Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 05.08.2018


Motor News

Der unscheinbare Riese reift heran

Honda hat den CR-V für den Generationswechsel bestens präpariert: Er wird noch praktischer und vielseitiger, er verzichtet auf den Dieselantrieb und er gewinnt an Ansehnlichkeit.

© Im Oktober strebt Honda die Einführung der fünften CR-V-Generation an, und zwar zu einem Einstiegspreis von 29.990 Euro.



Von Markus Höscheler

Jochberg – Der Vergleich wirkt zunächst befremdlich: Der in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres erzielte Marktanteil von Honda bei den Pkw-Neuzulassungen in Österreich beträgt eher magere 0,75 Prozent – andererseits kann sich die Marke rühmen, das „meistverkaufte SUV der Welt“ in seinem Portfolio zu führen. Seit der Vorstellung im Jahr 1995 hat Honda vom kompakten CR-V etwa 9,7 Millionen Stück verkauft – verteilt auf vier Generationen. Hier steht eine Ablöse bevor, bei uns im Oktober. Ihr wird es nicht nur gelingen, die Zehn-Millionen-Einheiten-Marke zu reißen, sondern auch mit mehr Reife die Kunden zu überzeugen. Dabei versuchte Honda, Gewohntes zu vermischen, nämlich den individuellen optischen Charakter des CR-V zu erhalten beziehungsweise zu optimieren, gleichzeitig den Nutzwert in jedweder Hinsicht zu erweitern.

Dabei scheuen die Japaner auch radikale Manöver nicht: Der neue CR-V muss ohne ein Dieselangebot auskommen. Für den Selbstzünder fanden die Honda-Strategen keinen Platz mehr, dafür kehren sie zu einer anderen vernachlässigten Tradition zurück: dem Hybridantrieb. Der ist fürs nächste Jahr angekündigt, vorerst wird sich der CR-V mit einem 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner begnügen müssen. Der lässt sich mit einem Sechsgang-Handschalter oder mit einem stufenlosen CVT-Getriebe kombinieren. Eine geglückte Wahl? Das fragen sich hier wohl manche.

Angesichts erster Probefahrten im Raum Kitzbühel und in Mittersill lässt sich aber rasch Entwarnung geben. Das Aggregat ist kräftig und harmonisch abgestimmt, die CVT-Einheit belässt dem Motor genügend Kraftreserven für gewünschte Sprints, etwa den Pass Thurn hinauf. Das Triebwerk wird bei höheren Drehzahlen lauter, aber nicht störend.

Dass dem Benziner nicht die Puste ausgeht, liegt auch an einem besonderen Kniff der Techniker. Ist der 4,6 Meter lange CR-V mit einer CVT-Automatik bestückt, dann ist der Vierzylinder automatisch auf 193 PS erstarkt und kann zwischen 2000 und 5000 Touren ein Drehmomentmaximum von 243 Newtonmetern stemmen. Mit einem Handschalter reduzieren sich die Werte auf 173 PS und 220 Nm (1900 bis 5000 Umin). 9,3 Sekunden vergehen, bis das Modell von null auf 100 km/h beschleunigt, bis zu 210 km/h sind möglich. Die Normverbräuche variieren, abhängig von der Kombination, zwischen 6,3 und 7,1 l/100 Kilometern, die CO2-Emissionen bewegen sich laut Datenblatt zwischen 143 und 162 g/km.

Innovativ war Honda bei einer weiteren Richtungsentscheidung: Der Hersteller votierte dafür, den CR-V auf Wunsch auch als Siebensitzer zu konfigurieren. Dabei profitiert Honda von seiner vielfach gerühmten Expertise im Falten und Verschieben von Rücksitzen – was auch im Kompakt-SUV zum Tragen kommt: Die zweite Sitzreihe lässt sich relativ bequem zusammenfalten und um bis zu 150 Millimeter verschieben, um den Zugang zu den zwei Sitzplätzen in der dritten Reihe zu erleichtern.

Egal, wo die Fahrgäste im neuen CR-V Platz nehmen – der Fahrkomfort befindet sich jedenfalls auf hohem Niveau, das technisch ausgefeilte Fahrwerk lässt sich auch im raschen Kurvenwechsel bei Berg-und-Tal-Fahrten nicht aus der Ruhe bringen, jedenfalls dann nicht, wenn der permanente Allradantrieb mit Lamellenkupplung an Bord ist. Gewöhnungsbedürftig ist hier allenfalls die synthetisch anmutende Lenkung.

Umso mehr erfreut die Gestaltung des Innenraums. Ein volldigitales Instrumentarium in Form eines sieben Zoll großen LCD-Farbdisplays. Zentral ist ein Touchscreen angebracht, darunter befinden sich Bedienelemente für die Klimaanlage. Bei höheren Ausstattungsniveaus gibt es ein ausfahrbares Head-up-Display, umfassend ist das Aufgebot an Fahrerassistenzsystemen unter dem Leitbegriff „Honda Sensing“. Respekt verdient, dass diese Technik bereits im Basismodell enthalten ist, ebenso wie die Klimaanlage – dennoch will Honda in Österreich einen Einstiegstarif von 29.990 Euro durchsetzen (für die fünfsitzige Variante mit Vorderradantrieb). Dafür gibt es unter anderem ein sehr großes Ladeabteil, das zwischen 561 und 1756 Liter offeriert.




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