Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 17.02.2018


Kia

Mut zur Normalisierung

Kias neuer Kompaktwagen stellt in vielerlei Hinsicht eine Evolution des Vorgängers dar, die Revolution betrifft vor allem die Modifikation der Bezeichnung.

© WerkGegen Mitte des Jahres wird Kia die dritte Ceed-Generation auf den Markt bringen.



München – Kia traut sich schon wieder etwas Ungewöhnliches. Wobei das schon zum Markenkern der Koreaner gehört. War es in den Vorjahren zuerst das markante Design (unter Federführung von Peter Schreyer), dann die gehobene Qualität, verbunden mit der wegweisenden Sieben-Jahres-Garantie, schließlich gefolgt von der Entscheidung, mehr Sportlichkeit zu wagen, die im eleganten Gran Turismo Stinger gipfelte – so ist es dieses Mal eine ganz kleine Änderung. Der Kompaktwagen „cee’d“ verliert mit dem sich heuer abzeichnenden Generationswechsel den Apostroph und auch die vom Unternehmen bisher beharrlich verfolgte (und von uns zumeist ignorierte) Kleinschreibung. Das Fahrzeug trägt künftig die Bezeichnung Ceed (die Buchstaben stehen für Community of Europe, with European Design) führen.

Damit verliert Kias Kompakter zwar ein Unterscheidungsmerkmal in seinem stark umkämpften Marktsegment, aber er behält im Großen und Ganzen seine anderen. War der Wechsel von der ersten (2006) auf die zweite Generation (2012) ein gewaltiger, so übernimmt der Nachfolger viel von seinem direkten Vorgänger. Dazu zählen etwa die Gesamtlänge und der Radstand. Die erstgenannte Dimension beträgt 4310 Millimeter, die zweitgenannte 2650 Millimeter. Etwas anders sieht es bei der Höhe und bei der Breite aus, denn der neue Ceed wird flacher und satter auf der Straße stehen. Mit 1447 Millimetern Höhe trägt er das Dach 23 Millimeter niedriger, mit 1800 Millimetern Breite verfügt der Neuling über zwei zusätzliche Zentimeter.

Bei den Proportionen hat sich etwas getan, denn der vordere Überhang fällt kürzer, der hintere länger aus – das soll dem neuen Ceed mehr Sportlichkeit verleihen. Hilfreich für dieses Ansinnen ist auch die fein überarbeitete Front: Der Tigernose-Kühlergrill wirkt schlanker, die Frontleuchten scheinen weniger spitz zu sein – und die unteren Lufteinlässe treten mehr in Erscheinung. Die Dachlinie ist wie gewohnt leicht coupéförmig gezeichnet, bei der seitlichen Ansicht fallen die elegant ausgeformten Seitenschweller auf.

Im Innenraum fallen eine leicht zum Fahrer geneigte Konsole samt schlank gehaltenem Armaturenbrett ins Auge, außerdem hochwertige Soft-Touch-Materialien. Minimal wächst der Kofferraum – von 380 auf 395 Liter. Wer mehr benötigt, wird nur ein paar Monate warten müssen, dann folgt die neue Kombi-Version SW. Der Procee’d, bisher ein Dreitürer, wird allerdings keinen Nachfolger erhalten. War das Fahrwerk bisher eher komfortabel abgestimmt, war die Lenkung eher eine Schwäche des Modells. Das soll sich mit der dritten Generation ändern, das Fahrwerk fällt nach Bekunden des Herstellers sportlicheraus, die Lenkung arbeitet direkter – und zwar dank einer kleineren Übersetzung.

Einige Veränderungen kennzeichnen das Moto­renprogramm. Drei Benziner und zwei Diesel gelten als gesetzt. Ganz neu wird der Ottomotor mit 1,4 Litern Hubraum, Turbolader und vier Zylindern sein, der 140 PS leistet und den zuvor eingesetzten 1,6-Liter-Sauger (135 PS) ersetzt. Außerdem bietet Kia einen aufgeladenen Dreizylinder-Benziner mit einem Liter Hubraum und 120 PS sowie einen 1,4-Liter-Sauger mit 100 PS an. Bei den Selbstzündern geben zwei 1,6-Liter-Vierzylinder ihr Bestes mit 115 und 136 PS. Sie halten die Abgasnorm Euro 6d-TEMP ein, sind folglich mit einem SCR-Kat bestückt. Ab Werk sind alle Aggregate mit einem Sechsgang-Handschalter kombiniert, die beiden stärksten Triebwerke las- sen sich mit einer Siebengang-Doppelkupplung aufwerten.

Kia verspricht für den neuen Ceed einerseits die Fortsetzung der bewährten Sieben-Jahres-Garantie, andererseits die Optimierung von Fahrerassistenzsystemen. Besonders stolz sind die Koreaner auf den Stauassistenten (Lane Following Assist), der sich auf Autobahnen an der Geschwindigkeit des Vordermannes konzentriert und im Tempobereich von null bis 130 km/h selbstständig beschleunigt, bremst und lenkt. Im Weiteren gibt es Querverkehrswarner, Park­assistent, Spurwechselassistent und LED-Scheinwerfer. Der Marktstart erfolgt gegen Ende des zweiten Quartals in diesem Jahr. (hösch)




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