Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 04.03.2018


Motor News

Dreifach zackig auf Eis

Maserati hat den Quattroporte technisch verfeinert. Als Q4 tanzte er gemeinsam mit dem Levante und dem Ghibli elegant durch die Berge.

© HerstellerDer Maserati Quattroporte gilt nicht nur als ultimative Luxus-Sportlimousine, sondern dank Allrad im Winter auch als echter Schneekönig.



Von Beatrix Keckeis-Hiller

Courmayeur – Das Herz der Marke Maserati ist zweifelsohne der Quattroporte. Er hatte in seiner ersten Generation – ab 1963 – den Begriff der Sportlimousine neu definiert, als damals schnellster Viersitzer seiner Art. Der Viertürer – wofür seine Typenbezeichnung steht – mit 260 PS starkem 4,2-Liter-V8 war 230 km/h schnell.

In der darauf folgenden wechselvollen Marken- und Modellgeschichte blieb der Quattroporte stets eine Konstante, die mittlerweile in sechster Generation fortbesteht. 2013 wurde er komplett neu gemacht. 2016 setzte es ein Facelift. Mit dem Einstieg ins Modelljahr 2018 addierte Maserati, wie auf der IAA in Frankfurt im Herbst präsentiert, eine technische Überarbeitung und Aktualisierung. Das brachte dem 5,262 Meter langen Dreizack-Flaggschiff – neben einer Leistungsstärkung der V6-Benziner-Version um 20 PS – eine neue Lenkung ein. Die ist nunmehr elektrisch und auf Feinfühligkeit sowie direkte(-re) Rückmeldung dressiert. Zur Demonstration deren Präzision trat der Viertür-Sportler in der Allrad-getriebenen S Q4-Variante an, mit 430 PS (und 580 Nm) aus dem 3,0-l-V6-Biturbo in Kombination mit achtstufiger Automatik. Das Terrain: einerseits die zum Teil tief winterlich verschneiten und vereisten Kurvenstraßen im Aostatal, Italien, zwischen Courmayeur und Cervinia, andererseits die Eiskart-Strecke in zweitgenannter Wintersport-Metropole.

Ob auf gerollsplittetem, gesalzenem, schneeigem oder eisigem, sehr selten sauber-trockenem Untergrund: Der Quattroporte tänzelt trotz seiner nicht unstolzen Dimensionen und seiner zwei Tonnen Gewicht agil, leichtfüßig und sportlich durch die Berge, Holprigkeiten immer noch komfortabel abfedernd, dabei fein gegen Außengeräusche gedämmt, doch stets bereit, die typische Maserati-Musik aus den Endtöpfen zu liefern. Hilfreich dabei: in den zahlreichen, teils sehr düsteren Tunneln die neuen, adaptiven Voll-LED-Scheinwerfer und das um IVC (Integrated Vehicle Control) erweiterte ESP, ein vorausschauend über Bremseingriffe agierendes Stabilisierungs-System. Komplettiert – und abschaltbar – ist die Fahrhelfer-Elektronik um Autobahnassistent und Verkehrszeichen-Erkennung (die teils zur Unterhaltung das ihre beiträgt).

Assistiert haben dem Quattroporte zwei seiner aktuellen Dreizack-Brüder: der Ghibli und der Levante, jeweils ebenfalls in den S Q4-Versionen. Im Vergleich zum Flaggschiff wirkt Ersterer fast hemdsärmelig, was Federung und Lenkung betrifft. In puncto Traktion aber gibt er sich keinerlei Blöße, auf welcher Fahrbahnbeschaffenheit auch immer. Und mit dem Levante beweist Maserati, dass es die kleinen Exklusiv-Schmieden verstehen, charakteristische Eigen-Interpretation des Themas SUV zu kreieren: Der hochbeinige Italiener ist auf der sportlichen Seite angesiedelt und kann mit Schnee und Eis überzeugend umgehen. Sei es, um touché-frei unwegsame Wege zu befahren, sei es, um elegant im Kreis zu driften.

Der Quattroporte kostet ab 115.000 Euro (Diesel, 275 PS). Für den S Q4 (Benziner, 430 PS) muss man mit ab 144.590 Euro kalkulieren. Der serienmäßig allradgetriebene Levante kostet ab 87.940 Euro (Diesel, 275 PS), der Ghibli kommt als S Q4 (Benziner, 430 PS) auf ab 111.260 Euro.




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