Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 30.06.2018


Motor News

Komfortable Kuschel-Kutsche

Citroën erweitert das Konzept des Berlingo. Der Hochdach-Kombi ist in dritter Generation auch in einer bis zu siebensitzigen XL-Version orderbar.

© WerkDie dritte Generation des Citroën Berlingo hat sich technisch auf die Pkw-Seite verlagert – nach französisch interpretierter Kutschenmanier.



Von Beatrix Keckeis-Hiller

Paris – Begonnen hat der Berlingo als kompakte Kutsche; vom französischen Vokabel dafür – Berlingot – leitet sich sein Name ab. Angesichts seines Wachstums über die bisherigen zwei Generationen ist er über seine ursprüngliche Kompaktheit hinausgewachsen. Jetzt, am Start zu seiner dritten Auflage, erst recht, da er als Normal- und als Langversion mit der Option für sieben Sitze zu haben ist. Da erscheint es kaum noch glaubhaft, dass an seiner eigentlichen Wiege der 2CV-Kastenwagen von 1950 stand. Citroën aber setzt das Geburtsjahr der familiären Kutsche mit 1996 fest und reklamiert für sich, das Segment der Hochdach-Kombis erfunden zu haben. Dass es praktisch ist, auf kompakter Nutzfahrzeug-Basis eine Familienkutsche zu kreieren, hat seither nicht nur im eigenen Konzern so manche andere Marke auch gefunden. Ein Ansporn für die Doppelwinkler, dem bisher schon praktisch-komfortabel orientierten Konzept nochmals ein gehöriges Quantum Pkw-Haftigkeit draufzusetzen.

Deshalb geht man dieses Mal den umgekehrten Weg, vom Pkw zum Nützling. Der neue Berlingo basiert, wie der Space Tourer, auf der EMP2-Plattform, lediglich die technische Heckbasis hat er optimiert vom Vorgänger übernommen. Der Gewinn ist reichlich Raum für Passagiere und Gepäck, Letzteres kann in der 4,403 Meter langen Medium-Version 775 bis 3500 Liter Volumen haben. In der um 35 cm XL-Variante können es gar 1050 bis 4000 Liter sein. Möglich ist das durch Falten und teilweise Demontierbarkeit der Reihe zwei (und drei) sowie der Lehnen­umlege-Funktion des Beifahrersitzes. Einen Beitrag zur Innenraum-Üppigkeit leistet unter anderem die Verkürzung der höher als bisher gesetzten Motorhaube. Um den Kopf war es im Berlingo bisher nicht eng, jetzt noch weniger: Er ist 1,80 Meter hoch. Er hat die beiden seitlichen Schiebetüren behalten, die separat zu öffnende Heckscheibe und die Einzel-Bestuhlung im Fond. Damit muss man selbst bei voller Besetzung der Reihe zwei nicht mit dem Sitznachbarn kuscheln, kann das aber etwa mit einem großen Teddybär.

Der Raum-Großzügigkeit gegenüber steht ein knappes Motorenprogramm, durchwegs Euro 6d-TEMP-konform, mit dem 1,2-l-Dreizylinder-Turbobenziner und dem 1,5-l-Diesel. Der Otto kann 110 oder 130 PS haben, der Selbstzünder 100 oder 130 PS. Die kleinen Leistungsstufen gehen mit manuellem Handschaltgetriebe einher, die größeren mit achtstufiger Wandler­automatik. Gut verträgt sich das um eine Gangstufe erweiterte Getriebe mit dem 110-PS-Benziner, dasselbe kann über die Selbstschaltung mit dem 130-PS-Diesel gesagt werden. Bauartgemäß gereicht das nicht zum Gewinnen von Ampelstarts, das soll ja auch nicht sein, dass passt zum auf Komfort à la Kutsche ausgelegten Fahrwerkssetting. Seekrankheit muss man aber nicht befürchten, es ist vorstellbar, dass es im Fond gut auszuhalten ist. Agil und wendig für Stadt und enge Kurven ist der neue Berlingo auf alle Fälle.

Sicher, was das Eingesponnensein ins elektronische Netz betrifft, ebenfalls. Bis zu 19 Systeme können an Bord sein, die den Franzosen auf Spur halten, im Notfall bremsen, beim Abstandhalten kann man sich helfen lassen und beim Parken. Und stets vernetzt bleiben. Infotainment, Navigation via 8-Zoll-Display und Smartphone-Integration gehören im Berlingo III dazu. Allrad ist am Rande ein Thema, trotz des Optionsofferts für ein Traktionshilfe-System (GripControl). Man wird ihn mit dem 4x4-Nachrüstsystem von Dangel haben können.

Marktstart: Oktober. Preis: noch nicht bekannt.




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