Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 03.11.2018


Motor News

Den Cross-Polo brav zu Ende gedacht

Nach Touareg und T-Roc ist der kleine Kompakte T-Cross der dritte Streich von VW im SUV-Segment innerhalb der letzten zwölf Monate.

© VWKein Kraxler, sondern dem urbanen SUV-Trend folgend: Der mit dem Seat Arona eng verwandte T-Cross ergänzt VWs Hochsitz-Palette von unten.



Von Stefan Pabeschitz

Amsterdam – So oft, wie bei der Präsentation die Worte „cool“, „jung“ und „lässig“ fallen, lässt das kleine Wolfsburger Kompakt-SUV zumindest eine radikal jugendliche Designrevolution erwarten. Weil angesagte Umstürze aber bekanntlich nie stattfinden, bleibt am Ende auch hier die Überraschung aus: Der T-Cross ist ein typischer VW, brav für den Geschmacks-Mainstream gescheitelt und gebürstet, unbedingt mehrheitstauglich.

Was verwundert, ist der geringe Abstand zum größeren T-Roc – nur etwa zwölf Zentimeter, gerade einmal eine Handbreite, trennen die beiden in der Außenlänge, beim Radstand sind es gar nur drei Zentimeter. Während der T-Roc aber eher in diskret höhergelegtem Pkw-Look daherkommt, bemüht sich der T-Cross um ein wenig mehr Bulligkeit: Den dominanten Kühlergrill haben wohl die beiden in den USA und China angebotenen Groß-SUV Atlas und Terramont inspiriert, für das Leuchten-Paneel auf dem massiven Kleinwagenheck stand eventuell der Seat Cordoba Vario aus den 90er-Jahren Pate.

Die elf Zentimeter mehr Höhe gegenüber dem Polo, den er als urbanes Crossover-Modell ergänzt und damit als moderner Erbe des Cross-Polo gelten darf, setzt er auch etwa in gleich viel höhere Sitzposition um – womit das Raumgefühl für die Passagiere ebenfalls praktisch ident bleibt. Mit 385 Litern Basis-Kofferraumvolumen liegt der T-Cross schon deutlich über dem Polo, dank der um bis zu vierzehn Zentimeter längsverschiebbaren Rücksitzbank lässt sich der Stauraum sogar auf bis zu 455 Liter erhöhen – allerdings zulasten der Beinfreiheit im Fond, die dann auf ein menschenunwürdiges Maß schrumpft. Mit umgeklappter Rücksitzlehne schafft der T-Cross recht beachtliche 1281 Liter Transportvolumen und liegt damit so gut wie gleichauf mit dem größeren T-Cross.

Die Cockpitlandschaft ist harmonisch gestaltet, Instrumente – optional digital ausgeführt – und das mittig angebrachte Infotainment-Display mit je nach Ausstattung zwischen 6,5 und 8 Zoll Durchmesser befinden sich gut übersichtlich auf einer Ebene. Ein wenig enttäuschend dagegen ein weiteres Mal nach dem aktuellen Polo und dem T-Roc die Materialauswahl: Auch der T-Cross ist ein Vertreter der neuen Hartplastik-Ästhetik bei VW, mit der die Wolfsburger den früheren Qualitätsabstand zu Skoda und Seat neuerdings fahrlässig verkürzen. Noch verstärkt wird dieser Eindruck vom ungenierten Billig-Look des optionalen 3D-Dekors auf dem Armaturenbrett. Darüber hinwegtrösten kann sich der T-Cross-Fahrer mit großzügigem Angebot an Assistenzsystemen und zahlreichen digitalen Optionen.

Zum Verkaufsstart im Dezember werden zwei Dreizylinder-Benziner zu 95 und 115 PS angeboten, die bereits aus Polo & Co bekannt sind und zumindest innerstädtisch ausreichend Leistung bieten. Wem auch an Fahrspaß und flottem Vorankommen überland gelegen ist, muss sich noch bis zum ersten Quartal 2019 gedulden – dann wird der 1,5-Liter-Vierzylinder mit 150 PS in Kombination der mit der Siebengang-Doppelkupplungsautomatik verfügbar sein. Optional wird die auch im 115-PS-Benziner und in der einzigen verbliebenen Selbstzünder-Alternative, dem 1,6 TDI mit 95 PS, bestellbar sein, ausgeschlossen werden derzeit Allrad oder stärkere Motoren. Die Österreich-Preise wurden noch nicht bekannt gegeben, der deutsche Basispreis von 17.975 Euro lässt hierzulande aber zumindest einen Einstiegstarif unter 20.000 Euro erwarten. Der offizielle Marktstart erfolgt im April, ein erstes persönliches Kennenlernen mit dem T-Cross wird aber schon auf der Vienna Auto Show Anfang Jänner möglich sein.