Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 22.12.2018


VW Touareg

Zurück an der Spitze

Die dritte Generation des VW Touareg schließt in ihrer Ausrichtung wieder an die erste an. Ein Oberklasse-SUV, das den Konzern krönt und die Nobel-Konkurrenten jagt.

Die dritte Touareg-Generation pflegt mit fast zwei Metern Breite den mächtigen Auftritt. Das elegante Design kleidet ein Technikfeuerwerk ein.

© FellnerDie dritte Touareg-Generation pflegt mit fast zwei Metern Breite den mächtigen Auftritt. Das elegante Design kleidet ein Technikfeuerwerk ein.



Von Reinhard Fellner

Thaur – Als Volkswagen 2002 die erste Touareg-Generation auf den Markt brachte, hatte sich die Autowelt verschoben. Der nach oben strebende Massenhersteller Volkswagen stand plötzlich inmitten der Premium-Konkurrenz und legte beispielsweise mit einem V10-TDI sogar die Messlatte vor. Es war die Konstrukteurswelt des Porsche-Enkels und Konzernlenkers Ferdinand Piech. Mit 2019 steht der letztjährige Weltmarktführer vor einer Art Neubeginn. Neben Diesel-, Benzin-, Erdgas- und Hybridantrieben startet Volkswagen seine ID-Elektrofahrzeugmodellreihe. Die weltweit ungebrochene Nachfrage nach SUV, bis hin ins absolute Luxussegment, ließ indes die Phaeton-Oberklasselimousine auslaufen.

Als dessen Co-Nachfolger darf nun der neue Touareg gesehen werden, der vom Konzept her gekonnt den Bogen zwischen Fullsize-SUV und Luxusliner spannt. Fast fünf Meter Länge und zwei Meter Breite verleihen dem neuen Touareg nicht nur nach außen Größe. Das Design des Touareg kaschiert die Massivität jedoch gekonnt. Mit einem imposanten Grill startet das SUV und mündet in ein formvollendetes Heck mit Coupe-Anleihen. Innen eröffnet sich den Passagieren eine Raumfülle, die Limousinen wie den verflossenen Phaeton in der Tat vergessen lassen. Es herrscht allgemein ein fürstliches Platzangebot, welches – vorne wie hinten – auch die meisten Konkurrenten im Groß-SUV-Segment hinter sich lässt. Das ist Luxus, zumal das Ambiente in Gestaltung und Qualität mithält. Beeindruckend gut gelöst wurde von Volkswagen insbesondere die Bedienung mittels 15-(!)-Zoll-Bedienungsbildschirm und Digitalcockpit (Innovision-Cockpit, 3614 Euro). Schon allein die schiere Größe des Mittelschirms ist bemerkenswert. Noch viel schöner jedoch ist die fast schon unglaublich einfache Bedienung mittels übersichtlicher Menüstruktur und sofort umsetzbaren Klimabefehlen. Da ist man im VW in der Bedienung meist doppelt so schnell wie bei den meisten Konkurrenten. Und es gibt von den fantastischen ergoComfort-Massagesitzen (optional) bis hin zu einer Armada von Assistenzsystemen ziemlich viel zu bedienen. Gut, dass sogar die Sprachsteuerung befriedigend funktioniert (selbst in teuersten Fahrzeugen ja noch immer nicht selbstverständlich).

Dann der Motorstart. Perfekt gedämmt erwacht der Dreiliter-Diesel zum Leben und trägt den Touareg mittel 286 PS und 600 Newtonmetern nach einer Gedenksekunde machtvoll nach vorne. Unfassbar und am Steuer praktisch unbemerkt: In 6,1 Sekunden wuchtet der V6 das 2070 Kilo schwere SUV auf 100 km/h. Erst in Schwung sortiert die Achtgangautomatik nahezu perfekt. Im Stadtverkehr beherrschen andere das Hochdrehen aus dem Drehzahlkeller aber harmonischer.

Jammern auf höchstem Niveau: Für dieses „fette“ Fahr­erlebnis hätte es früher einen Fünfliter-V8 gebraucht. Den TT-Testverbrauch von 8,7 Litern hätte so ein Benziner wohl aber schnell verdreifacht. Zumal das Leistungspotenzial des Touareg voll ausgeschöpft werden kann. Klar bewegt man hier ein erhabenes Zwei-Tonnen-SUV, aber das Luftfahrwerk mit Allradlenkung (unbedingt empfehlenswert, 3411 Euro) macht in Verbindung mit der Wankstabilisierung aus so einem Touareg doch ein ungemein wendiges und fahraktives Auto. Meist ist man viel schneller, als man am Steuer fühlt. Als Reisewagen verdient der Touareg nur ein Prädikat: fantastisch! Für Vielfahrer lohnt sich übrigens das beeindruckende LED-Matrix-Licht (2050 Euro). Die Ausleuchtung ist enorm und findet automatisch immer so statt, dass der Gegenverkehr gerade nicht geblendet wird.

Dazu gibt es etliche andere Talente. Mittels Fahrerlebnisschalter lassen sich etliche Idealkonfigurationen bei Fahrwerk und Antrieb einstellen. Das optionale Offroad-Paket wühlt sich zudem perfekt durch Schotter und Sand. Auch sonst fehlt es bei einem Laderaumvolumen von 810 bis 1800 Litern mitsamt verschiebbarer Rückbank dem Alleskönner nicht an praktischen Talenten – schließlich ist man ja SUV. Unverständlich und lästig, dass der Touareg gleichzeitig über ein Handschuhfach im Kleinformat verfügt. Und dass man in so einem Auto noch 1005 Euro für die elektrische Heckklappe zahlen muss, grenzt an Hohn. Ansonsten aber große Klasse. Wie in Watte gehüllt stürmt Touareg III ab 72.690 Euro wieder an die Spitze.

Die Technik

Motor: Sechszylinder-Diesel

Hubraum: 2967 ccm

Drehmoment: 600 Nm bei 2250 U/min

Leistung: 210 kW/286 PS

L/B/H: 4878/1984/1717 mm

Gewicht: 2070/2850 kg

Kofferraumvolumen: 810 – 1800 l

Tankinhalt: 90 l

Höchstgeschwindigkeit: 235 km/h

0 – 100 km/h: 6,1 Sekunden

Verbrauch: 8,2 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Allradantrieb

Preis: (Elegance) 77.590 Euro

CO2-Emission: 173 g/km