Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 01.12.2018


Motor News

Offen gegenüber der Luxus-Entfaltung

Wenige Monate nach dem Marktstart des Continental GT stellte Bentley die Convertible-Version des elegant-sportlichen Zweitürers vor. Edel ist das Interieur, kraftvoll der W12-Turbobenziner.

© Werk19 Sekunden benötigt das Faltdach für den Prozess des Öffnens und Verschließens; nur 3,8 Sekunden sind erforderlich, um die dritte Generation von null auf 100 km/h zu beschleunigen. Die Höchstgeschwindigkeit des Allradlers beträgt 333 km/h.



Von Markus Höscheler

München – Unter den Luxus- und Sportwagenherstellern ist Bentley so etwas wie eine Volumenmarke. Im Gegensatz zu Rivalen wie Rolls-Royce, Ferrari, Lamborghini (hausintern, da dem VW-Konzern zugehörig), Bugatti (ebenfalls hausintern) oder Aston Martin haben die Briten einen jährlichen Absatz, der die 10.000-Stück-Marke übersteigt. Dem exklusiven Image hat dies gleichwohl nicht geschadet, weiterhin sind die Preise für diverse Baureihen weit entfernt von jeglichem Diskont.

Ein ebensolcher lässt sich auch ausschließen für das neueste Fabrikat aus England, den Continental GT Convertible. Das Modell orientiert sich technisch wie designmäßig am kürzlich gestarteten Coupé, muss aber bauartgemäß eine zusätzliche Variation anbieten: das Verschwinden-Lassen des Daches. Innerhalb von 19 Sekunden ist dieser Vorgang absolviert, rein elektrisch natürlich. Bentley legt Wert darauf, die Güte des Stoffverdecks zu beachten, denn die Schalldämmung sei eine derart hervorragende, dass das neue Cabrio im Innenraum etwa so leise ist wie das Coupé der Vorgänger-Generation. Für das Dach stehen übrigens sieben verschiedene Farben zur Auswahl, unabhängig davon ist das Öffnen und Verschließen bei einer Geschwindigkeit bis 50 km/h möglich.

Das ist allgemein schon recht viel, im besonderen Falle des GTC jedoch nicht: Der beschleunigt in 3,8 Sekunden von null auf 100 km/h und kann bis zu 333 km/h schnell fahren. Für solche Leistungsdaten zeichnet ein in der Automobilwelt selten anzutreffender W12-Turbobenziner verantwortlich, der zudem in der Lage ist, ein maximales Drehmoment von 900 Newtonmetern zu stemmen. Die Leistungsentfaltung, die der Produzent in Aussicht stellt, ist enorm, 635 Pferdestärken warten darauf, abgerufen zu werden. Die Laufkultur dürfte ebenfalls eine außerordentliche sein, ähnlich wie im Coupé und im Bentayga. Interessant ist auch hier die Entscheidung der Produktverantwortlichen, anstelle einer Achtstufen-Wandlerautomatik eine neue Achtgang-Doppelkupplung zu verwenden. Um nicht unnötig Kraft zu verschwenden, gilt der Allradantrieb als gesetzt – damit macht sich der GTC allwettertauglich und gibt sich überdies kurvenfreudig trotz eines recht hohen Gewichts. Für ein entsprechend angenehmes Fahrgefühl dürfte die neue Wankstabilisierung dienlich sein: Bentley Dynamic Ride – es funktioniert auf 48-Volt-Basis und passt die Stabilisatoren an die jeweiligen Fahrbedingungen an.

So modern ist Bentley erst seit Kurzem: volldigitales Instrumentarium und ein mittig platzierter Touchscreen, der via Rotating-Funktion verschwindet.
- Höscheler

Nach WLTP-Berechnungen benötigt der W12 im Schnitt 14 Liter Treibstoff je 100 Kilometer, der CO2-Ausstoß beläuft sich auf 317 Gramm je Kilometer. Da die Stückzahlen des Bentley GTC angesichts hoher Anschaffungspreise überschaubar bleiben, dürfte der Weltklimarat damit nicht die größten Probleme haben. Außerdem arbeitet das Triebwerk kraftstoffschonend mit der Zylinderabschaltungstechnik in ausgewählten Fahrsituationen.

Dass ein Bentley innen wie außen erstklassig hervorragend verarbeitet ist und sein muss, ist dem eigenen Anspruch und dem Anspruch der gewachsenen Kundschaft geschuldet. Ein erster Lokalaugenschein in München in dieser Woche bestätigt diesen Fokus der Briten aufs Neueste. Hochwertiges Leder, elegant gesetzte und gebogene LED-Leuchtstreifen und liebevoll gestaltete Details sind im GTC erkennbar. Auch hier zeigt sich im Innenraum der größte Sprung, den Bentley zuletzt machen musste: beim Infotainmentsystem aufrüsten. Zuvor gab es einen tief sitzenden Touchscreen und ein über die Lenkradtasten nur schwer zu navigierendes Menü – jetzt gibt es einen großzügig gestalteten Touchscreen (mit Rotating-Funktion) im oberen Bereich der Mittelkonsole, ein nutzerfreundliches Bediensystem und ein neues Instrumentarium.

Der Continental GTC steht recht breitbeinig dar, unter 21-Zoll-Rädern geht nichts, 22-Zöller sind optional.