Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 14.07.2018


Aus der Branche

Täglich fünfzehn frische Flundern aus der Normandie

Die neue Renault Alpine A110 wird im Hafen- und Fischerei-Ort Dieppe in Nordfrankreich gefertigt. Produktionssteigerung steht auf dem Programm.

© WerkAuf 400 Mitarbeiter aufgestockt hat Renault den Personalstand in Dieppe für die Fertigung der neuen Alpine.



Von Beatrix Keckeis-Hiller

Dieppe – Es gibt viele Gründe, in die Normandie zu reisen. Einer davon ist, abgesehen von Austern und anderen Mollusken sowie Calvados: Auto(s) schauen. Damit sind nicht bloß jene Edel-Gefährte, häufig Klassiker, gemeint, die durch die berühmten Seebäder von Deauville bis Le Touquet-Paris-Plage promenieren. Es gibt neuerdings auch neue. Die des Exklusiv-Labels Renault Alpine, das, wie 2016 angekündigt, wiederbelebt wurde – als moderne Hommage an die Berlinette A110, auch genannt „Le Turbot“, was für Heilbutt (oder auch Plattfisch) steht. Zoologisch zwar nicht ganz korrekt, aber optisch nahe liegend ist der Konnex zu Flundern, wie bodennah bauende Sportwagen gerne betitelt werden.

Von denen werden seit dem Vorjahr rund um Dieppe, zwischen Calais und Le Havre, vermehrt ganze Schwärme gesichtet. Der Hafen- und Fischerei-Ort am Ärmelkanal ist der Stammsitz der französischen Exklusiv-Marke Alpine, die – seit 1973 zu Renault gehörig – 1955 von Jean Rédélé gegründet wurde. Auf die 1960er-Jahre zurück geht die Kreation des bekanntesten Modells, der besagten A110. 1969 wurde begonnen, das damals neue – und noch heutige – Montagewerk zu errichten. Von hier kamen, nach dem Auslaufen der Marke im Jahr 1995, weiterhin sportliche Renault-Klein- und Sonderserien, unter anderem der Clio V6. Sein Nachfolger, der aktuelle Clio R.S., wird aktuell in Dieppe assembliert. Seite an Seite mit den neuen Alpines. In der Start-Version „Première Edition“ (auf 1995 Stück limitiert) hat die leichtgewichtige zweisitzige Mittelmotor-Französin mit ihren 252 Turbo-PS, wie berichtet, unlängst auf heimischem Boden ihr Fahrspaß-Versprechen eingelöst. Jetzt kommen die Varianten „Pure“ – für puristisch Veranlagte – und „Légende“ – für jene, die sich Alltags- und Grand-Tourisme-Komfort wünschen – dazu.

Allem Fleiß der Mitarbeiter zum Trotz: Alpine-Interessenten müssen derzeit mit einer Lieferfrist von über einem Jahr rechnen.
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Für die Alpine-Montage hat Renault den Personalstand auf 400 Mitarbeiter aufgestockt. Die werken, nach Absolvieren von 140 Stunden Training in der „Alpine-Schule“ nach Art einer Manufaktur, Hand in Hand mit etlichen, doch nicht mehr als nötigen Robotern. Zusammengeschraubt, -genietet und geklebt werden zu 95 Prozent aus Aluminium gefertigte Rohkarossen. Schritt für Schritt werden nebst den Antriebssträngen die Innereien eingefüllt und die Räder montiert. Aus rund 1400 Einzelteilen besteht die kleine Sportlerin. Diese stammen von 140 Zulieferern, regionalen und internationalen. Das Aluminium kommt aus Italien, die (Konzern-)Aggregate werden aus Korea (Busan) angeliefert. Es wird maschinell lackiert, sandgestrahlt und poliert – Metall- wie Kunststoffkomponenten – sowie kontrolliert. Im Finale geschieht Letzteres manuell (auch auf der hauseigenen Teststrecke). Das Geräuschniveau in den Hallen der vergleichsweise kompakten Industrieanlage bleibt dabei trotz emsigster Betriebsamkeit stets dezent.

Täglich rollen derzeit fünfzehn neue Flundern – Links- ebenso wie Rechtslenker – aus den Hallen der Anlage in Dieppe. Zu derzeit weltweit 57 Standorten. Das Partnernetz wird gerade weiter ausgebaut, von den Britischen Inseln bis Australien. Die Nachfrage ist groß. Kapazitätserhöhung steht auf dem Programm. Bis Jahresende soll die Produktion auf zwanzig Fahrzeuge pro Tag gesteigert sein. 30 Österreicher haben ihre Alpine bereits bekommen, knapp hundert weitere sollen sich bis Jahresende dazugesellen. Die Lieferfrist beträgt momentan vierzehn Monate, demnächst ein Jahr.

Täglich rollen derzeit fünfzehn neue Flundern – Links- ebenso wie Rechtslenker – aus den Hallen der Anlage in Dieppe.
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