Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 01.06.2019


Motor News

Anpassung auf amerikanisch

Die Jeep-Ikonen Cherokee und Wrangler begnügen sich nun mit einem Vierzylinder-Benziner. Nur ewige Puristen werden dabei etwas vermissen.

US-Charakterdarsteller mit neuer Motorengeneration unter der Haube: Die kräftigen 2-Liter-Turbobenziner erfüllen ihre Aufgabe noch ungewohnt, aber klaglos souverän.

© WerkUS-Charakterdarsteller mit neuer Motorengeneration unter der Haube: Die kräftigen 2-Liter-Turbobenziner erfüllen ihre Aufgabe noch ungewohnt, aber klaglos souverän.



Von Stefan Pabeschitz

Desenzano – Sie haben eine direkte Blutlinie zum Ur-Jeep, dem Militär-Allradler Willy’s MA. Seit ewigen Zeiten halten sie die Markentraditionen hoch, wühlen sich mit bulligen Sechs- und Achtzylindern durch Staub, Geröll und Gatsch. Jetzt fahren sie mit Vierzylinder-Benzinern in die schöne neue Euro-6-Welt. Fans werden das erst einmal verdauen müssen. Auch die eher unamerikanische Herkunft der jüngsten Motorengeneration: Die 2-Liter-Blöcke sind bereits bei Alfa Romeo in Gebrauch, im Fiat-Chrysler-Universum heißen sie offiziell GME (für Global Medium Engine). In Giulia und Stelvio sind davon zwei Leistungsstufen mit 200 und 280 PS im Einsatz. Für Jeep wurde ein neuer Zylinderkopf konstruiert, in dem statt der Multi-Air-Technik mit Hydraulik-Ventilen zwei variable Nockenwellen arbeiten. Bei der Leistungsabgabe liegt die Jeep-Variante mit 272 PS fast gleichauf, das Drehmoment ist mit jeweils 400 Newtonmetern sogar identisch, wird bei den US-Motoren jedoch erst bei etwas höherer Drehzahl erreicht.

Der frühere Büffel unter der Haube ist somit dem typisch sehnigen Klang drehzahlhungriger Turbo-Aggregate gewichen. Was erst die zweite Überraschung darstellt – die erste ist der gewaltige Vortrieb, den der Motor im Wrangler wie auch im Cherokee entwickelt. Gegenüber dem alten V6 macht sich der Zuwachs von 85 Newtonmetern bezahlt, aber auch die gesamte Charakteristik ist völlig neu. Der Turbomotor hängt auffallend gierig am Gas – wer den Wrangler auf Frontantrieb geschaltet hat, erntet dafür durchdrehende Räder und Untersteuern. Mit zugeschaltetem Allrad wird die Kraft auf allen vieren problemlos gebändigt. Was bleibt, ist ein hochagiler Eindruck, aber ganz anders als bei der um über 50 Prozent hubraumstärkeren Vorgängergeneration mit zwei Zylindern mehr, die alles mit energischer Gleichmütigkeit erledigt hat. Besonders beim zweitürigen Wrangler mit seinem kurzem Radstand ist so eine Menge Fahrspaß serienmäßig an Bord.

Auch mit dem etwas schwereren Cherokee hat die kräftige Maschine wenig Mühe, sie harmoniert mit der automatischen Allrad-Verteilung und dem Update auf die Neun-Gang-Automatik. Im hier verfügbaren Sportmodus schärft sie zusätzlich die Krallen, reagiert noch spontaner und direkter auf Pedalkommandos. Beim Premium-SUV gilt gleichwertig wie beim knorrigen Kraxler Wrangler: Die Leistung ist stimmig, nur der drehzahlorientierte Charakter anfangs ungewohnt. Durch hochwertigere Akustik-Dämmung kommt der Unterschied aber hier etwas unspektakulärer an.

Was ein echter Jeep ist, muss auch im Gelände bestehen. Auf einem selektiven Offroad-Parcours schlug sich der neue Motor allerdings bravourös: Die Abstimmung der Leistungsabgabe mit den elektronischen Sperrdifferenzialen im Wrangler ist ebenso gelungen wie mit den Terrainprogrammen im Cherokee. Zwar wird auch hier mit deutlich mehr Drehzahl gearbeitet als bisher gewohnt, die unbestechliche Funktionalität des Allrad-Vortriebs selbst auf scheinbar aussichtslosem Terrain wurde aber, wenn möglich, sogar noch verbessert. Wie das System am Ende immer wieder irgendwo Grip findet, sich wenn nötig im Kriechgang vor- und hocharbeitet, nötigt einigen Respekt ab.

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In dieser Anwendung rückt der rechnerisch mögliche Normverbrauch von 9 Litern je 100 Kilometern im Wrangler und von 7,2 Litern im Cherokee zwar in weite Ferne, bei enthaltsamerem Straßengebrauch ist ein Konsum in dieser Größenordnung aber möglich. Verfügbar ist der neue Motor in beiden Modellen ab sofort. Beim Wrangler liegt der Einstiegspreis für den Benziner bei 59.090 Euro, im Cherokee ist er in den Versionen Trailhawk und Overland zu 60.990 und 64.490 Euro verfügbar.




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