Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 08.06.2019


Liebeswerben

Herr Rossi sucht das Glück

Seit Jahren wirbt Fiat Chrysler Automobiles vergeblich um einen Fusionspartner.

Wer kann diesen Kulleraugen der Kult-Knutschkugel widerstehen? Viele können es, auch Renault: Die angedachte Fusion ist vom Tisch.

© Wer kann diesen Kulleraugen der Kult-Knutschkugel widerstehen? Viele können es, auch Renault: Die angedachte Fusion ist vom Tisch.



Innsbruck – Mit Fiat Chrysler Automobiles will offenbar niemand so recht zusammengehen. Dabei wirbt der italo-amerikanische Konzern seit Langem offensiv um eine Fusion, ganz präg­nant war das etwa bei General Motors. Der US-Rivale unter der Führung von Mary Barra sah jedoch keinen zwingenden Grund für ein Zusammengehen. Renault, ein französischer Hersteller, sah sich die Sache kürzlich etwas genauer an, richtig überzeugt gab sich das Unternehmen jedoch nicht. Angedacht war zuletzt eine Verschiebung der Gespräche – genau das wollte das FCA-Management offenbar nicht auf sich sitzen lassen und zog das Fusionsangebot in der Nacht auf Donnerstag schließlich zurück. Beleidigt waren daraufhin zunächst einmal zahlreiche Aktionäre, die Kurse von FCA und Renault fielen anfangs markant. Dabei ist das Platzen der möglichen Fusion wettbewerbspolitisch eigentlich nur zu begrüßen: Angebots-, werks- und stellenseitig hätte es hier wohl massive Einsparungen gegeben – das wäre ein Fest für die Controller, nicht für die Innovatoren geworden. Ein Zusammengehen mit einem Start-up-Unternehmen ließe sich eher noch argumentieren, denn bei alternativen Antrieben hat FCA trotz Erdgaserfolgen Nachholbedarf. Tesla wäre beispielsweise ein Kandidat, zumal der angeschlagene Elektroautobauer Expertise in Sachen Produktion und Vertrieb benötigte. Gerade hier hat FCA traditionelle Stärken. (hösch)