Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 03.11.2018


Motor News

Sportler mit Manschettenknöpfen

BMW gibt wieder 8 – das neue 8er-Coupé macht dort weiter, wo der letzte große Gran Turismo der Bayern 1999 aufgehört hat.

© HerstellerAls wäre sie nie weggewesen: Nach 19 Jahren Karenz startet die neue Achter-Baureihe von BMW als M850i oder 840d.



Von Stefan Pabeschitz

Estoril – Es muss den BMW-Leuten schon recht in den Fingern gejuckt haben, endlich wieder in der Pkw-Königklasse aufzutrumpfen. Denn als genau die gilt das Segment der großen, starken GTs – Autos, die niemals wegen praktischer Überlegungen gekauft werden, sondern nur ihres Stils und der Fahrleistungen wegen. Die neunzehn Jahre, die BMW hier – Sechser-Coupé hin oder her – nicht vertreten war, sind eine lange Nachdenkpause. Inzwischen ist die letzte Achter-Baureihe mit der Werksbezeichnung E31, damals als etwas plumpes Dickschiff mit problematischer Motor-Thermik verschrien, schon zum geschätzten Sammlerstück gereift.

Mit der aktuellen Plattform-Varianz hat die Auferstehung nun schließlich doch ihr Zeitfenster gefunden – und durfte sich zum Ausgleich für die Karenzzeit mit beiden Händen im reichen Schatz der Münchener Technik-Arsenale bedienen: Alles was dort gut und teuer ist, hat der nun als Premieren-Modell der Baureihe präsentierte M850i an Bord: Achtzylinder-Twinturbo, Allradantrieb, Achtgang-Automatik, elektronisches Sperrdifferenzial, adaptives Sportfahrwerk, Vierrad-Lenkung und – man fährt ja auch mit dem Ohr – eine klappengesteuerte Auspuffanlage. Die Leistung in Zahlen gefasst: 530 PS und 750 Newtonmeter Drehmoment aus 4,4 Litern Hubraum.

Diese Power trifft auf etwa 1,9 Tonnen Leergewicht, die sie aus dem Stand in 3,7 Sekunden auf 100 km/h treibt. Mit dem Gewicht auf 4,84 Metern Außenlänge auf 2,82 Metern Radstand gestreckt ist Leichtfüßigkeit nicht unbedingt das primäre Fahrgefühl, dass der M850i vermittelt – dafür aber Souveränität. Der hecklastig ausgelegte Allradantrieb lässt auch im Komfortmodus wohl dosierte Kraftüberschüsse an den Hinterrädern zu, fängt sie aber auch mit völliger Selbstverständlichkeit wieder ein. In den Fahrprogrammen Sport und Sport+ passiert das dank des aggressiveren Ansprechens des Sperrdifferenzials etwas lässiger, aber dennoch immer angstfrei und ohne das Gefühl, schon den Grenzbereich touchiert zu haben. Der öffnet sich erst nach dem Abschalten der Stabilitäts-Helferlein – aber selbst dann reichen auch die mechanischen Qualitäten noch für ein unverschwitztes Hantieren am Volant.

Nicht einmal akustisch verliert der M850i jemals wirklich die Contenance: Sogar das Schnalzen an den Auspuffenden beim Gaswegnehmen verhält sich gegen früheres V8-Geboller wie ein dezentes Hüsteln hinter vorgehaltener Hand. Wer es etwas kerniger möchte, muss auf den M8 im kommenden Jahr warten, der wohl eine andere Tonart anschlagen wird. Oder doch lieber luftig? Das Achter-Cabrio startet schon im März 2019. Selbst einen viertürigen Ableger, ein Gran Coupé, wird es geben.

Wegen der Komplett-Mitgift an Technik ist der M850i-Kunde eigentlich nur noch in Sachen Farbauswahl und Design-Linie gefordert: Eleganter Chrom-Look oder doch das kühle Carbon-Paket? Wer sonst wirklich schon alles hat, kann ja zumindest noch Gangwahlhebel und Konsolenknöpfe in geschliffenem Swarovski-Bleikristall ordern. Selbst die Lederausstattung ist schon Teil des Serienumfangs, ebenso die neuen Digital-Instrumente mit variabler Grafik und das Infotainmentsystem der letzten Generation samt Gestensteuerung und Remote-Update über das Internet. Zum Marktstart im November liegt der Preis dieses Komplettpakets für den V8-Benziner bei 145.950 Euro, alternativ wird ein Diesel mit Reihen-Sechszylinder und 320 PS zu 112.200 Euro angeboten.




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