Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.11.2018


Motor News

Zurück in die Zukunft

Aus Auris wird wieder Corolla – Toyotas Neubesetzung des Kompaktsegments kommt mit moderner Technik und traditionsreichem Namen.

© HerstellerDer Corolla ist zurück – neben dem neuen alten Namen auch wieder mit selbstbewussterem Look.



Von Stefan Pabeschitz

Madrid – Schon bis 2006 war der Corolla mit seiner Spannbreite vom Rally-Gerät bis zum Verbrauchs-Sparmeister ein höchst beliebter Alleskönner innerhalb der Toyota-Palette. Die Umbenennung auf den Kunstnamen Auris, in dem theoretisch der Stamm des lateinischen Wortes für Gold, „aurum“, stecken sollte, blieb dagegen eher glücklos. Tatsächlich hieß bei den Römern „auris“ zudem Ohrwaschl, und dass der kompakte Japaner dann etwa ähnlich vorteilhaft aussah, trug am Ende nicht zu einem durchschlagenden Erfolg bei.

Mit der Rückbesinnung auf den Traditionsnamen ist auch der devote Look Geschichte. Der Corolla blickt mit scharf geschnittenen Scheinwerfern und massivem, tiefsitzenden Wabengrill recht entschlossen in seine Zukunft. Die gefällig gestaltete Flanke mündet beim Fünftürer in ein sportlich-keckes Heck, an dem spitz zur Mitte weisende LED-Leuchten eigenständigen Charakter bezeugen. Der Touring Sports genannte Kombi streckt sich auf gegenüber dem Fünftürer um sechs Zentimeter verlängerten Radstand und kaschiert seine immerhin 4,65 Meter Gesamtlänge geschickt mit gut proportionierten Überhängen und elegant auslaufender Dachlinie. Beide Karosserievarianten sind mit einer neuen Doppelquerlenker-Hinterachse bestückt, die präziseres und reaktionsfreudigeres Fahrverhalten ermöglicht.

Das Cockpit und auch den Innenraum insgesamt beherrschen klare Linien und hochwertiger Materialmix. Der neuen deutschen Hartplastik-Welle schließt sich Toyota wohltuenderweise nicht an: Beide Ebenen des Armaturenbretts sind in weichgeschäumter Qualität ausgeführt, die Grafik des zentralen Infotaimentschirms ist gut ablesbar. Aus den bekannten Vorgängerversionen wurde die Bedienlogik weiterentwickelt und ist praktisch selbsterklärend in der Anwendung.

Zum Markstart ab Februar 2019 werden außer dem bekannten, agilen 1,2 Liter Turbobenziner mit Handschaltung zwei Hybrid-Motorisierungen angeboten: Eine 1,8 Liter Variante mit maximal 122 PS und 142 Newtonmeter Drehmoment und weitere zu 180 PS und 191 Newtonmeter mit gänzlich neuem 2-Liter- Aggregat – einem hochverdichtenden Motor mit langem Hub, kombinierter Saugrohr- und Direkt-Bezineinspritzung sowie weitgehend elektrifizierten Nebenaggregaten.

Für erste Probefahrten stand vorerst nur die stärkere Version zur Verfügung, die sich bei Bedarf auch durchaus dynamisch bewegen lässt. Der kombinierte Einsatz von Verbrenner und E-Motor ist hervorragend orchestriert, auch bei höherer Beladung ist immer genügend Kraft abrufbar, dazu gefällt die äußerst präzise Lenkung, die insgesamt straffe, aber niemals unkomfortable Federung und das auffallend neutrale Fahrverhalten. Der übliche Wermutstropfen, wenn auch mit jedem Update kleiner werdend, bleibt das CVT-Getriebe mit seinem Gummiband-Effekt, an dem Toyota aus Effizienz-, Kosten- und Haltbarkeitsgründen festhält. Der Aufwand von sechs simulierten Schaltstufen ist achtbar, macht in der Praxis aber dennoch kaum einen Unterschied – bisweilen herrscht eher der Eindruck, der Effekt bestünde nur im Umspringen der Zahl in der digitalen Ganganzeige. Zum Ausgleich glänzen die beiden Hybriden mit den vorbildlichen CO2-Werten von 99 und 106 Gramm je Kilometer. Die rechnerisch möglichen 3,8 Liter Verbrauch haben wir zwar um knappe 0,7 Liter verfehlt – 4,5 Liter sind aber ein durchaus beachtlicher Praxiswert.

Auf der Vienna Autoshow im Jänner werden beide Karosserievarianten gezeigt, die Preise werden im Dezember bekannt gegeben und dürften gegenüber denen der letzten Auris-Serie um etwa 10 Prozent höher liegen.




Kommentieren


Schlagworte