Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 01.12.2018


Motor News

Komfortabler familiärer Praktiker

Citroën offeriert mit dem in Europa neuen C5 Aircross eine auf mobile Behaglichkeit orientierte Kompakt-SUV-Variante – ohne 4x4-Antrieb.

© HerstellerBewahrt bei Untergrund-Ungereimtheiten komfortable Haltung: Citroëns Beitrag zur Kompakt-SUV-Vielfalt, der C5 Aircross.



Von Beatrix Keckeis-Hiller

Marrakesch – Ganz so neu im SUV-Segment ist Citroën nicht, wie es angesichts der aktuellen Crossover-Initiative der Marke aussehen mag. Dabei ist an dieser Stelle gar nicht vom C3 Aircross, der vor einem Jahr debütiert hat, die Rede, vielmehr vom C-Crosser, der als Zwillingsbruder des Peugeot 4008, auf der Technik-Basis des Mitsubishi ASX, von 2007 bis 2013 die Doppelwinkelmarke in der Kompakt-SUV-Klasse repräsentiert hatte. Mittlerweile ist der Kooperationsvertrag zwischen der PSA-Gruppe und der Drei-Diamanten-Marke ausgelaufen.

Trotzdem hat Citroën bei der Neubelegung des Segments das „Cross“ in der Typenbezeichnung beibehalten: Der C5 Aircross, der in China bereits auf dem Markt ist, ist jetzt reif für den Europa-Auftritt – in europäischer Interpretation. Die steht, hier wie dort, auf der EMP2-Plattform des PSA-Konzerns, einer universalen modularen Baubasis für die Kompakt- und Mittelklasse. Demnach hat der Neue eine ganze Schar von Brüdern, auch in seinem Segment. Deshalb lautete der Entwicklungsauftrag an Citroën, sich mit dem Fünfer-Crossback markant von Peugeot 3008, 5008 und DS7 Crossback abzuheben.

Das tun die Doppelwinkler zwar sowieso, das Design des Cactus ist zum optischen Markenzeichen für die komplette Modellpalette geworden, inklusive Airbumps, die der Neue in allen Ausstattungsstufen serienmäßig mitbekommen hat. Die äußerliche Robustheit jedoch wird konterkariert durch dezidierte Komfort-Ausrichtung, um nicht zu sagen Familien-Verträglichkeit, was Fahrwerk und Möblierung betrifft. Das ist einerseits das neue Federungssystem mit progressivem hydraulischen Anschlag (hat im aktuellen Cactus Einzug gehalten), andererseits sind das speziell gepolsterte Möbel in beiden Sitzreihen, was zusätzlich für sanftes Abfedern von Boden­unebenheiten sorgen soll. Dazu kommen penible Geräuschdämmungsmaßnahmen.

Fürs ernsthafte Schottern im Gelände ist der Neo-Franzose wie eine Reihe seiner Kollegen nicht ausgelegt, ein echtes 4x4-System ist gar kein Thema. Aber auf leichtere Offroad-Passagen ist er durchaus vorbereitet, angesichts von 23 Zentimetern Bodenfreiheit. Für Assistenz im Schlammig-Schlüpfrigen kann ein Traktionsunterstützungssystem samt Bergabfahrhilfe sorgen. Um seinen komfortablen Charakter samt Spur- und Trittsicherheit bei real-raueren Bedingungen (als in weiten Teilen Mitteleuropas) unter Beweis zu stellen, hat Citroën das Fahrdebüt des 4,5 Meter langen SUV nach Nordafrika, nach Marokko, verlegt. Zwischen Marrakesch und dem Anstieg des Atlasgebirges offeriert ein höchst abwechslungsreiches Fahrbahnzustands-Programm reichlich Gelegenheit, der Komfort-Ansage auf den Grund zu gehen. Das Federungssystem macht natürlich aus einer Serie von mehr als gehsteig-kantentiefen Schlaglöchern auch keinen Schwebeteppich, doch über durchschnittliches Kopfsteinpflaster und auch Gröberes segelt man nonchalant-souverän hinweg. Die Fauteuil-artigen Sitze bieten mehr Seitenhalt, als man ihnen auf den ersten Blick zutraut. Die Geräuschentwicklung liegt auf Flüster-Niveau. So ist etwa der Diesel vom Benziner im Innenraum akustisch kaum unterscheidbar. Als Testprobanden standen beide Motorbauarten parat, jeweils auf kräftig-geschmeidigem 180-PS-Leistungsniveau (2,0-Liter-Selbstzünder, 1,6-Liter-Otto) und mit superber Achtgang-Wandlerautomatik. Weitere Antriebe sind ein 1,5-Liter-Diesel und ein 1,2-Liter-Turbobenziner, beide mit 130 PS. In etwa einem Jahr kommt ein Plug-in-Hybrid dazu, der wird 225 – frontgetriebene – PS leisten.

Marktstart ist im Jänner. Eine erste Vor-Begutachtung ist auf der Vienna Autoshow in Wien möglich (11.–13.1. 2019). Preis: ab 25.490 Euro.




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