Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.03.2018


Motor News

„Erdgas ist eine sinnvolle Alternative"

Im TT-Interview empfiehlt Škoda-Vorstandsvorsitzender Bernhard Maier nicht nur den neu entwickelten CNG-Hybridantrieb, sondern auch den im nächsten Jahr startenden rein elektrischen Kleinstwagen Citigo.

© Å koda AutoBernhard Maier, Vorstandsvorsitzender von Škoda, präsentierte auf dem Genfer Autosalon den seriennahen Vision X, ein subkompaktes SUV.



Was bezwecken Sie mit dem in Genf präsentierten Concept Car Vision X?

Bernhard Maier: Die Studie Vision X gibt einen Ausblick auf ein komplett neues Modell, das wir im nächsten Jahr auf den Markt bringen. Wie immer bei einem Concept Car von ?koda ist das Exterieur-Design schon recht nah an der Serienversion, während wir beim Interieur-Design und beim Antriebskonzept etwas weiter in die Zukunft schauen. Die Serienversion ist der nächste konsequente Schritt in unserer SUV-Offensive. Diese haben wir zugegebenermaßen etwas spät gestartet, dafür haben wir mit dem Kodiaq und dem Karoq einen Auftakt nach Maß hingelegt. Unsere Auftragsbücher sind voll. Gleichzeitig sehen wir ein deutliches Wachstum im darunterliegenden Segment subkompakter SUVs. Genau darauf zielt der Vision X ab: Von diesem Kuchen wollen wir uns mit diesem Modell ein ordentliches Stück abschneiden. Das Fahrzeug hat — typisch für ?koda — einen etwas längeren Radstand und bietet einen sehr großzügigen Innenraum. Wir setzen uns damit ans obere Ende des Segments.

Was ist das Besondere an Ihrem Hybridsystem?

Maier: Wir zeigen mit dem Vision X einen Urban Crossover, der das Beste aus allen Welten zu einem erreichbaren Preis verbindet. Der Antrieb kombiniert einen bivalenten Verbrennungsmotor, der wahlweise mit Benzin oder mit CNG (Erdgas) betrieben werden kann, mit einem Mildhybrid auf Niedervoltbasis. Wir speisen eine Batterie durch einen Riemenstartergenerator, die einen E-Motor versorgt, der direkt an der Hinterachse sitzt. In Summe reduzieren wir damit den CO2-Ausstoß um 20 Prozent und sind gleichzeitig in der Lage, beste Traktion in allen Fahrsituationen zu liefern.

Bisher ist ?koda bei alternativen Antrieben abseits von Erdgasmodellen nicht sonderlich aufgefallen — was wird sich ändern?

Maier: Wir investieren in den kommenden fünf Jahren rund zwei Milliarden Euro in Elektromobilität und mobile Services. Es ist das größte Investitionsprogramm in der Geschichte von ?koda. Alleine bis Ende 2020 werden wir 19 Produktneuheiten auf den Markt bringen, fünf davon sind elektrifizierte Fahrzeuge. Eines davon wird die Serienversion des Vision X. Und bis 2025 bringen wir zehn elektrifizierte Fahrzeuge. Klar ist aber auch: Selbst dann werden — wenn die Experten Recht haben — noch 75 % der weltweiten Fahrzeugflotte konventionell angetrieben sein. Eine sinnvolle Alternative zur effektiven CO2-Reduzierung bei Verbrennungsmotoren sind daher CNG-Antriebe, mit denen wir beim Octavia und Citigo heute schon hervorragende Erfahrungen machen. In einigen Märkten gibt es bereits eine recht gut funktionierende Infrastruktur und diese wird europaweit immer besser.

Wird der Vision X auch konventionelle Motoren haben?

Maier: Er wird auch konventionelle Motoren haben.

Auch mit Allradtechnik?

Maier: Nein. Bei reinen Verbrennungsmotoren wird es ein Frontantrieb sein. Das ist in diesem Segment State of the Art.

Das heißt, der Vision X wird anfangs nicht mit dem CNG-Antrieb kommen?

