Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 19.05.2018


Motor News

Ein Sommer wie damals

Fiat betreibt mit dem Cinquecento konsequent modisch inspirierte Modell-Pflege. Die neueste Design-Edition „Collezione“ spielt mit Pastell-Farben.

© WerkFiat 500 Collezione: Pastellige Farben garniert mit reichlich Chrom gibt’s für den geschlossenen und den aufmachbaren Cinquecento.



Von Beatrix Keckeis-Hiller

Berlin – 61 Jahre ist es her, dass ein winziges Auto sich aus Italien aufmachte, die Kleinstwagen-Welt zu erobern. Der 500er, Nachfolger des Topolino, hat im Vorjahr seinen 60. Geburtstag gefeiert. Ungeachtet der Zwischenspiele: Der Ur-Cinquecento war 1975 ausgelaufen, kehrte in weniger putzigem Styling sowie geändertem Antriebskonzept wieder und legte ab 1998 eine Pause ein. Die endete 2007 mit der Neuauflage, einer Retro-Interpretation des Fünfhunderters, die genau zum 50-Jahr-Jubiläum des Ahnen lanciert wurde.

Die Wiedergeburt ist, obwohl deutlich größer dimensioniert – rund 3,5 statt knapp drei Meter Länge –, bei unveränderter Viersitzigkeit, gelungen, hat sich in eine Reihe von Derivaten, auch unter dem Zeichen des Skorpions – Abarth – verzweigt.

Fiat hält den Cinquecento frisch, mit optischen Modifikationen und technischen Updates der beiden Basis-Versionen des Dreitürers: der verlöteten und der aufmachbaren, der Cabrio-Variante mit textilem Roll-Faltdach. Korpulenter ist er dabei nicht geworden, und die Italiener haben ihn zum Mode-Statement hochstilisiert, in Kooperation mit Mode-Labels kooperiert, siehe Gucci, siehe Diesel, auch mit einer Boot-Marke – „Riva“ –. Für das 60-Jahr-Jubiläum haben sie eine „Anniversario“-Edition kreiert.

Diese Strategie setzt Fiat weiter fort, mit der bisher dreißigsten Sonder-Edition. Die neue Interpretation heißt „Collezione“ und offeriert eine erweiterte Serien-Mitgift, wozu unter anderem 16-Zoll-Aluräder gehören. Farblich setzt man auf pastellige Zweiton-Lackierungen (es gibt aber auch kräftiges Rot und tiefes Blau) samt reichlich Chrom-Garnierung im Retro-Stil.

Das Interieur ist hell gehalten, mit viel elfenbeintönigem Weiß und hellem Grau. Das wirkt optisch wie ein nostalgisches Gelato-Standl und erweckt Reminiszenen, nicht nur an den Ur-Cinquecento (der oft beige dahergekommen ist), auch an die Sommer wie damals, in den 1960ern und 1970ern – wie erfahren auf einer Sightseeing-Tour durchs Zentrum der deutschen Bundeshauptstadt. Selbstverständlich im Cabrio, mit geöffnetem Verdeck, also einer kräftigen Prise der berühmten Berliner Brise, pardon Luft.

Gar nicht retro und nostalgisch ist die Technik. Die „Collezione“-Edition ändert nichts an den Motorisierungen: 1,2-Liter-Vierzylinder- und 0,9-Liter-Zweizylinder-Benziner sowie 1,3-Liter-Diesel im Leistungsbereich zwischen 69 und 105 PS. Dem unvermeidlichen Thema Konnektivität trägt Fiat anhand eines Infotainment-Systems Rechnung (Fünf-Zoll-Monitor ist im „Collezione“ Serie).

Darüber hinaus sind so gut wie alle Optionen, die das Aufpreisprogramm für den 500er offeriert, auch für die neue Mode-Edition zu haben, ob das nun ein erweitertes Unterhaltungssystem oder eine kraftvolle Soundanlage ist.

Preise: ab 16.100 Euro für den Verlöteten, ab 18.900 Euro für den Aufmachbaren. Bei den Händlern sind die „Collezioni“ bereits eingelangt.

Produktionsrekord für Cinquecento

Es dauert noch ein paar Tage, bis Sergio Marchionne den neuen Fünfjahresplan für Fiat Chrysler Automobiles (FCA) vorstellen wird — dann dürften sich auch einige Gewissheiten über die künftige Modellpolitik der Kernmarke Fiat abzeichnen. Ein Glücksfall für die US-Italiener ist auf alle Fälle die im vorigen Jahrzehnt bewirkte Wiederbelebung des Cinquecento: Als technische Basis schnappte sich Fiat einfach den alten Panda, versah ihn aber mit aufwändig gestaltetem Retro-orientiertem Exterieur- und Interieur-Design. Die Entscheidung war goldrichtig, wie ein aktuell erzielter Produktionsrekord aufs Neue belegt: Im polnischen Werk Tichy lief das zweimillionste Exemplar des Kleinstwagens vom Werk, in diesem Fall war es ein 500C Collezione. Die FCA-Belegschaft samt Management freut sich aber nicht nur über diesen Meilenstein, sondern auch über die ungewöhnliche Entwicklung bei den Verkäufen. Obwohl der Cinquecento bereits seit elf Jahren produziert wird, gab es mit knapp 60.000 verkauften Einheiten im ersten Quartal 2018 das beste Ergebnis in der Geschichte dieser Baureihe. Ein wichtiger Treiber dahinter ist das stetige Angebot von Sondermodellen — der Hersteller blickt bis jetzt auf 30 Limited-Edition-Varianten zurück, darunter befindet sich die erwähnte Spielart Collezione. (hösch)




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