Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 24.03.2018


Aus der Branche

BMW gewinnt und muss hinterherfahren

Viele Rekorde machen den Hersteller nicht glücklich genug.

© HöschelerMit der Bilanz 2017 sind Harald Krüger und Finanzvorstand Nicolas Peter zufrieden.



Von Markus Höscheler

München – Im vergangenen Jahr traf der ungebetene Besuch den Lokalrivalen Audi, heuer war die BMW Group der unfreiwillige Gastgeber: Den unerwünschten Besuch schickte die Staatsanwaltschaft vorbei, die den Verdacht hegt, BMW könnte wie der VW-Konzern (einschließlich Audi) eine verbotene Software zur Abgasmanipulation bei Dieselmotoren einsetzen. Ginge es allein um Öffentlichkeitswirksamkeit, dann hat die Obrigkeit einen großen Erfolg erzielt. Der Einsatz in München (und auch im Werk Steyr in Oberösterreich) fand reichlich Widerhall in den Tagesmedien, selbst bei der Bilanzpressekonferenz in dieser Woche nahm der Konzernsprecher Stellung zur Razzia und verwies auf eine unbeabsichtigte Verwechslung bei der Software.

Etwa 11.000 Modelle (5er und 7er der Kernmarke BMW) mit Dieselmotor seien von der fehlerhaften Software betroffen – eigentlich ein Klacks angesichts der Rekordwerte, die die BMW Group im Vorjahr erzielte: Erstens gelang es dem Konzern, im Berichtsjahr 2,46 Millionen Fahrzeuge der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce weltweit abzusetzen, ein Plus von 4,1 Prozent gegenüber dem Jahr 2016. „Mit unserem Konzern sind wir seit 14 Jahren die klare Nummer eins im Premium-Segment“, schlussfolgerte Vorstandsvorsitzender Harald Krüger.

Zudem gab es bei den Motorrädern ein sattes Plus von 13,2 Prozent, die BMW Group verkaufte damit weltweit 164.153 Einheiten. Einschließlich lukrativer Finanzgeschäfte gelang es der BMW Group im Vorjahr, einen Umsatz von 98,68 Milliarden Euro (plus 4,8 Prozent) zu erzielen, dabei einen Gewinn nach Steuern von 8,7 Milliarden Euro (plus 26 Prozent) zu erwirtschaften. So viel Geld verdiente der süddeutsche Autobauer noch nie.

Und doch schmerzt offenbar zweierlei: Einerseits macht der Konkurrent Daimler mit der Marke Mercedes-Benz mächtig Dampf, liegt im direkten Wettbewerb mit der BMW-Hauptmarke sogar im Vorteil. Andererseits befinden sich die Münchner wie viele andere Hersteller inmitten eines Umbruchs, angetrieben von einer zunehmenden Elektrisierung, Digitalisierung, Vernetzung und dem Zukunftsthema autonomes Fahren. „Wir sind jetzt in Phase II der größten Modelloffensive unserer Geschichte“, sagte Krüger dazu. „Heuer bringen wir zwanzig neue und überarbeitete Modelle auf den Markt.“ Was Krüger nicht sagt: Die ganz großen Volumenmodelle sind hier nicht dabei, stattdessen geht es mehr ums Besetzen von Nischen. Hier erhofft sich das BMW-Management einiges von der neuen 8er-Reihe, vom Riesen-SUV X7 und von der zweiten Generation des mittelgroßen SUV-Coupés X4 sowie vom soeben gestarteten X2.

Immerhin: Krüger und seine Mitstreiter blicken nicht nur aufs heurige Jahr, sondern versuchen mit der Strategie Number One Next zu skizzieren, wohin die Reise bis zum Jahr 2025 geht. Und hier sind es vor allem die alternativen Antriebe, die den Weg vorgeben. Innerhalb von sieben Jahren will die BMW Group 25 elektrifizierte Modelle auf den Markt bringen, knapp die Hälfte davon sind reine Stromer. Darunter befindet sich auch der auf dem Genfer Autosalon erwähnte i4 (Serienableitung des Concept Cars Vision Dynamics), der künftig im Werk München gefertigt werden soll. Mit der nächsten Generation der Batterietechnologie, die laut BMW ab 2021 zur Verfügung stehen wird, sollen Reichweiten von 700 Kilometern möglich sein.

Der i Vision Dynamics wird mit dem i4 eine Serienableitung erhalten, konzipiert als reines Elektroauto.
- Höscheler