Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 26.01.2019


Aus der Branche

Der Model-3-Kraftakt führt zu Massenentlassung bei Tesla

Tesla wächst und will die Belegschaft reduzieren. Hierbei handelt es sich nicht um die einzige Stellschraube, an der gedreht wird.

Der elektrische Hoffnungsträger: Model 3 von Tesla.F

© WerkDer elektrische Hoffnungsträger: Model 3 von Tesla.F



Palo Alto – Vielleicht müssen die BWL-Lehrbücher bald umgeschrieben werden – und zwar in puncto Mitarbeitermotivation und Führungsstil. Innovativ, allerdings kaum freiwillig, ist in dieser Hinsicht einmal mehr Tesla, gemanagt von Elon Musk. Der hat vor wenigen Tagen angekündigt, sich von rund sieben Prozent der Belegschaft trennen zu wollen. Betroffen von dieser Maßnahme sind Medienberichten zufolge rund 3000 Mitarbeiter. Dieser Schritt kommt insofern überraschend, als es Tesla in den Vormonaten gelungen ist, nach langen Verzögerungen die wöchentliche Produktionsrate des Model 3 auf mehr als 5000 Einheiten anzuheben. Man könnte zum Schluss kommen, dass sich die Beschäftigten mächtig ins Zeug gelegt haben – die Buchhaltung eingeschlossen. Denn immerhin konnte Tesla im dritten Quartal 2018 einen Gewinn ausweisen. Offen ist noch, was im vierten Quartal passiert ist, Ende Jänner wird das Ergebnis präsentiert. Bei den Auslieferungen ging es jedenfalls stetig aufwärts, zuletzt gelang es der US-Marke, tausend Stück pro Tag abzusetzen.

Geht es nach den Vorstellungen des US-Unternehmens, ist weiterhin Wachstum angesagt. Denn schon im nächsten Monat rechnet die Branche mit den ersten Auslieferungen des Model 3 in Europa. Damit spitzt sich der Stromer-Wettbewerb auf dem Alten Kontinent langsam zu, denn Audi wird fast zeitgleich mit dem ebenfalls leicht verzögerten e-tron starten, Jaguar ist schon mit dem I-Pace präsent, wenngleich nicht im großen Stil. Mittlerweile sind die meisten Hersteller auf den E-Zug aufgesprungen und legen nach: Hyundai hat nach dem Ioniq den Kona Elektro auf den Markt gebracht, von Kia stehen der e-Niro und der e-Soul (neue Generation) vor dem Start, Volkswagen möchte mit dem I.D. loslegen und die Tochtermarke Porsche bereitet den Launch des E-Sportwagens Taycan vor. Allesamt haben sie vor, Tesla zu folgen, wenn nicht gar ambitionierterweise zu überholen. Dabei haben die Amerikaner durchaus eine beachtliche Zahl vorgelegt: Im Vorjahr lieferten sie weltweit 245.240 Einheiten aus. Was die reinen Stückzahlen anbelangt, können hier allenfalls noch der Renault Zoe, der Nissan Leaf und manche chinesischen Hersteller mithalten, keinesfalls aber beim Renommee, das Tesla in den vergangenen Jahren – auch dank einiger umstrittener Äußerungen und Maßnahmen Elon Musks – geschaffen hat.

Allerdings sind die Zeiten der Lockvogelangebote bei Tesla vorbei: Kostenloser Strom via Supercharger wird nicht mehr offeriert, ungern vertreibt der Hersteller die relativ günstigen Basismodelle – ein Model 3 um 35.000 US-Dollar liefert das Label wohl auch aus Rentabilitätsgründen vorerst nicht aus. (hösch)