Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 15.12.2018


Motor News

Französisches Anti-SUV

Der Peugeot 508 SW vereint gediegene Atmosphäre, Komfort und gehobene Platzansprüche – und fesch ist er auch noch.

Sportliche Linie, elegantes Design und eigenständiges Innenraumkonzept: Der 508 ist auch als Station Wagon genannter Kombi ein echter Charakterdarsteller.

© WerkSportliche Linie, elegantes Design und eigenständiges Innenraumkonzept: Der 508 ist auch als Station Wagon genannter Kombi ein echter Charakterdarsteller.



Von Stefan Pabeschitz

Lissabon – Mit der sportlich-eleganten 508 Limousine hat Peugeot erst kürzlich ein Statement abseits des SUV-Trends gesetzt – nun legen die Franzosen mit der Rucksackvariante noch ein mehrheitstaugliches Schäuferl nach. Der 508 SW darf künftig neidlos als der schönste Kombi auf dem Markt gelten – der Titel, an dessen Verteidigung Alfa Romeo offenbar kein Interesse mehr hat.

Bis zur B-Säule sind beide Versionen des 508 identisch, dann hebt die Dachlinie des Kombis minimal an: Die 17 Millimeter mehr als bei der Limousine sind mit freiem Auge kaum wahrnehmbar, dass es insgesamt sechs Zentimeter weniger Höhe als beim Vorgänger sind, fällt aber sehr wohl auf – der Nachfolger wirkt gestreckter und dynamischer. Auch der Radstand ist derselbe wie bei der Stufenheck-Karosserie und selbst bei der Gesamtlänge sind die Unterschiede minimal: Auf gerade einmal vier Zentimeter mehr bringt es der Kombi. Trotz der sportlich flach abfallenden Heckklappe ist auch das Ladevolumen dahinter beachtlich: 530 bis 1780 Liter sind Werte im oberen Klassenbereich. Auch sonst scheinen beim 508 SW Designer und Ingenieure erfolgreich zusammengearbeitet zu haben: Der Kombi wurde vom Projektstart an gemeinsam mit der Limousine entwickelt, wiegt nur etwa dreißig Kilo mehr und obwohl dieser Unterschied in der Praxis kaum Auswirkungen auf das Fahrverhalten hätte – immerhin ist es gerade einmal das Gewicht eines größeren Reisekoffers –, wurde auch bei Fahrwerk und Dämpfung nichts dem Zufall überlassen und penibel nachkalibriert.

Dementsprechend identisch wie der Sedan gibt sich der knapp 4,8 Meter lange Kombi auch in den Handling-Qualitäten: sportlich, dynamisch, mit auffallend direkter Lenkübersetzung – aber auch im Sportmodus und mit der Option des adaptiven Fahrwerks niemals unkomfortabel. Es überwiegt insgesamt der Eindruck, ein wesentlich kompakteres Auto zu bewegen – nicht zuletzt dem Peugeot-exklusiven Merkmal des iCockpit geschuldet: Das tiefstehende, Kart-artige Lenkrad und die darüber angebrachten, serienmäßigen Digitalinstrumente bringen die sportliche Anmutung sozusagen automatisch mit. Aber auch bei der Wohnlichkeit beweist der 508 Charakter: Das Interieur setzt auf fließende Linien und edles Material wie offenporiges, dunkles Holz. Ebenfalls schön gelöst die Bedienelemente mit der Alutasten-Klaviatur für den Direkteinstieg in die Menüpunkte des Infotainmentsystems.

Es muss auch heutzutage nicht immer ein SUV sein: Peugeot hält am Mittelklasse-Kombi in Gestalt des 508 SW fest.
Es muss auch heutzutage nicht immer ein SUV sein: Peugeot hält am Mittelklasse-Kombi in Gestalt des 508 SW fest.
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Bis auf den Basis-Diesel mit 130 PS, der zum Einstiegspreis von 35.750 Euro auch mit manuellem Sechsganggetriebe angeboten wird, ist eine Achtgang-Automatik als Serienmitgift an Bord. Sie schaltet flink, aber immer komfortabel – das Reinschnalzen von Gängen, wie es der Mitbewerb seinen Sportversionen gerne anprogrammiert, ist dem 508 auch in der Spitzenversion, dem 225 PS starken Benziner, fremd. Allerdings neigt das Wandlergetriebe bei beherzter Fahrweise und oftmaligem Lastwechsel mit kurzen Beschleunigungs- und Bremspassagen – etwa auf kurvigen Bergstraßen – zu unmotivierten und überraschenden Schaltmanövern, wohl dem Zwang zu möglichst ökonomischer Gangwahl folgend. Wer hier auf Handbetrieb über die Schaltwippen wechselt, umgeht das eigenwillige Schaltdiktat.

Für Dienstwagennutzer und Flottenmanager ist eventuell interessant, dass auch die mittlere Dieselmotorisierung mit 160 PS es noch unter die Sachbezugsgrenze von 120 Gramm CO2 je Kilometer schafft. Weitere Motoren im Programm sind der auch aus der Limousine bekannte 1,6-Liter-Benziner zu 180 PS und der gleich starke Top-Diesel. In Österreich wird der französische Beau erstmals auf der Vienna Autoshow im Jänner zu sehen sein, für den Marktstart ist noch Geduld bis Mai gefragt.




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