Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 09.06.2018


Motor News

Audi: Vier Ringe glänzen im Reich der Mitte

Audi ist seit 30 Jahren erfolgreich in China vertreten – nun will die Marke die E-Mobilität dort vorantreiben.

© WerkGroßer elektrischer Hoffnungsträger von Audi ist der e-tron (hier noch als Prototyp).



Shenzhen – Dass in China die Uhren seit jeher anders gehen, ist bekannt. Doch was sich aktuell im Reich der Mitte abspielt, sprengt kühnste Vorstellungen. Die Wirtschaft geht gerade durch die Decke, Start-ups schießen wie Pilze aus dem Boden und täglich beschert der Wirtschaftsboom dem Riesenreich 300 (!) neue Millionäre. Und die Motorisierung explodiert förmlich. 30 Millionen Autos werden pro Jahr gekauft, davon zehn Prozent im Premium-Segment.

Audi spielt in dieser Entwicklung ganz vorne mit. Seit 30 Jahren ist die Marke in China vertreten und Marktführer im Premium-Segment. Wobei der A6 der Topseller in China ist. Kaum zu glauben: In Europa ist der A6-Käufer im Schnitt 58,5 Jahre alt, in China 36,5. Allein in den ersten vier Monaten des Jahres hat Audi 270.000 Modelle in China abgesetzt, um 30 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Aber Audi verkauft in China nicht nur Autos, sondern ist auch in der Forschung und Entwicklung breit aufgestellt und arbeitet mit Hightech-Unternehmen, wie beispielsweise Huawei, eng zusammen. In sechs Audi-R&D-Zentren sind 280 Mitarbeiter aus 20 Nationen beschäftigt. Jährlich werden 10.000 Gespräche geführt, bei denen Kundenwünsche und Erwartungen hinterfragt werden.

Aktuell liegt die große Herausforderung in der Elektromobilität. „China ist hier die treibende Kraft, wir haben die Herausforderung angenommen und werden in den nächsten Jahren mehrere neue Hybridmodelle und rein elektrisch betriebene Modelle auf den Markt bringen“, umriss Audi-Chef Rupert Stadler beim „Audi-Summit 2018“ in Shenzhen die Marschrichtung. Schon jetzt boomen die Stromer. 121.000 Elektroautos wurden in China von Jänner bis April abgesetzt, um 184 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Bis 2025 sollen 800.000 elektrifizierte Autos mit den vier Ringen auf den chinesischen Straßen unterwegs sein. Die begleitende Infrastruktur wächst analog dazu. Allein in Peking gibt es bereits 20.800 Ladestationen, in Shenzhen sind es 16.900. Für das Riesenreich ein Gebot der Stunde, denn die Umwelt würde eine derartige Verkehrsexplosion von mit fossilen Brennstoffen betriebenen Autos, vor allem in den Ballungszentren, nicht verkraften. Ansonsten muss dem Europäer der chinesische Autokäufer leid tun. Ein Audi A6 kostet dort umgerechnet in etwa 40.000 Euro, für die Zulassung sind rund 15.000 Euro fällig. (ws)




Kommentieren


Schlagworte