Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 24.08.2019


Motor News

Ein Micra frisch aus dem Fitnessstudio

Kaum präsentiert, spendiert Nissan dem Micra schon eine neue Dreizylindergeneration. 100 und 117 PS leisten die Aggregate nun und machen den Japaner zum lebhaften Erlebnis. Im Test der 117 PS starke N-Sport.

Der scharf gezeichnete Micra gehört zu den Hinguckern seines Segments. Den Kleinwagen-Schuhen ist er aber ohnehin entwachsen.

© Reinhard FellnerDer scharf gezeichnete Micra gehört zu den Hinguckern seines Segments. Den Kleinwagen-Schuhen ist er aber ohnehin entwachsen.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Mäuschen, wie hast du dich verändert! Als „Mouse“ war der Nissan Micra einst Inbegriff der Putzigkeit und ein Verkaufsschlager. Bei der neuesten Modellgeneration des Micra vollzog Nissan 2017 – seiner Designphilosophie folgend – jedoch einen radikalen Wechsel.

Das Design mit scharfen Linien, Scheinwerfern und Konturen zielt bewusst auf eine trendbewusste Klientel. Völlig veränderte Proportionen schufen ein fast schon coupéhaftes Kleid. So wuchs die Länge um 17,4 Zentimeter auf fast vier Meter. Auch der Radstand legte um 7,5 Zentimeter, die Breite um 7,7 Zentimeter zu, dafür duckt sich der Micra nun.

Die optische Moderne geht innen weiter. Die getestete Modellvariante „N-Sport“ führte die Außenfarbe „Passion Red“ und sportliche Carbon-Applikationen im Innenraum mit einer überaus geschmackvollen Einrichtung fort. Von wegen Kleinwagen: So ist das gesamte Armaturenbrett in edlem Alcantara gehalten. Dazu kommen nette Details, wie die Bose-Lautsprecher in den Kopfstützen (zusammen mit dem Winterpaket gerade 650 Euro) oder das stylisch beleuchtete Ablagefach in der Mittelkonsole.

Zu einer neuen Fahrzeuggeneration gehört natürlich auch eine perfekt zu bedienende Multimediaeinheit. Das im Testwagen serienmäßig verbaute und 2019 erneut überarbeitete Nissan-Connect-System ist über den ergonomisch platzierten Sieben-Zoll-Berührungsbildschirm gut zu bedienen und verfügt über eine USB-, AUX- und Bluetooth-Schnittstelle sowie Sprachsteuerung. Musikgenuss per Handy ist also Programm. Dazu sind Smartphoneanbindungen wie Apple-CarPlay oder Android nutzbar.

In der Zusammenschau sieht da nicht nur vom Außenkleid, sondern vor allem von den inneren Werten her so mancher Kleinwagenkonkurrent verdammt alt aus. Speziell vorne fühlt sich der clever konstruierte Vier-Meter eher nach Kompaktklasse an. Vor allem Sitzposition und Ergonomie wirken erwachsen. Dies bekommen allenfalls Erwachsene auf der Rücksitzbank zu spüren. Dafür war ein Gepäckraum von 360 Litern noch vor wenigen Jahren ein lupenreiner Kompaktklassewert. Leider hat sich seither offenbar bei der Variabilität nichts getan. Zwei umklappbare Rücksitzlehnen – das war’s in der Kleinwagenklasse.

An diese erinnern teils die Materialien. Nissan verfolgt ein schlüssiges Konzept: Alles, was im Blick der Frontpassagiere liegt, ist von hochwertiger Anmutung, der Rest meist pflegeleichtes Hartplastik.

Große Klasse hingegen die neuen Dreizylinder. Nissan hat dem Micra ja gleich zwei völlig neue Dreizylinder mit 100 und 117 PS spendiert. Beide schnurren zurückhaltend sonor und laufen praktisch vibrationsfrei. Wir fuhren die Variante mit Pfeffer – den 117-PS-Benziner, ab 18.794 Euro, Acenta). Das Aggregat ist vom neuen 1,3-Liter Vierzylinder abgeleitet und präsentiert sich ausgesprochen munter. Unterstützt von 180 Newtonmetern (ab 1750 Touren) schießt der Micra förmlich die Gänge hinauf. Keine zehn Sekunden benötigt er für den Sprint auf 100 km/h – auch ein Verdienst des gekonnten Leichtbaus: So bringt der Top-Micra gerade 977 Kilogramm auf die Waage. Vielleicht erklärt auch das, warum der Micra im TT-Test trotz eher scharfer Fahrweise nicht mehr als 6,3 Liter zu sich nehmen wollte.

Spaß macht das Fahren mit dem spritzigsten Micra jedenfalls. Auch Schaltung und Lenkung spielen mit. In der getesteten Modellvariante „N-Sport“ zollen zudem eine straffere Fahrwerksabstimmung, ein um zehn Millimeter tiefergelegtes Fahrwerk und 17-Zoll-Bereifung der höheren Leistung Tribut. Dies alles ist gut für die flotte Kurve und die Sicherheit. Beim Fahren spürt man im Vergleich zum normal abgestimmten Micra aber schon auch federungsmäßig, dass man hier im Sportmodell sitzt. Das Ungewöhnliche: Es ist nahezu ein Schnäppchen, da es mit gerade 20.490 Euro sogar noch günstiger eingepreist ist als beispielsweise die beliebte Ausstattung „N-Connecta“. Da kann die Leasing­rate trotz Sportversion erfreulich niedrig ausfallen.

Wer hingegen voll und ganz Wert auf Komfort legt: Den 100-PS-Micra gibt es nun übrigens auch mit Automatik.

Die Technik

Motor: Dreizylinder-Turbo-Benziner
Hubraum: 999 ccm
Drehmoment: 180 Nm bei 1750 U/min
Leistung: 86 kW/117 PS
L/B/H: 3999/1935/1455 mm
Gewicht: 977/1490 kg
Kofferraumvolumen: 360 — 1004 l
Tankinhalt: 41 l
Höchstgeschwindigkeit: 195 km/h
0 — 100 km/h: 9,9 Sekunden
Verbrauch: 6,3 l/100 Kilometer
Kraftübertragung: Frontantrieb
Preis: (N-Sport) 20.490 Euro
CO2-Emission: 114 g/km