Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 24.11.2018


Motor News

Ingolstädter für Ein- und Aufsteiger

Es tut sich etwas an beiden Enden der Audi-Palette: Gänzlich neu ist der Kleinwagen A1, der Mittelmotor-Renner R8 gestattet sich ein Facelift.

© WerkLeistungs-gedopt und optisch erneuert: Bis zu 620 PS plus Allradantrieb bestätigen den R8 als Fahrmaschine erster Güte.



Von Stefan Pabeschitz

Ronda – Diese beiden Audis waren bei ihrem Erscheinen echte Tabubrecher: Der A1 hielt ab 2010 als Erster seit dem Autobianchi A112 im Kleinwagen-Segment wieder die Premiumfahne hoch und mit dem R8 traute sich die Marke 2007 erstmals einen Supersportwagen zu. Nun präsentieren sie sich im neuen Gewand: Beim A1 feiert eine neue Generation Premiere, die aktuelle Baureihe des R8 geht mit einem Technik- und Design-Update in die zweite Lebenshälfte.

Zugunsten des A1 hat Audi offenbar seine bisher harsche Aufpreis-Politik zumindest ein wenig gelockert – selbst digitale Instrumente sind erstmals serienmäßig an Bord, dazu LED-Leuchten vorne und hinten sowie eine ansehnliche Palette an Assistenz-Systemen. Plattform und Technik teilt sich der neue A1 mit den Konzerngeschwistern VW Polo und Seat Ibiza, ist mit 4,03 Metern auch praktisch gleich groß und hat sich noch eine weitere Eigenschaft der beiden nahen Verwandten eingehandelt: Es wird künftig keine dreitürige Variante mehr geben, sondern nur noch die fünftürige Version.

Deren optisches Sportlichkeits-Manko versucht das Außendesign mit allerlei Dynamik-Attributen auszugleichen: Allen voran die auffälligen drei Horizontal-Schlitze über dem Kühlergrill – eine Reminiszenz an den Ur-Quattro, wenn auch rein kosmetisch und ohne praktische Funktion. Drinnen lockt ein durchwegs geometrisches Armaturenbrett-Layout vor allem eine jüngere Käuferschicht, die zweifellos auch den Umfang des Online- und Konnektivitätsangebots zu schätzen weiß. Etwas weniger Hartplastik würde ihr aber sicher ebenfalls zusagen und wäre dem angestrebten Premium-Anspruch zuträglich.

Der Kleinformat-Audi A1 gibt sich äußerlich dynamischer, muss aber künftig auf die sportliche Dreitürer-Variante und wohl auch auf einen Imageträger mit Allrad verzichten.
- Werk

Beim akustischen Komfort und den Handling-Qualitäten macht der A1 hingegen keine Kompromisse – er hebt sich hier auch deutlich von den Geschwister-Modellen ab. Der 1-Liter Basis-Motor mit bisher 86 PS ist nun auf 95 PS erstarkt, wird aber erst ab Jahresbeginn bestellbar sein. Vorerst macht seine marginal stärkere 116-PS-Variante den Listenpreis-Türsteher und ist ab 22.700 Euro erhältlich. Überland und bergauf fehlt es dem kleinvolumigen Dreizylinder aber dennoch merkbar an Schmalz – Abhilfe kann hier der ebenfalls später nachgereichte 1,5-Liter-Vierzylinder zu 150 PS schaffen. Der bereits für Probefahrten zur Verfügung gestellte 2-Liter-Benziner mit 200 PS samt Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe enttäuschte in seiner Kraftentfaltung allerdings ein wenig – wohl der strengen Abgas-Vasektomie nach Euro 6d-Temp geschuldet.

Probleme, über die der R8 eindeutig erhaben ist. Je nach Leistungsstufe nun 570 oder sogar 620 PS aus seinem 5,2-Liter V10 bügeln die subjektiven Verluste durch jede Abgasnorm souverän aus. Die Kombination aus Saug-Mittelmotor und Allrad-Antrieb ergibt den immer noch fahrbarsten Super-Sportwagen auf dem Markt – was in der Praxis etwa so zu verstehen ist: Der teilweise strömende Regen während der Testfahrten auf dem Ascari-Rundkurs nahe Ronda in Andalusien beeinträchtige die Rundenzeiten nur minimal und auch die Angst konnte getrost in der Boxengasse zurückbleiben – die Fahrmaschine R8 erweitert die Grenzen der Physik offenbar beliebig. Äußerlich ist das Update vorne am rahmenlosen Singleframe-Grill und den abgedunkelten Scheinwerfern zu erkennen, hinten an einem neuen, über die ganze Fahrzeugbreite verlaufenden Diffusor mit Auspuff­endrohren von bedrohlichem Durchmesser. Die schlagen sich akustisch satt nieder, was als passender Soundtrack zum gebotenen Dynamik-Spektakel gelten darf. Umso präsenter, wenn die Stoffdach-Variante gewählt wird: Wie das Coupé ist auch der R8 Spyder ab Jänner in beiden Leistungsstufen erhältlich, an den Preisen wird noch getüftelt.




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