Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 17.03.2018


Motor News

Einmal Krise und zurück

Die Volkswagen AG legt für 2017 als Konzern eine überraschend strahlende Bilanz vor und schüttet saftige Dividenden für die Aktionäre aus.

© WerkMatthias Müller, Vorstandschef der Volkswagen AG, hat 2017 ein in dieser Höhe nicht von allen erwartetes Bilderbuchergebnis.



Von Stefan Pabeschitz

Berlin – Tierversuche, Abgas-Problematik, Fahrverbote – das Demonstranten-Grüppchen vor dem Berliner Drive-Forum, wo die Volkswagen AG am Dienstag ihre Bilanzzahlen präsentierte, erinnert daran, dass es im Fahrwasser des Konzerns durchaus noch Turbulenzen gibt. Die mediale Aufmerksamkeit, die diese weitläufig genießen, schlagen sich in der wirtschaftlichen Realität aber nicht nieder: Mit insgesamt 10,7 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen der acht Pkw- und drei Lkw-Marken, somit einem Plus von 4,3 Prozent, war die Volkswagen-Gruppe 2017 ein weiteres Mal die weltweite Nummer eins der Autohersteller. Dabei sei ihm persönlich der Stückzahlen-Spitzenplatz „herzlich wurscht“, sagt Vorstandschef Matthias Müller – dass auch alle Unternehmenskennzahlen nach oben weisen, ist für ihn der deutlich wichtigere Gradmesser: Der Umsatz stieg gegenüber 2016 um 6,2 Prozent auf 230,7 Milliarden Euro, der operative Gewinn hat sich mit 13,8 Milliarden Euro in etwa verdoppelt, der Jahresüberschuss nach Steuern ist mit einem Sprung von 5,4 auf 11,6 Milliarden sogar noch stärker gestiegen. Ausgerechnet ein Trump’sches Wahlzuckerl schlägt sich dabei positiv nieder: Etwa eine Milliarde hat die äußerst unternehmensfreundliche US-Steuerreform hier beigesteuert.

Das ohnehin ausgezeichnete Ergebnis wäre sogar noch beeindruckender, wären da nicht die gewaltigen Beträge, die Müller und sein Finanzvorstand Frank Witter diskret als „Abflüsse aufgrund der Dieselthematik“ bezeichnen: 3,2 Milliarden wurden 2017 für Rückruf-Aktionen und Software-Updates, Eintauschprämien sowie gerichtliche Vergleiche aufgewendet. 2018 wird, so die Hoffnung der Konzernführung, das letzte Jahr sein, in dem dieser Posten in ihrer Bilanz aufscheint.

Auch 2017 war wieder nichts so rentabel, wie Sportwagen zu bauen: Mit 18,5 Prozent Rendite hat die Marke Porsche noch einmal um ein halbes Prozent zugelegt und erwirtschaftete damit eine beinahe doppelt so hohe Marge wie Skoda als zweitbeste Konzernschwester, die dabei im vergangenen Jahr erstmals Audi überholen konnte.

Für die Stammaktionäre schlagen sich diese Zahlen mit einer Dividende von 3,90 Euro je Anteilsschein nieder – 1,90 Euro mehr als 2016 und nur noch 90 Cent unter der Rekordausschüttung von 2014. Vorzugsaktien ohne Stimmrecht erhalten 6 Cent mehr.

Für die Zukunft gibt sich Vorstandschef Müller optimistisch: „Wir sind wieder in der Offensive und werden es bleiben.“ Damit das klappt, werden in den nächsten fünf Jahren über 34 Milliarden in die Zukunftsthemen Elektromobilität, Digitalisierung, autonomes Fahren und Mobilitätsdienste investiert. 90 Milliarden fließen in die Erneuerung und Modernisierung der konventionellen Antriebe, die Müller pragmatisch „noch auf Jahrzehnte als Teil der Lösung und nicht des Problems“ sieht.

Als eine der maßgeblichen Aufgaben für die Zukunft sieht er die Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen den Marken. Was de facto die weitere Ausreizung der Plattform-Strategie bedeutet, die auf der anderen Seite allerdings schon heute einen Mangel an Alleinstellungsmerkmalen verursacht. Junge, günstigere Marken, wie Skoda oder Seat, profitieren vom Technologie-Transfer derzeit merkbar, während es für die teureren, etablierten wie VW oder Audi dadurch immer schwieriger wird, ihren Preislevel zu rechtfertigen.

Für 2018 erwartet der Konzernvorstand eine moderate Steigerung bei den Stückzahlen sowie eine Erhöhung des Umsatzes um die fünf Prozent, also auf etwa 242 Milliarden Euro insgesamt. Für das operative Ergebnis peilt Müller zirka 17 Milliarden an – in etwa gleich viel, wie es 2017 ohne den Abzug der Diesel-Kosten betragen hätte.




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