Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 24.11.2018


Motor News

Britische Charme-Offensive

Vor sieben Jahren hat der Range Rover Evoque das Segment der kompakten Premium-SUVs praktisch begründet – jetzt legt er dort die Messlatte erneut höher.

© WerkKühle Ästhetik à la Velar mit modernster Technik darunter: Die zweite Generation des Range Rover Evoque setzt Maßstäbe im Segment der Kompakt-SUVs.



Von Stefan Pabeschitz

London – 2010 erfand Land Rover mit dem Range Rover Evoque nicht nur ein Fahrzeugsegment, sondern auch sich selbst neu: Leichte Alukarosserien, schnittiges Design und Komfortelemente, wie sie der Kleinste in der Palette trug, wurden danach Markenstandard. Dass sich das Charakterdesign der ersten Generation mit den Jahren kein bisschen abgenutzt hat, darf sie nun als besondere Auszeichnung mit in die Pension nehmen. Das Scharfkantige hat bei Range Rover inzwischen ausgedient, heute ist alles glatter und reduzierter. Der neue Evoque orientiert sich mit fließenden Linien, saumlosen Flächen und raffinierten Details, wie die bündig in der Karosserie liegenden, automatisch ausfahrenden Türgriffe, eindeutig am Design des Velar.

Wie der Vorgänger einst Vierzylinder-Motoren bei Range Rover hoffähig gemacht hat, fällt diese Aufgabe dem Neuen nun für die nächste Technik-Evolution zu: Alle Benzin- und Dieselmotoren in Kombination mit Allrad-Antrieb und Automatik kommen als Mild-Hybrid mit riemengetriebener 48-Volt-Starter/Generator-Einheit, die ein sanftes Gleiten mit automatisch abschaltendem Motor im Stadtverkehr ermöglicht, aber auch als Booster beim Beschleunigen wirkt. Ein Plug-in-Hybrid mit batterieunterstütztem – bitte jetzt stark sein – Dreizylinder-Motor (!) folgt gegen Ende des kommenden Jahres. Die bereits aus den Markengeschwistern bekannte selbstständige Erkennung der Untergrundbeschaffenheit findet nun auch im neuen Evoque Anwendung. Ebenfalls an Bord: Die letzte Generation Allrad mit effizienzsteigernder Entkopplung des Antriebsstranges. Für alle, die sich das Vergnügen abseits der Straße unbedingt versagen wollen: Es wird auch weiterhin eine Basisvariante mit Vorderradantrieb geben.

Im Innenraum herrscht ein fließendes, elegantes Ambiente, absolut schnörkellos und frei von unnützen Deko-Elementen. Geblieben ist die massive Mittelkonsole, nun mit zwei übereinander angeordneten Touchscreens bestückt, in denen fast alle Bedienelemente integriert sind.

Aber auch ein paar Technik-Spielereien finden sich im Angebot: Optional verwandelt sich der Innenspiegel auf Knopfdruck in einen Bildschirm, der dann ein Heckkamerabild zeigt – hilfreich, wenn das Auto beladen oder die Sicht nach hinten schlecht ist. Kameras im vorderen Teil des Wagens hingegen können sozusagen die Motorhaube durchsichtig machen – der Boden unter und um den Vorderwagen wird auf dem zentralen Bildschirm gezeigt, womit unübersichtliche Durchfahrten und felgenfeindliche Gehsteigkanten ihren Schrecken verlieren.

Bei ersten Testfahrten hinterließ der Evoque einen grund­soliden Eindruck: Bei der sportlichen Fahrdynamik, dem präzisen Handling und der Fahrzeugbalance hat er noch zugelegt, die Offroad-Passagen meisterte er souverän. Die jede Hundertstelsekunde nachregelnde Schlupfkontrolle hat losen Untergrund jeder Beschaffenheit ebenso im Griff, wie sie auf schnelle, winkelige Passagen nahtlos reagiert, ohne dabei merkbar in die Dynamik einzugreifen. Erwähnenswert sind außerdem die auffallende Laufruhe und Vibrationsarmut bei unverändert hohem Feedback von Fahrwerk, Antrieb und Maschine.

Über den Verdacht, ein Sonderangebot zu sein, ist der Range Rover mit einem Einstiegspreis ab 40.800 Euro für den 150 PS Diesel mit Frontantrieb und Handschaltung, somit 1250 Euro mehr als für den Vorgänger, erhaben. Bei der bisher meistverkauften Variante, dem 180 PS Diesel mit Allrad und Automatik für 49.150 Euro, reduziert sich die Preissteigerung allerdings auf nur 591 Euro – bereits mit dem Plus des effizienzsteigernden Mildhybrid-Systems an Bord.

Ebenfalls inbegriffen und nicht zu unterschätzen ist außerdem der Gegenwert von elegantem Charme und undeutschem Individualismus.




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