Maier: Wir werden für dieses Fahrzeug einen CNG-Antrieb anbieten, auch bei der Mildhybridlösung sind wir schon ziemlich weit. Die Idee der elektrischen Hinterachse ist bei ?koda entstanden. Die Technologie wird zu einem Teil von Volkswagen, zu einem Teil von uns entwickelt. Wir testen hier auf dem Genfer Automobilsalon das Feedback und evaluieren eine mögliche Umsetzung in absehbarer Zukunft.

Das würde auch für andere Baureihen gelten?

Maier: Das gilt auch für andere Baureihen. Denkbar ist, dass wir diesen Antrieb anfangs nicht im Vision X, sondern in einem anderen Segment anbieten.

?koda überarbeitet den Fabia, verwendet aber im Gegensatz zum Polo und zum Ibiza die alte Plattform — warum?

Maier: Die aktuelle Generation des Fabia wurde vor dreieinhalb Jahren eingeführt. Es ist üblich, dass wir dann eine Modellüberarbeitung vornehmen und das Fahrzeug mit der neuesten Technik ausstatten. Wir haben bei der Sicherheitsausstattung nachgelegt und ihn mit zahlreichen Simply-Clever-Features ausgestattet. Technologisch muss sich der Fabia im Wettbewerb nicht verstecken. Darüber hinaus haben wir mit dem Fabia Combi ein Alleinstellungsmerkmal am Markt. Der Auftragseingang ist sehr gut.

Dem Diesel, den es für den Fabia nicht mehr gibt, weinen Sie nach?

Maier: Wir halten den Diesel für einen zukunftsweisenden Antrieb, vor allem bei größeren Fahrzeugen. Wir wissen allerdings auch, dass die Abgasnachbehandlung nach den neuen EU-Normen teurer wird, und verzichten deshalb auf den Einsatz von Dieselmotoren für unsere Einstiegsmodelle aus wirtschaftlichen Gründen — zumal die Dieseleinbauraten eher unterdurchschnittlich waren und unsere Kunden zu unseren sehr sparsamen, leistungsfähigen Dreizylinder-Turbobenzinmotoren tendieren.

Beim Erdgasantrieb gibt es noch viel Skepsis — was müssen Sie tun, um das Kundeninteresse zu steigern?

Maier: Wer einmal erlebt hat, dass es zwischen Benzin- und Erdgasantrieb keinen spürbaren Unterschied gibt und der Tankvorgang wirklich einfach und bequem ist, der wird sehr schnell offen für diese Technologie. Ein weiteres, wichtiges Argument: Mit einem CNG-Antrieb leistet jeder Nutzer einen wesentlichen Beitrag zur Reduktion des CO2-Ausstoßes. Zudem entsteht beim CNG-Betrieb nahezu kein Feinstaub. Allein das spricht doch schon sehr für diese Technologie. Wir arbeiten intensiv daran, die Beliebtheit dieser Antriebsart zu erhöhen, indem wir die passenden Produkte liefern.

Über einen Rapid-Nachfolger haben Sie entschieden?

Maier: Ja, da gibt es schon eine Entscheidung.

Was passiert mit dem Citigo?

Maier: Der wird bereits Ende nächsten Jahres als reines E-Auto auf den Markt kommen — mit einer Reichweite von über 300 Kilometern. Wir haben damit in diesem Segment dann ein sehr wettbewerbsfähiges Produkt.

Bremst der VW-Konzern ?koda aus, aus dem Grund, die Tochtermarke könnte davongaloppieren?

Maier: Das ist nicht der Fall. Wir sind ein starker Mehrmarken-Konzern. Manche Segmente bedienen wir mit mehreren Marken. Dass es gewisse Überschneidungen gibt, liegt in der Natur der Sache. Entscheidend ist, dass alle Marken zusammen den Marktanteil des Konzerns deutlich ausweiten. Der Wettbewerb findet außerhalb des Konzerns statt, nicht innerhalb. Und wir limitieren uns nicht selbst. Jede Marke hat eine klare Ausrichtung. ?koda steht für „smart understatement", ein gutes Preis-Wert-Verhältnis und seit einigen Jahren auch für ein expressives, einzigartiges Design. Das kommt am Markt gut an, diesen Kurs setzen wir fort.

Das Interview führte Markus Höscheler