von Porsche einen neuen 911, von Volvo die Ausweitung der 60er-Baureihe (V60, S60) und von Hyundai unter anderem den neuen Santa Fe. Kia wird vor allem den Ceed-Nachfolger bewerben, Peugeot und Citroën werden sich wohl für die Mittelklasse etwas einfallen lassen.

Wieder gibt es einen elektrischen Neuling

Las Vegas — Wenig überraschend versuchen immer mehr etablierte Autohersteller, ihre Botschaften auf der jährlich Anfang Jänner stattfindenden Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas unterzubringen. Toyota, Mercedes, Audi sind hier vertreten — aber nicht nur sie. Manch Start-up-Unternehmen nützt das Umfeld für eine perfekte Inszenierung, in diesem Fall ist es Byton: Der Name ist angelsächsisch, das Unternehmen allerdings chinesisch. Und damit ist die Fahrtrichtung klar, die das in Las Vegas vorgestellte Concept Car vorgibt. Es handelt sich um ein reines Elektroauto, natürlich im zeitgemäßen SUV-Kleid, und mit Fokus auf Vernetzung durch und durch. Am besten symbolisiert dies ein Display, das den Armaturenträger mit einer Länge von 125 Zentimetern und einer Breite von 25 Zentimetern dominiert. Mit drei weiteren Displays ist der 4,85 Meter lange Entwurf ausgestattet — entsprechend vielgestaltig zeigt sich das Bedienungssystem. Byton spricht hier von Voice Control, Touch Control, Gesichtserkennung, Gestensteuerung. „Wir haben das erste Premium-Elektrofahrzeug mit einem günstigen Preis entwickelt, das die Ansprüche an das erste oder einzige Auto im Haushalt erfüllt", erklärt Byton-Mitgründer Daniel Kirchert. Mit einem ersten Serienfahrzeug rechnet Byton im nächsten Jahr, wobei zunächst der chinesische Markt bearbeitet werden soll. Später folgen die USA und einige europäische Länder — außerdem will Byton nach dem SUV auch eine Limousine und eine Art Van auf den Markt bringen. Was den Vorreiter — eben das Sport Utility Vehicle — betrifft, sind zwei E-Varianten vorgesehen, eine mit Hinterradantrieb, 71-kWh-Akku und 400 km Reichweite sowie eine mit Allradsystem, 95-kWh-Speicher und 520 km Reichweite. (hösch)