Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 16.06.2018


Motor News

Die Marke Opel erfindet sich neu

Die Rüsselsheimer wollen unter PSA-Führung nicht nur weitgehend eigenständig bleiben, sondern auch Entwicklungskompetenzen für den Konzern erhalten.

© WerkSeit wenigen Monaten ist Michael Lohscheller Chief Executive Officer bei Opel, er folgte Karl-Thomas Neumann nach.



Von Franz Farkas

Rüsselsheim – Ab 1929 war Opel/Vauxhall ein Teil von General Motors (GM), seit dem vorigen Jahr gehört es zum französischen Groupe-PSA-Konzern, der die Marken Peugeot, Citroën und DS umfasst. Viele Insider befürchteten zunächst, die deutsche Marke könnte im französischen Unternehmen untergehen, doch es soll anders kommen. „Wir sind Paris jetzt bereits näher, als wir es Detroit jemals waren“, betont Opel-CEO Michael Lohscheller auf dem so genannten Tec-Day in Rüsselsheim im Entwicklungscenter der Marke. Im Klartext bedeutet dies, dass alle Opel- beziehungsweise Vauxhall-Fahrzeuge auch weiterhin in Deutschland entwickelt werden sollen; und der markenspezifische Charakter bleibt erhalten.

Weiters erhält Opel von Groupe PSA 15 Kompetenzzentren zugesprochen, von der Sitzentwicklung bis hin zur Elektro- und Brennstoffzellenentwicklung. Zudem wird man in Zukunft für die leichten Nutzfahrzeuge der kompletten PSA-Gruppe verantwortlich sein, der neue Opel Combo ist schon das erste Ergebnis. Auch ein neuer 1,6-Liter-Benzinmotor, der in allen Marken der Gruppe zum Einsatz kommen wird, soll hier entwickelt werden. Und zuletzt wird auch ein neues Sechsgang-Schaltgetriebe inklusive Kupplung in Rüsselsheim entwickelt, gebaut wird es in Wien-Aspern und sichert damit den Fortbestand dieses österreichischen Werkes.

Der neue Combo, der im Herbst auf den Markt kommen wird, entsteht bereits auf der Plattform EMP2 – wie auch der Grandland X.
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Um so weit wie möglich effizient arbeiten zu können, sind natürlich auch umfangreiche Maßnahmen notwendig. So sollen alle künftigen Opel-Modelle nur noch auf zwei Plattformen anstatt auf deren neun setzen: CMP [Common Modular Platform] für Kleinfahrzeuge; EMP2 [Efficient Modular Platform] für die größeren Modelle. Der neue Corsa, der ab 2019 in Spanien (Saragossa) gebaut werden soll, basiert schon auf dieser Plattform, ebenfalls der schon bereits vorgestellte neue Combo/Combo Life und der Grandland X. Die Variabilität dieser beiden Plattformen erlaubt auch den Designern und Technikern wesentlich mehr Spielraum bei geringeren Entwicklungskosten. So konnte der neue Corsa um etwa 50 % billiger entwickelt werden als der Vorgänger und er wird auch 2020 ebenfalls auf dieser Plattform eine vollelektrische Version bekommen. Ohnehin will man die kompletten Opel-Baureihen bis 2024 komplett elektrifizieren, 2022 wird es bereits einen Grandland X als Plug.in Hybrid geben. Stützen kann sich Opel dabei auf die Erfahrungen mit zwei Generationen Ampera.

Daneben wird man aber auch die bestehenden Antriebe überarbeiten und den bestehenden und vor allem den kommenden Abgasnormen anpassen, dazu zählen natürlich auch die Dieselmotoren.

Ein weiterer Aufgabenbereich, den Opel für den PSA-Konzern übernehmen wird, ist die Vorantreibung der automatisierten Tests. So konnte der letzte Motor bereits weitgehend digital, das heißt auf dem Computer getestet werden, bevor man die erste Hardware produzierte. Auch diese Maßnahmen steigern die Effizienz deutlich, wie man immer wieder betont. Zudem will man sich im PSA-Konzern auch der Erfahrungen von Opel auf dem US-Markt bedienen, als bisheriges GM-Mitglied ist man in Rüsselsheim bestens mit den amerikanischen Bestimmungen vertraut. Auch für Opel selbst gibt es einen großen Vorteil, Mitglied des PSA-Konzerns zu sein. Man bekommt nun Zugang zu den Märkten etwa in Nordafrika, die unter GM-Ägide verwehrt wurden.

Seit Jahren profitiert die Groupe PSA von der flexiblen Plattform EMP2, seit dem Vorjahr auch die Tochtermarke Opel.
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