Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 03.03.2018


VW Touareg

Selbst im Tarnkleid eine gute Figur

Robustes SUV mit Geländefähigkeit war gestern: Die dritte Generation des Touareg vereinigt technische Innovation, schickes Design und hochwertige Ausstattung mit der Fahrdynamik von Limousinen.

© WerkNoch in diesem Monat wird der neue Touareg seine Hüllen fallen lassen, die Weltpremiere wird in China erfolgen.



Von Peter Urbanek

Saragossa – Die Anregung kam aus China, wo sich der Touareg großer Beliebtheit erfreut: „Entwickelt doch dieses tolle Fahrzeug in Richtung Hochwertigkeit, ohne das Basiskonzept zu vernachlässigen.“ Dieser Ruf stieß in Wolfsburg auf offene Ohren, das Resultat dieses Vorschlags konnte die Tiroler Tageszeitung mit getarnten Vorserienfahrzeugen auf grottenschlechten Straßen in Zentralspanien überprüfen. Als der Touareg ab 2002 das Spitzenmodell der VW-Gruppe bildete, war er als SUV ein Einzelgänger. Heute wieseln mit dem VW-Emblem T-Roc, Tiguan, Tiguan Allspace und ab Herbst auch der T-Cross um ihn herum – es ist also höchste Zeit, dem Chef der Gruppe ein noch besseres Image zu verpassen. Der Touareg steht gemeinsam mit dem Porsche Cayenne und dem Audi Q7 auf dem Modularen Längsbaukasten (MLB). Das Wachstum gegenüber dem Vorgänger beträgt 77 mm (auf 4878 mm), bei der Breite kamen 44 mm (1984 mm) dazu, dagegen ist die Reduktion der Höhe um sieben Millimeter kaum merkbar.

Der Grill strahlt Vornehmheit aus, Elemente zur Markenerkennung wanderten aus dem VW Arteon in die vordere Frontpartie. Seitliche Sicken strecken optisch das Fahrzeug, das etwas flachere Dach endet in einem Spoiler, fast liebevoll wurde der Bereich Heckklappe gestaltet, kein einfacher Deckel, sondern abgerundete Formen bis zum Kennzeichenbereich vermitteln moderne Eleganz. Durch intensive Verwendung von Aluminium konnten immerhin fast 120 kg Gewicht eingespart werden, das Leergewicht des Touareg liegt jetzt bei rund zwei Tonnen. Als Option wird eine Luftfederung mit elektronisch gesteuerten Dämpfern angeboten, die Basisversion mit Stahlfedern und entsprechenden Stabilisatoren erlaubt aber ebenfalls hervorragendes Fahrvergnügen. Der adaptive Wankausgleich stellt eine Neuerung dar, bei Fahrten im Gelände sicher von Vorteil, auszuprobieren bei 35 Grad Seitenneigung.

Ein Novum stellt die Agilität fördernde Hinterachslenkung dar: Bis 50 km/h schlagen die Räder automatisch im entgegengesetzten Winkel zu den Vorderrädern ein, steigt die Geschwindigkeit über 50 km/h, verhalten sich die Hinterräder analog zu den Vorderrädern. Der Touareg 2018 verfügt über permanenten Allradantrieb, im Normalfall sind 60 % der Leistung an der Vorderachse konzentriert. Registriert die Elektronik geänderte Straßenverhältnisse, kann es zu einem Verhältnis 40 zu 60 zugunsten der Hinterachse kommen. Im Unterschied zum Vorgänger sind keine Achssperren vorgesehen, bei Bedarf lässt sich die Karosse 70 mm höher stellen oder 25 mm absenken.

Der große Stolz, eine Welt­premiere, ist das vernetzte und digitalisierte Cockpit, leider nur gegen Aufpreis erhältlich: „Innovision Cockpit“ nennt sich diese Neuerung aus gebogenem Glas. Alle Tasten sind in dem 15 Zoll großen und zum Fahrer geneigten Bildschirm des Top-Infotainmentsystems integriert. Von Klimasteuerung bis Sitzheizung, Systemanzeigen wie Nightvision, Cruise Control, Verkehrszeichenerkennung – hier ist alles konzentriert, eine wichtige zusätzliche Option bleibt das Head-up-Display mit elf Funktionen.

Einige kräftige Motoren stehen in Österreich zur Einführung Ende Juni bereit. Zwei Diesel mit drei Litern Hubraum leisten 231 und 286 PS, gefolgt von einem V8-Turbodiesel, dessen 4-Liter-Kubatur 421 PS liefert. Alle Motoren erwiesen sich im Betrieb als überaus leise, laut ist nur das Abrollgeräusch der optionalen 20-Zoll-Reifen. Standard sind 18 Zoll. Sehr überzeugend ist auch der 340 PS starke Dreiliter-Turbobenziner. Kleinere Motorenvarianten wird es später geben. Die Plug-in-Hybrid-Version startet vorab in China, aber Wolfsburg versichert, dass der europäische Markt ab 2019 damit beliefert wird.