Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 24.03.2018


Aus der Branche

Porsche befindet sich weiter auf Rekordfahrt

Neue Bestwerte bei Absatz, Umsatz und Gewinn.

© WerkDer Mission E kommt 2019. Die passenden, hochmodernen Produktions­hallen werden derzeit in Zuffenhausen errichtet.



Von Johannes Posch

Stuttgart – Oliver Blume und Lutz Meschke waren bester Laune, als sie kürzlich zur Präsentation der Vorjahresergebnisse von Porsche vor die Presse traten. 2017 war ein durch die Bank tolles Jahr für die Zuffenhausener: Der millionste 911er lief vom Band, der neue Cayenne wurde eingeführt, Porsche Design akquiriert und in Sachen Motorsport der WEC-Hattrick vollgemacht.

Vor allem aber konnte Porsche zum siebten Mal in Folge ein neues Rekordergebnis abliefern. 246.375 ausgelieferte Autos bedeuten ein Plus von 4 % zum Vorjahr und sorgten für einen Umsatz von 23,49 Milliarden Euro (+5 %). Stärkster Einzelmarkt war China. Dort wurden mit 71.508 Fahrzeugen nicht nur mehr Porsche als sonst wo auf der Welt verkauft, auch die Zuwachsrate war mit zehn Prozent am höchsten. Am anderen Ende der Skala: ausgerechnet der Heimmarkt Deutschland. Hier gingen die Verkaufszahlen um drei Prozent zurück, während sie in Europa insgesamt um zwei Prozent gestiegen sind.

Ein operatives Ergebnis von 4,14 Milliarden Euro (+7 %), eine operative Umsatzrendite von 17,6 Prozent (+0,2 % zum Vorjahr), eine Eigenkapitalquote von 43 Prozent, die Kapitalrendite von 28 Prozent und die Nettoliquidität aus dem Fahrzeuggeschäft von 2,2 Milliarden Euro belegen darüber hinaus den überaus soliden Stand der Sport­wagenbauer.

Gleichzeitig wurden schon im großen Stil die Weichen Richtung Zukunft gestellt. Die Investitionen in Forschung und Entwicklung wurden 2017 um fünf Prozent auf 2,3 Milliarden Euro angehoben, die Sachinvestitionen um 19 Prozent auf 1,7 Milliarden aufgestockt und auch beim größten Brocken – dem Personalaufwand – wurde um elf Prozent mehr Geld in die Hand genommen: 3,2 Milliarden Euro. Das schlägt sich auch in den Mitarbeiterzahlen nieder: 29.777 Menschen gehören aktuell zur Porsche-Familie. Acht Prozent mehr als im Vorjahr und ebenfalls so viel­e wie nie zuvor.

Und es sollen künftig noch deutlich mehr werden. Für die bis 2022 anstehenden Investitionen allein die E-Mobilität wurden 6 Milliarden Euro eingeplant. Die sichtbare Speerspitze dieses Vorstoßes wird hierbei der Mission E sein, der End­e 2019 auf den Markt kommen soll. Just für ihn wird bereits jetzt umfangreich in Zuffenhausen um- und zugebaut, wobei allein durch die neue Mission E-Produktion 1000 neue Arbeitsplätze entstehen sollen. Und das trotz steigender Automatisierung und somit Effizienz in der Produktion.

Gleichzeitig wird vor allem in den Departments fleißig zugelegt, die in der digitalen Welt zuhause sind. Über eigene Man­power sowie Kooperationen mit Start-ups sollen die digitalen Dienste von Porsche immer stärker ausgebaut werden. Meschke selbst rechnet hier bereits in absehbarer Zeit damit, dass die daraus lukrierten Einnahmen rund zehn Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen könnten.

Dennoch gibt sich der Finanzchef für seine Schätzungen zu 2018 – dem 70. Jubiläumsjahr der Marke – zurückhaltend. Man hofft, das gute Auslieferungs- und Umsatzniveau von 2017 halten zu können. Dennoch ist es durchaus möglich, dass die Ergebnisse durch negativ wirkende Währungserträge zurückgehen könnten. Zudem stellen aktuelle Spannungen wie der Brexit und die Drohungen der Trump-Administration potenziell gefährliche Variablen dar. Auch das Diesel-Thema, wenngleich die Selbstzünder bei Porsche nur einen Anteil von 14 Prozent ausmachen, wird 2018 noch eine Rolle spielen.

Die Männer am Steuer der Erfolge in Serie einfahrenden Sportwagenmarke: Oliver Blume (l.) und Lutz Meschke.
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