Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 18.01.2018


Pickerl

„Abgastest hilft, Mängel zu finden“

Während der ÖAMTC das Aus für Tests am Auspuff beim Pickerl verteidigt, spricht sich der VCÖ für die Beibehaltung aus.

© dpa-Zentralbild/Patrick PleulMit der Abschaffung von Abgastests am Auspuff würden künftig weniger fehlerhafte Abgasreinigungen entdeckt werden, warnt der VCÖ.Foto: dpa/Pleul



Wien – Das bevorstehende Ende für Abgastests am Endrohr beim Pickerl sei durchaus sinnvoll, verteidigt der ÖAMTC entsprechende Pläne des Verkehrsministeriums. Für die Überprüfung des Abgassystems sei die Onboard-Diagnose bei modernen Fahrzeugen nämlich wesentlich genauer, erklärt der Autofahrerclub. Dem widerspricht jedoch der Verkehrsclub Österreich (VCÖ).

Wie berichtet, sieht ein Gesetzesentwurf zur Novelle der Prüf- und Begutachtungsstellenverordnung, die unter anderem die Tests für das „Pickerl“ festlegt, vor, dass künftig bei neuen Autos, Lkw und Motorrädern Abgastests am Auspuff durch das Auslesen der Diagnose-Software im Auto ersetzt werden sollen.

Nach Skandalen wegen manipulierter Abgassoftware bei mehreren Autoherstellern warnte Greenpeace, dass damit die Kontrolle „völlig aus der Hand“ gegeben werde. Der ÖAMTC wirft der Umweltschutzorganisation nun in einer Aussendung „technische Unwissenheit“ vor. „Bei der §57a-Überprüfung wurden bisher mittels Endrohrmessung lediglich Feinstaubwerte, jedoch keine NOx-Werte gemessen“, sagt Bernhard Wiesinger, Leiter der ÖAMTC-Interessenvertretung. Fehler in der Motorelektronik und der Abgasnachbehandlung könnten damit bereits erkannt werden, bevor sie bei einer Abgasprüfung auffallen, meint Wiesinger. Zudem würden so häufig auftretende Motorschäden durch den Auspufftest im Leerlauf vermieden.

Der VCÖ befürchtet hingegen, dass ohne Auspufftests weniger fehlerhafte Abgasreinigungen gefunden werden, sagt Ulla Rasmussen vom VCÖ auf TT-Anfrage. Dies würden Untersuchungen in Deutschland belegen. Dabei seien bei Prüfungen mittels Software lediglich bei 1,9 Prozent der Fahrzeuge Mängel gefunden worden. Bei der Kombination von Software- und Endrohrmessungen seien hingegen bei 7,1 Prozent der 1750 getesteten Fahrzeuge Mängel entdeckt worden.

„Wichtig für die Luftqualität und somit die Gesundheit der Menschen ist, dass die Autos so sauber wie möglich unterwegs sind und dass dies gründlich kontrolliert wird“, sagt Rasmussen, die für eine Kombination aus Software- und Endrohrtest plädiert. (ecke)




Kommentieren


Schlagworte