Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 27.04.2019


Motor News

Mercedes V-Klasse: Update für den Raumgleiter

Mercedes spendiert seiner V-Klasse im Rahmen einer Modellpflege einen selbstbewussteren Look, eine neue Motorengeneration und einige Premium-Optionen.

Unverändert viel Platz, jetzt mit der jüngsten Motorengeneration des Hauses und aufgefrischtem Look: So geht die Mercedes V-Klasse in ihr fünftes Baujahr.

© WerkUnverändert viel Platz, jetzt mit der jüngsten Motorengeneration des Hauses und aufgefrischtem Look: So geht die Mercedes V-Klasse in ihr fünftes Baujahr.



Von Stefan Pabeschitz

Sitges – Wer den Nutzen eines Autos am Raumangebot festmacht, wird mit der V-Klasse von Mercedes schon bisher zufrieden gewesen sein: Mehr Karosserievolumen auf etwa fünf mal zwei Meter Baufläche bietet kaum jemand. Seit 1996, mit der Ablöse der rustikal-hemdsärmeligen Serie MB 100, hantieren die Stuttgarter mit der Bezeichnung V. Über die Jahr­e sowohl mit dem Buchstaben allein als auch als Vito und Viano, bis man sich mit dem Modellwechsel 2014 zur endgültigen Benennung in V-Klasse durchringen konnte. 209.000 Stück des Raumgleiters sind seitdem über den Ladentisch gegangen, und das bei Weitem nicht nur an Mietwagen- und Taxi-Unternehmen oder als verblechte Kommerz-Vehikel. Im Privatkundenbereich weist die V-Klasse die jüngste Käuferschicht aller Mercedes-Baureihen überhaupt auf – Familien- und Freizeit-Menschen setzen offenbar auf Stuttgarter Qualität mit Volumen.

Im nunmehr fünften Baujahr bekommt der Maxi-Mercedes einen an die aktuelle Markenlinie angepassten Look mit ausladenderem Stoßfänger vorne, größeren Lufteinlässen und einem konkaven Kühlergrill. Die Retuschen im Innenraum sind eher diskret gehalten: Luftauslässe im Turbinen-Design und eine hochwertigere Material-Auswahl wie bei den Pkw-Baureihen. Deren sprechendes Online-Multimedia-System MBUX hat es auch jetzt noch nicht in die V-Klasse geschafft. Über dafür notwendige digitale Architektur wird erst der Nachfolger, der für Ende 2021 zu erwarten ist, verfügen. Zum Trost wurde die flexible Sitzkonfiguration für bis zu acht Personen in drei Reihen um die Option zweie­r Luxus-Sitze in Reihe zwei erweitert: Mit Nappa­leder, Massage-, Klima- und Liegefunktion hält endgültig noble Business-Class-Atmosphäre Einzug in den Mercedes-Van.

Nachhaltiger ist dagegen der Wechsel unter der Haube: Genau genommen ist es nur ein Motor, der dort für Vortrieb sorgt, das aber in drei Ausbaustufen: Der 2-Liter-Selbstzünder löst die bisherige 2,2-Liter-Generation ab und wird als 220 d mit 163 PS , 250 d mit 190 PS und 300 d mit 239 PS angeboten. Die vormalige Einstiegsversion V 200 d mit 136 PS entfällt zumindest vorerst. Dazu sind alle Varianten serienmäßig mit der modernen Neungang-Automatik statt der bisherigen Siebengang-Option ausgestattet. Zwar steigt der Einstiegspreis der Baureihe damit um etwa 4000 Euro auf 55.992,30 Euro, für das Vergleichsmodell 220 d Automatik liegt er trotz gehobener Ausstattung und technischem Update allerdings um 140 Euro niedriger. Alle drei Leistungsvarianten sind mit Allradantrieb kombinierbar, der Aufpreis beträgt jeweils zirka 6000 Euro. Erhältlich ist die 4-Matic für die Karosserielänge kompakt zu 4,85 und lang mit 5,14 Metern. Die 5,37 Meter extralange Version muss mit einer angetriebenen Achse auskommen.

Im Fahrbetrieb fällt die zehnprozentige Hubraumreduktion nicht auf, auch auf dem Papier sind die Beschleunigungsdaten unverändert geblieben. Die neue Motorengeneration arbeitet in Verbindung mit der Neungang-Automatik vorbildlich laufruhig und dennoch mit kräftigem Durchzug, die Schaltvorgänge passieren noch einmal eleganter und komfortabler. Auch bei der Dämmung wurde merkbar nachgebessert, dazu hat die Abstimmung und Spreizung der Fahrprogramme bis hin zu sportlicher Gangart gewonnen. Der Entfall der bisherigen Basismotorisierung ist zu verschmerzen – sie war zwar steuerschonend, mit der Fahrzeugmasse von mindestens 2,2 Tonnen aber auch einigermaßen angestrengt unterwegs. Preisfüchse und Freunde des Handgerührten müssen sich noch bis zum letzten Quartal des Jahres gedulden – dann wird auch ein Sechsgang-Handschalter nachgereicht. Der bisherige Preisvorteil gegenüber der Automatikvariante lag bei 3000 Euro.