Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 02.02.2019


Motor News

Nachhaltig die Kante gegeben

Der von Grund auf neue Toyota RAV4 soll mit Design-Mut und frischer Plattform an den Erfolg des kleineren C-HR anknüpfen.

Unter dem kantigen Blechkleid sorgt die neue TNGA-Plattform samt neuem Hybrid-Antrieb für mehr Dynamik – am Ende bleibt der RAV4 aber ein entspannter Gleiter.

© WerkUnter dem kantigen Blechkleid sorgt die neue TNGA-Plattform samt neuem Hybrid-Antrieb für mehr Dynamik – am Ende bleibt der RAV4 aber ein entspannter Gleiter.



Von Johannes Posch

Barcelona – Ob ein Auto schön ist oder nicht, ist freilich reine Geschmackssache. Eines aber sei dem neuen Toyota RAV4 in jedem Fall verbindlich attestiert: Köpfe verdrehen wird er – aus welchen Gründen auch immer. Seit Akio Toyoda 2017 mit der Order „No more boring cars!“ quasi die Renaissance bei Toyota ausgerufen hat, lassen es die Damen und Herren im Designstudio doch ein wenig krachen. Geometrische Formen als sich durchziehendes Motto werden beim neuen RAV4 innen wie außen durch scharfe Kanten und ungewohnte Formen ausgelebt und ergeben ein SUV, das am Ende nicht nur noch markanter aussieht als sein Vorgänger, sondern obendrein auch praktischer geworden ist.

Bei leicht verringerter Außenlänge (–5 mm) und längerem Radstand (+3 cm) wurde die Rundumsicht verbessert, das Platzangebot für die Insassen erhöht und der Kofferraum vergrößert: 580 bis 1690 Liter sind es jetzt – mehr bietet kaum ein Konkurrent. Ja, sogar geländegängiger ist er geworden: Die Überhänge wurden kürzer, die Bodenfreiheit höher (+15 mm) und der Allradantrieb cleverer.

Apropos Antrieb: Wie bei allen aktuellen Toyotas wird es auch beim RAV4 keinen Diesel mehr geben. Zur Wahl steht ein konventioneller Saug-Benziner mit 175 PS, Vorderradantrieb und manueller Schaltung, ein Vorderrad-getriebener Hybrid mit 218 und ein Allrad-Teilzeitstromer mit 222 PS Systemleistung – beide mit stufenlosem Planetengetriebe. Der 4WD, vulgo Hybrid AWD-i, kommt dabei ohne mechanische Verbindung zwischen den Achsen aus. Er setzt zusätzlich zum auch beim 2WD verbauten, 88 kW starken E-Motor an der Vorderachse auf einen zweiten, 40 kW kräftigen Motor für die Hinterräder.

Das Konzept kennt man so schon vom Vorgänger. Die Komponenten, wie etwa der 2,5-Liter-Atkinson-Motor, das unter der Rückbank versteckte 6,5-Ah-Akku-Paket oder die E-Motoren, sind aber brandneu. Das fällt auch auf der Straße angenehm auf. Der neue RAV4 Hybrid fühlt sich ein gutes Stück lebendiger und souveräner an als das aktuelle Modell. Vor allem als 4WD: Die auf dem Papier vernachlässigbar klingenden vier zusätzlichen PS machen einen spürbaren Unterschied.

Kurvenräuber ist der neue RAV4 aber freilich auch in seiner fünften Generation keiner. Obgleich er sich dank solidem Fahrwerkssetup sowie ausreichend direkter und gefühlvoller Lenkung auch bei flotter Gangart über kurvige Landstraßen nie blamiert, liegt seine echte Stärke im entspannten Cruisen. Da erspart man sich dann auch das Toyota-Hybrid-typisch immer noch recht penetrante Heulen des Motors bei stärkerer Beschleunigung.

Also Fuß vom Gas und gleiten. So lässt sich nicht nur der Vorteil des gut arbeitenden Hybrid-Systems am besten ausnutzen (der Allrad bringt es auf einen Verbrauch von nur 4,4 l/ 100 km), sondern auch das Cockpit genießen. Auch hier galt im Vergleich zum Vorgänger „tabula rasa“. Das Ergebnis ist modern und aufgeräumt, überzeugt mit feiner Ergonomie und weiß zudem mit guter Ausstattung zu gefallen – wobei die vier angebotenen Ausstattungslinien eine fein dosierte Spreizung zwischen Preisbewusstsein und Luxus-Vorliebe ergeben.

Immer fix mit an Bord: LED-Scheinwerfer, adaptiver Tempomat und ein aktiver Spurhalte-Assistent. Wenn’s ein bisserl mehr sein darf, warten darüber hinaus Feinheiten wie beheizbare und belüftete Leder-Sitze, ein Panorama-Schiebedach, induktives Handyladen, bis zu fünf USB-Anschlüsse, ein digitaler Rückspiegel und vieles mehr.

Bestellbar ist der neue RAV4 ab sofort. Der Startpreis für den konventioneller Benziner liegt bei 32.990 Euro. Toyota aber sagt, dass 97 Prozent gleich zum Hybrid greifen werden. Der geht wiederum bei 36.890 Euro los, für den Allrad werden mindestens 40.190 Euro fällig.