Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 07.07.2018


Motor News

Steckdosen-Training

Mercedes übt noch fleißig mit dem elektrischen Kompakt-SUV EQC.

© WerkMercedes testet derzeit fast 200 Exemplare getarnter EQC.



Salzburg – Was das Konventionelle betrifft, kommt Mercedes voll in die Gänge. Das Jahr begann die Sternmarke fulminant mit neuen Generationen der G-Klasse und der A-Klasse, auch beim einstigen Coupé-Trendsetter CLS gab es einen Nachfolger. Zur Jahresmitte gibt es eine sorgfältig überarbeitete C-Klasse, im Herbst dürfen wir uns auch noch neue GLE- und B-Klassen ansehen, und zwar im Serientrimm. So weit lassen es die Schwaben noch nicht gedeihen, wenn es um neue Elektrofahrzeuge geht. Den Smart EQ finden wir zwar schon offiziell im Handel, die klassischen Mercedes-Ableger aber noch nicht. Die stecken noch in der Erprobungsphase, wie vom Hersteller veröffentlichte Bilder des getarnten EQC vor Kurzem zeigen. Man liege im Plan, heißt es von offizieller Seite.

Damit müssen die Stuttgarter in Kauf nehmen, dass manche Mitbewerber schneller am Markt sind. Jaguar hat den I-Pace praktisch schon lanciert, Audi bereitet sich für einen Herbststart des e-tron vor, wenngleich dieser derzeit von der Verhaftung von Vorstandsvorsitzendem Rupert Stadler überschattet wird. Weiters am Start sind der Kona Elektro und, mit etwas Verzögerung, der Niro EV. Und Mercedes? Die Marke befindet sich noch in der Testphase. Nach offiziellen Wintertests müssen sich die Elektrowagen des Herstellers derzeit in Spanien der Sommerhitze stellen. Die Techniker wollen wissen, wie sich der Akku in dieser herausfordernden Umgebung verhält, insbesondere im Zusammenhang mit einer Vollklimatisierung. Ebenfalls von Interesse für die Mercedes-Experten ist es, ob Staub Probleme bereiten kann. Mercedes, so viel wird klar, will den EQC keinesfalls schonen. Er muss im Winter bei minus 35 Grad ebenso funktionierten wie im Sommer bei 50 Grad Celsius.

Knapp 200 Fahrzeug­e – Proto­typen und Vorserienmodell­e – stehen mehreren hundert Fachleute­n zur Verfügung, um Stärken und Schwächen herauszufinden. Dabei verlassen sich die Verantwortlichen nicht nur auf praktische Tests, sondern auch auf aufwändige Simulationen am Computer. Es ist die Mischung aus Theorie und Praxis, der Mercedes offenbar vertraut. Und die Kunden? Die können zumindest darauf vertrauen, dass die zwei verbaute­n Elektromotoren mit kraftvollem Schub aufwarten können. Die Rede ist von 408 PS – damit schlösse der EQC sich der Liga aus I-Pace und e-tron an. (hösch)




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