Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 03.03.2018


Audi

Der Zwangsjacke entkommen

Eingezwängt zwischen coupéartigem A7 Sportback und majestätischem A8 überrascht der neue A6 als Limousine mit frischer Optik, dem Versprechen auf mehr Fahrdynamik und digitalen Innovationen.

© WerkIm Juni kommt die achte Generation des Audi A6 auf den Markt.Foto: Werk



Von Markus Höscheler

Ingolstadt – Es hätte so manches schiefgehen können bei der Präsentation der achten Generation des A6. Der neuen Limousine waren in den vergangenen Monaten zwei wegweisende Neuheiten vorausgegangen, nämlich das neue Luxusmodell A8 und die zweite Generation des A7 Sportback. Der A8 brachte eine Vielzahl von technischen Neuerungen mit sich, der A7 Sportback nicht nur diese, sondern auch ein besonders eindrückliches Design. Der technisch verwandte A6 lief nun Gefahr, zwischen diesen beiden Trendsettern zerrieben zu werden, als Langweiler und Leisetreter, als Epigone durchzugehen. Tut er das?

Glücklicherweise nicht, wie der erste Lokalaugenschein in Ingolstadt vor Kurzem ergab. Die neue Oberklasse-Limousine von Audi gibt sich zwar im direkten Vergleich zum A7 Sportback etwas zurückhaltender; Bestechendes hat er gleichwohl anzubieten. Markant in allen Richtungen breitet sich der sechseckige Singleframe-Kühlergrill aus, erwartungsgemäß im 3D-Format, er drängt sich sogar unter die Frontscheinwerfer. Die Motorhaube zeigt zwei schöne Bügelfalten und eine starke Neigung nach vorn, die Seitenschweller sind pointiert ausgeführt, ebenso zwei Sicken oberhalb der Kotflügel. Die Dachlinie zeigt einen leichten Schwung, kommt aber der A7-Sportback-Silhouette nicht zu nahe, eher der Seitenansicht des längeren A8. Dessen Interieur stand Pate für den 4,94 Meter langen A6. Auch hier konnten sich die digital verliebten Techniker austoben und das Instrumentarium mit einem leuchtkräftigen Display versehen. Weitere Screens finden sich auf der Mittelkonsole, eines dient zum Einstellen des Infotainmentsystems und der Klimatisierung. Dabei zeigt sich einmal mehr, dass Audi sich zunehmend vom klassischen Dreh-Drück-Steller früherer Fahrzeuge verabschiedet hat und sich mit Touchfunktionen und der Sprachbedienung immer mehr anfreundet.

Bei diesen technischen Innovationen bleibt es nicht, weitere finden sich in der neuen Sicherheitstechnik, die das Beste aus A7 Sportback und A8 mit sich bringt, darunter auch die Möglichkeit des teil­autonomen Fahrens. Je nach gewählten Optionen lässt sich der A6 mit Sensoren rundum bestücken, gipfelnd in einem Lasergerät. Kameras, Radar- und Ultraschallsensoren sorgen dafür, die Sicherheit der Insassen und die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer zu verbessern.

Weiteres Potenzial für Verbesserungen orteten die A6-Entwickler im Bereich der Fahrdynamik. Die Lenkung des Vorgängers war ein Kritikpunkt, der das Audi-Team offenbar ausreichend provozierte, um Handlungsbedarf zu erkennen. Der neue A6 darf mit einem Volant arbeiten, das über eine variable Lenkübersetzung zwischen 9,5:1 und 16,5:1 verfügt. Hilfreich ist in diesem Zusammenhang die Installation einer mitlenkenden Hinterachse, die bei niedrigen Tempi die Hinterräder gegensinnig zu den Vorderrädern, bei höheren Geschwindigkeiten gleichsinnig stellt. Damit verringert sich im ersten Fall der Wendekreis, im zweiten Fall verbessert sich die Stabilität.

Für den neuen A6 bietet Audi vier verschiedene Fahrwerkskonfigurationen an – sie reichen vom einfachen Stahlfederfahrwerk über das Sportfahrwerk und das Fahrwerk mit Dämpferregelung bis zum luftgefederten Fahrwerk mit Adaptive Air Suspension. Bei den Motoren beschränkt sich die Auswahl zum Marktstart im Juni auf vier Aggregate: Drei Diesel leisten 204, 231 und 286 PS, dazu kommt noch ein V6-Turbobenziner mit 340 PS und 500 Newtonmetern Drehmomentmaximum. Handschalter sind passé, für die beiden stärkeren Diesel (beide V6) gibt es eine Achtstufenautomatik, für den Basisdiesel (ein Vierzylinder) und den Benziner ist eine Siebengang-Doppelkupplung (S-tronic) vorgesehen. Alle V6-Motoren arbeiten serienmäßig mit dem Quattro-Allradantrieb zusammen. Mit weiteren Motorvarianten ist zu rechnen, sogar ein RS-Modell als Limousine wird nicht ausgeschlossen. Ebenfalls in der Pipeline: der A6 Avant. Er wird in einigen Wochen vorgestellt.




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