Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 03.03.2018


Insignia GSi

Spaßmacher in bitterernsten Zeiten

Opel steht vor der herausfordernden Aufgabe, sich innerhalb der Groupe PSA zu einer rentablen Marke zu verwandeln. Dabei geht fast unter, dass die Rüsselsheimer sehr gute Autos bauen – etwa den Insignia GSi.

© HöschelerWer GSi fahren möchte, hat einige Wahlmöglichkeiten: Den entsprechenden Insignia gibt es als Fließheck (Grand Sport, hier abgebildet) und als Kombi (Sports Tourer), außerdem mit 260-PS-Benziner und 210-PS-Diesel.



Von Markus Höscheler

Gordes – Auf Genf kann Opel heuer verzichten, auf Gordes nicht. In der Westschweiz geht der nächste Woche eröffnende Genfer Autosalon ohne die Blitzmarke über die Bühne – mangels vorzeigbarer Neuheiten. In Südfrankreich, unweit von der Küstenstadt Marseille, zeigt der hessische Traditionshersteller in diesen Tagen aber Flagge. Der Gebirgszug des Luberon in der Provence bildet die ideale Kulisse für den Einstand des Insignia GSi. Auf kurvenreichen Straßen, auf langgezogenen Geraden, gesäumt von Bilderbuch-Baumreihen, darf sich die dynamisch herausgeputzte Mittelklasse so präsentieren, als hätte Opel da nicht ein paar vor sich hergeschobene Probleme mit der Rentabilität.

Ebendiese sind der Nährboden für zahllose Medienberichte, die leider das überschatten, was Opel wirklich kann: schöne Autos konstruieren, wertig und nützlich zugleich, in vielerlei Hinsicht innovativ, in jedem Fall auffällig. Einen Schritt weiter geht hier gar der Insignia GSi, der die markttauglichen Talente der beiden Basis-Karosserievarianten (Fließhecklimousine namens Grand Sport und Kombi namens Sports Tourer) mit dem dynamischen Know-how der hauseigenen OPC-Tuningabteilung (Opel Performance Center) vermengt. Mit einigen wohlüberlegten Anpassungen, selbst bei kleinsten Details, wird aus dem soliden Familientransporter ein durchtrainierter Athlet, der mit kraftvollen Antrieben, Allradsystem, wachem Achtgangautomatikgetriebe, adaptivem FlexRide-Fahrwerk und selektiver Drehmomentverteilung auf der Hinterachse (Torque Vectoring) Rennstreckentaugliches auf den Asphalt zaubern kann. Besagter Untergrund kann gar recht holprig und feuchtem Winterwetter zerfurcht sein wie das Straßennetz im Luberon – den eigens für den GSi angefertigten 20-Zöllern anhaftenden Michelin-Reifen kann dies wenig anhaben: Der Grip ist enorm, wie großzügig veranschlagte Erprobungsfahrten in der Nähe des Mittelmeeres an den Tag bringen. Die Lenkung arbeitet präzise und rückmeldungsfreundlich, Dämpfer und Federung beherrschen den Spagat zwischen straffer Abstimmung und ausreichend Komfort, auch wenn sich Unterschiede bei den drei Fahrmodi (Tour, Normal und Sport) herauskristallisieren. Besonderen Eindruck hinterlässt das Eigenlenkverhalten des Fahrzeugs, mitverursacht durch das „echte“ Torque Vectoring, also die situationsgerechte Drehmomentverteilung an einzelne Räder (hier: an der Hinterachse), was sich besonders beim Herausbeschleunigen aus Kurven zeigt. Mit dem GSi-Modus (weitgehend abgeschaltetes elektronisches Stabilitätsprogramm) darf zudem mit dem Heck gelenkt werden.

Um solche Fahrerlebnisses zu ermöglichen, beschränkt sich Opel nicht auf einen Motor, sondern bietet zwei zur Auswahl: einen neuen 210 PS starken Zweiliter-Vierzylinder-Diesel mit zwei Turboladern und einen 260-PS-Turbobenziner. Der Selbstzünder stemmt 480 Newtonmeter maximales Drehmoment ab 1500 Umdrehungen/Minute, was zum Teil darauf zurückzuführen ist, dass er mit zwei Turboladern arbeitet. Die Konstruktion ermöglicht ein rasches Ansprechverhalten auch bei niedrigen Drehzahlen. Alles andere als schwach aufgestellt ist bezüglich des Drehmoments auch der Ottomotor. Hier liegen frühzeitig (ab 2500 Touren) 400 Newtonmeter an. Beim Sprint ist der Benziner dem Diesel überlegen, gewinnt mit 7,2 (Grand Sport) und 7,4 Sekunden (Sports Tourer) die Wertung gegenüber 7,9 und 8,0 Sekunden. Beim Verbrauch zeigt sich der Ölbrenner genügsamer mit 7,0 bis 7,1 l/100 km (CO2-Emissionen: 186 bis 187 g/km), während der Benziner auf dem Prüfstand 8,6 bis 8,7 l/100 km verlangt (CO2-Ausstoß: 197 bis 199 g/km).

Nicht nur antriebsseitig stattet Opel jeden Insignia GSi stattlich aus, sondern auch in anderen Bereichen: Ab Werk leuchten IntelliLux-Matrix-LED-Scheinwerfer den Fahrweg aus, hilft das Navi-900-IntelliLink beim Zielfinden und macht ein eigens kreierter Performance-Ergonomie-Sitz das Fahren auf langen Strecken mitsamt Heizung, Ventilation und Massagefunktion mehr als erträglich. Den Insignia GSi gibt es als Grand Sport ab 47.190 Euro, als Sports Tourer ab 48.320 Euro.




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