Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 07.12.2018


Motor News

Nun wird es eng für den Alhambra

Blut geleckt hat Seat: Nach der Etablierung von Ateca und Arona bereiten die Iberer den Marktstart des dritten SUV namens Tarraco vor. Er sieht dynamisch aus und hat viel Platz, optional eine dritte Sitzreihe.

© WerkWohl der nächste Verkaufshit der Spanier: der Tarraco, ein 4,74 Meter langes Sport Utility Vehicle.



Von Peter Urbanek

Barcelona – Tarraco klingt fast wie eine Spezialität der katalanischen Küche. Der Vergleich ist nicht von ungefähr, das Designstudio von Seat in Barcelona hat mit diesem Modell wirklich ein Fahrzeug geschafft, welches allein schon durch die Größe seines Auftritts eine gewisse Exklusivität ausstrahlt. Vor fast genau einem Jahr konnte die Tiroler Tageszeitung einen ersten Blick auf den Prototypen werfen, der schon damals sehr überzeugend war. Die Namensgebung für den neuen Star der Marke war unorthodox, vier Vorschläge standen zur Wahl, rund 140.000 Menschen gaben im Internet ihr Voting ab, zum Sieger wurde dann Tarraco erklärt.

Woher kam dieser Name? Man muss 2000 Jahre in die römische Zeit zurückblicken, als in der Provinz Hispania eine wichtige Hafenstadt diesen Namen trug. Heute findet man sie als Tarragona auf der Landkarte. Nun aber zurück in die Gegenwart. Der Seat Tarraco steht gemeinsam mit VW Tiguan Allspace und Škoda Kodiaq auf der Konzernplattform MQB, gebaut wird er gemeinsam mit seinen Brüdern in Wolfsburg, also „Made in Germany“, nicht „Hecho in España“. Im wahrsten Sinne gelang den Spaniern mit ihrem neuen SUV der große Wurf, eine Länge von 4,74 m kann keiner seiner Kollegen vorweisen, das merkt man auch am beachtlichen Platzangebot im Innenraum. Alle drei SUV-Fahrzeuge von Seat haben individuell gestaltete Kühlergrille, beim Tarraco ist er sechseckig gestaltet, fest umschlossen durch ein breites Chromband. Die serienmäßig eingebauten LED-Leuchten weisen gewisse Ähnlichkeiten zum Ateca auf – kein Problem, es bleibt in der Familie. Der Innenraum wurde neu gestaltet, wobei natürlich die weitgehende Verwendung hochwertiger Materialien der Topausstattungsvariante Xcellence vorbehalten ist. Leicht störend ist eine Plastik­leiste in Holz­imitation. Analoge Armaturen waren gestern, heute steht dem Fahrer das 10,25 Zoll große digitale Kombiinstrument zur Verfügung. In Verbindung mit dem freistehenden Bildschirm des Navigationssystems (acht Zoll) sind Gestensteuerungen möglich, die Koppelung mit dem Smartphone funktioniert selbstverständlich, zahlreiche Assistenzsysteme inklusive des etwas nervenden Spurhalteassistenten. Das Navi ist einfach zu bedienen, selbst im Gassengewirr inklusive fast hysterischer Verkehrsströme in Barcelona kann man sich auf die Ansagen verlassen.

Fünf oder sieben Sitze heißen die Optionen bei der Gestaltung des Innenraums. Wer an die Verwendung der beiden im Boden des Kofferraumes gefalteten Notsitze denkt, könnte Probleme mit vierjährigen Passagieren bekommen. Ihre Fußfreiheit ist dann am Limit. Standardmäßig verfügt der Kofferraum über ein Fassungsvermögen von 700 Litern, bei umgelegter Rücksitzbank stehen aber 1920 Liter zur Verfügung.

Seat setzt weiterhin auf die hervorragenden Selbstzünder des Konzerns. In der ersten Phase stehen zwei Benziner mit 150 PS und 190 PS einem Zweiliter-Turbodiesel (wahlweise mit 150 PS oder 190 PS) gegenüber, zertifiziert nach Abgasnorm Euro 6d-TEMP. Die jeweils stärkeren Versionen sind mit Allrad und 7-Gang-DSG-Doppelkupplung kombiniert. Für Ende 2019/Anfang 2020 scheint eine Hybridversion im Anmarsch zu sein. Bei der Motorenwahl soll das hohe Leergewicht von fast zwei Tonnen bedacht werden, das schlägt sich in der Beschleunigung nieder. Der erste Fahreindruck: Der Tarraco lässt sich cool aus hoher Position fahren, auch ein Kurztest im schweren Gelände überzeugte. Nach Österreich kommt das Flaggschiff von Seat im kommenden Februar, die Geschäftsleitung rechnet mit über 50 Prozent Diesel­anteil. Die Preise starten bei 33.490 Euro, zur Einführung steht ein Sondermodell bereit: Ausstattungsvariante Style, 1,5-Liter-150-PS-Benziner, der exklusive e-Scooter im Wert von 600 Euro im Kofferraum, das alles um 29.990 Euro.